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In Rüschlikon gehts ohne Stipendien

Viele Gemeinden unterstützen junge Erwachsene finanziell bei der Ausbildung. Die Regeln dazu variieren indes stark. Gesuche etwa können Richterswiler das ganze Jahr über einreichen; in Horgen hingegen war am 27. August Eingabeschluss.

Von Nicole Trossmann Bezirk – Kurz vor Eingabeschluss letzten Freitag flatterten in Horgen noch eine gute Handvoll neuer Gesuche um Unterstützungszahlungen herein. Und doch wissen viele nicht, dass so manche Gemeinde ihren Einwohnern bei der Ausbildung finanziell unter die Arme greift. Sei dies durch einen Fonds, durch Stiftungen und Stipendien. Zuweilen handelt es sich auch um Darlehen, welche die Auszubildenden zurückzahlen. Erstaunlich ist, dass die Einwohner das Angebot oft kaum nutzen. Anerkannte Ausbildung In Kilchberg und Hirzel sind nur die gesetzlich vorgegebenen Unterstützungen möglich, also etwa ein Beitrag an das 10. Schuljahr: In diesem Fall berappen die Eltern nur 2500 der Totalkosten von rund 9000 bis 16 000 Franken. Wer ein Stipendium ergattern will, muss hingegen bei der kantonalen Bildungsdirektion anfragen. Dort haben Einwohner, die das 45. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, einen Anspruch auf Beiträge, wenn sie eine staatlich anerkannte Ausbildung anstreben – also etwa Berufslehren. Bedingung ist, dass sie selber sowie ihre Familie in bescheidenen finanziellen Verhältnissen leben. Weiter müssen Antragsteller ihr Gesuch bis spätestens 30 Tage nach Beginn ihres Ausbildungsjahres einreichen. In den anderen angefragten Gemeinden bestehen weitere Möglichkeiten, die jeweiligen Einwohner bei ihrer Ausbildung zu unterstützen. Dabei stellen auch die Gemeinden die Bedingung, dass der Betroffene wie auch seine Eltern nicht in der Lage sind, die nötigen Mittel für die Ausbildung aufzubringen. Damit endet aber auch schon die Gemeinsamkeit; die einzelnen Regelungen unterscheiden sich stark. Etwa, was den Eingabeschluss des Gesuchs betrifft. In vielen Gemeinden können sich die Einwohner das ganze Jahr über melden, so etwa in der privaten Arthur-Wethli-Stiftung in Richterswil. In Thalwil hingegen müssen Gesuche bis zum 31. Mai bei der Schulpflege eingereicht sein, für Stipendien aus dem Fonds der Schulpflege Horgen lief die Frist am 27. August ab. Auch die Altersgrenze variiert. In Richterswil gibt es keine diesbezügliche Regelung, in Thalwil aber müssen Gesuchsteller noch schulpflichtig sein. Bei der «Stiftung für die Adliswiler Jugend» gilt 30 als Maximalalter der Unterstützungsberechtigten, während es in Wädenswil und Horgen grundsätzlich keine Altersgrenze gibt: Dort nämlich bearbeitet das Berufsinformationszentrum (BIZ) Gesuche und fragt für deren Antragsteller diverse Stiftungen und Fonds des Kantons Zürich an. Thalwil zahlte 18 500 Franken Zusätzliche Regeln bestehen in den Gemeinden Rüschlikon und Thalwil. In Letzterer besteht ein Fonds, der Stipendien und Darlehen vergibt – vorausgesetzt, die Jugendlichen fragen vorgängig bei der Bildungsdirektion an und können zwei abgewiesene Gesuche vorlegen. Thalwil hat zusätzliche Regeln, was die Kunst- und Sportschulen betrifft: Dort übernimmt die Gemeinde die Hälfte des Schulgeldes; maximal sind dies 6000 Franken. Jedoch können Familien in finanziellen Notlagen ein Gesuch stellen, damit auch der Rest der Kosten gedeckt wird. Wie rege die Einwohner das jeweilige Angebot nutzen, hängt ebenfalls stark von der Gemeinde ab. Adliswil unterstützt rund fünf Vereine und zehn Privatpersonen pro Jahr. «Wir zahlen zum Beispiel ein Musikinstrument, ein Jahresabonnement, einen Auslandaufenthalt oder helfen Jungen bei einer Zweitausbildung, auch im künstlerischen oder sportlichen Bereich», erklärt Esther Dünki vom Ressort Jugend und Sport. Dabei setzt die Gemeinde auf Darlehen wie auch auf Beträge, die nicht zurückzuzahlen sind. Thalwil zahlte im vergangenen Schuljahr in drei Fällen Unterstützungen; total waren es 18 500 Franken. Laut Gemeindeschreiber Martin Pallioppi bekam im laufenden Schuljahr eine Person bereits 7500 Franken. In Richterswil bat letztes Jahr nur ein Einwohner um Unterstützung durch die private Wethli-Stiftung; 2008 war es gar niemand. Rüschlikon vergibt ausschliesslich zinslose Darlehen, auch durchaus in der Höhe von rund 20 000 Franken, die der Auszubildende in Raten abstottern kann. In den letzten zehn Jahren stellten bloss drei Personen ein Gesuch, die letzten fünf Jahre verstrichen gänzlich ohne Gesuche. Die Zuständige Veronika Haenggi sagt: «Ich vermute, dass Rüschliker Eltern genug Geld haben, um die Sprösslinge bei der Ausbildung selbst zu unterstützen.» Gemeindeschreiber Benno Albisser zeigt sich dennoch erstaunt: «Wir sind zwar eine wohlhabende Gemeinde, doch auch hier gibt es Familien, die aufs Geld schauen müssen.»

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