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In Hütten lassen viele Kinder ihre Jokertage verfallen

Die Gemeinden handhaben die zwei bewilligten Freitage für Schüler, die sogenannten Jokertage, sehr unterschiedlich. Mitunter fehlt ihnen dafür gar die gesetzliche Grundlage.

Von Nicole Trossmann Bezirk – Die Sommerferien stehen vor der Tür, und das Wetter zeigt sich von seiner besten Seite. Da fällt so manchem Schüler ein, dass er seine Jokertage noch nicht bezogen hat. Ob und wie er sie jedoch beziehen darf, variiert von Gemeinde zu Gemeinde. Aber nicht nur die behördliche Handhabung der zwei offiziell genehmigten freien Tage unterscheidet sich stark; auch die Schüler nutzen sie unterschiedlich. Gemäss Volksschulgesetz dürfen Schüler im Kanton Zürich seit 2007 während zweier Tage pro Schuljahr freinehmen – und dies ohne Angabe eines Grundes. Einige Einschränkungen allerdings gelten: Ein Schüler kann nicht eingezogene Jokertage im nächsten Schuljahr nicht kumulieren; nutzt er sie nicht, so verfallen sie. Weiter darf er sie nur ganztägig beziehen: Ein freier Morgen etwa gilt als ganzer Jokertag. Und schliesslich sind spezielle Schulanlässe gesperrt: So dürfen die Schüler an Besuchs- oder Sporttagen, in Klassenlagern und Projektwochen keine Jokertage einfordern. Wann die Schüler das von den Eltern unterschriebene schriftliche Gesuch einreichen müssen, handhaben die Gemeinden sehr verschieden: Während es in Schönenberg und Richterswil reicht, dem Lehrer das Formular am Vortag abzugeben, sind es in Adliswil und Horgen zwei Tage, in Langnau gar eine Woche im Voraus. Hütten unterscheidet zusätzlich, wann jemand einen Jokertag beziehen will: Während es an normalen Schultagen genügt, das Gesuch zwei Tage vorher einzureichen, sind es deren zehn, wenn ein Schüler mit den Jokertagen seine Ferien verlängern will. Rechtlich heikel Neben Sperrtagen wie den genannten Schulanlässen, an denen es gesetzlich nicht erlaubt ist, Jokertage zu beziehen, haben Hirzel, Adliswil und Wädenswil zusätzlich eigene Sperrtage eingeführt: So dürfen Kinder auf dem Hirzel in der ersten Woche nach den Sommerferien nicht freimachen. In Adliswil dürfen Schüler zwar zwei Tage früher in die Sommerferien, ansonsten sind die letzten zwei Wochen aber für Jokertage gesperrt. Wädenswil sperrt diese zwei Schulwochen gleich komplett. Der Grund liegt auf der Hand: «Manchen Schülern fällt Ende Schuljahr ein, dass sie ja noch Jokertage beziehen dürften. Und plötzlich fehlen so viele Schüler, dass die Klassen halb verwaist sind», sagt Ivo Ramer, Leiter des Adliswiler Schulsekretariats. Den Unterricht aufrechtzuerhalten, ist unter diesen Umständen schwierig. Dennoch erstaunt, dass die Gemeinden diese Eigenregelungen eingeführt haben – obwohl es gar keine gesetzliche Grundlage gibt, wie Martin Wendelspiess, Amtschef der Bildungsdirektion, auf Anfrage erklärt: Eine Sperre für Jokertage sei gemäss Paragraf 30 der Volksschulverordnung nur «für besondere» Anlässe vorgesehen. Jokertage ein oder zwei Wochen lang pauschal nicht bewilligen dürften die Gemeinden gesetzlich eigentlich gar nicht. Damit konfrontiert, sagt Patrick Weil, Leiter Pädagogik und Schulentwicklung Wädenswil: «Die Zusatzregelung ist aus Sicht der Schule sinnvoll, auch wenn sie rechtlich heikel ist.» Auch Ramer gibt zu: «Wenn Eltern das anfechten würden, hätten sie wohl gute Chancen, damit durchzukommen.» Horgen habe ebenfalls mit einer Sperre vor den Sommerferien geliebäugelt, sagt Adrian Perschak, Schulleiter der Oberstufe. «Aber wir entschieden uns dagegen; rechtlich wäre es nicht haltbar.» Gleich argumentiert der Schönenberger Schulleiter Walter Hunziker: «Auch wir wollten Jokertage in diesen zwei Wochen verbieten, aber gesetzlich geht das nicht.» Geschickt umging Thalwil das Problem: Wer Jokertage in der letzten Schulwoche vor den Sommerferien beziehen will, muss das zwei Wochen vorher ankündigen. «So verhindern wir, dass Schüler Freitage beziehen, einfach weil sie merken, dass morgen schönes Wetter ist und man doch baden statt in die Schule gehen könnte», sagt Ruedi Schönenberger, Schulleiter der Oberstufe. Viele Jokertage verfallen Die meisten Schüler im Bezirk nutzen ihre Jokertage, um die Ferien zu verlängern, vor allem Sommer- und Weihnachtsferien erfreuen sich grosser Beliebtheit. In Wädenswil, Schönenberg und Richterswil hingegen bleiben die Schüler dem Unterricht auch mal wochentags fern oder verlängern ihr Wochenende. In fast allen Gemeinden ziehen die Jungen die Tage einzeln ein, nur in Langnau nehmen sie oft gleich beide zusammen. Besonders auffallend ist, dass viele Jokertage verfallen: Während in Schönenberg, Adliswil, Horgen und Thalwil mehr als die Hälfte der Schüler ihre Freitage beziehen, fehlen die Kinder von Langnau, Wädenswil, Richterswil oder Hütten wenig im Unterricht. Die Schulleiterin von Hütten, Silvia Hitz, sagt: «Sie nutzen die Freitage für besondere Anlässe; ein verlängertes Wochenende, einen Ausflug mit der Familie – und nicht, um einfach mal freizuhaben.» Auch der Richterswiler Schulleiter Sacha Mannhart freut sich über das Verantwortungsbewusstsein der Schüler: «Sie setzen Jokertage wirklich erstaunlich sinnvoll ein.» So verschieden Schüler und Gemeinden die Tage handhaben, so unterschiedlich sieht es auch in den Kantonen aus. Mag also ein Wädenswiler Schüler murren, er dürfe nun, vor den Sommerferien – obwohl das Wetter einen so verführerisch nach draussen lockt – nicht freinehmen, so ergeht es ihm doch besser als der Basler Jugend: Ihr ist kein einziger Jokertag erlaubt. Am besten haben es die Bündner: Dort dürfen die Schüler gar während dreier Tage im Jahr blau- machen.

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