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Im Schlepptau von Meister Röthlin

11 700 Läuferinnen und Läufer aus 30 Ländern klassierten sich am 31. Greifenseelauf.

Von Monica Schneider, Uster Ist da tatsächlich etwas gelaufen? Dank 1000 Helfern wird heute Morgen in Uster kaum jemand noch Spuren des Greifenseelaufs bemerken, der die Stadt am Samstag mit seinen knapp 12 000 Teilnehmern, mindestens so vielen Begleitern und noch einmal so vielen Zuschauern zum 31. Mal beherrscht hat. In allen Schulhäusern und Turnhallen, die als Garderoben und Büros dienten, wird wieder gelehrt, gelernt, geturnt und getanzt werden, der Stadtpark erholt sich vom Super Saturday, die Absperrgitter sind weggeräumt und harren ihrer nächsten Bestimmung. Für viele der Gestarteten, egal über welche Distanz, ist der Greifenseelauf ein emotionaler Höhepunkt und die Ankunft an einem grossen Saisonziel. Für Marathon-Europameister Viktor Röthlin bedeutete er in diesem Jahr den Startschuss in seine neue Kampagne, die am 7. November im New -York-City-Marathon gipfeln soll. Duell mit Belz, Sieg von Tandoi Im Startgelände in Niederuster wimmelt es vor dem Start der Elite von Fotografen und Fernsehkameras. Auch für den renommierten Herbstlauf ist es nicht selbstverständlich, mit Röthlin und seinem Jugendfreund Christian Belz die beiden besten Schweizer am Start zu haben. Sie sind die Favoriten und kämpfen um den nationalen Halbmarathon-Meistertitel – und wie sie es tun. Belz kann sich zwar bei Kilometer 18 leicht absetzen, Röthlin lässt sich davon aber nicht entmutigen und schliesst in der Steigung hinauf zur Kirche wieder auf. Und dann bieten sie den begeisterten Zuschauern auf der Zürcherstrasse und im Zielgelände das erhoffte Duell. Belz tritt dreimal an, Röthlin kontert jedes Mal aus der Lauerposition, und mit einem letzten kräftigen Antritt wird er in 1:05:47 Fünfter und ist damit bester Schweizer. Mit 35 Jahren hat er seinen ersten Schweizer Meistertitel auf der Strasse gewonnen. Dass der Sieger 44 Sekunden schneller war, stört den Obwaldner wenig, zumal es mit Abraham Tandoi sein Trainingspartner ist, der im letzten halben Jahr bei ihm zu Gast war und mit dem er im kommenden Monat die langen Trainings absolvieren wird. Knapp zweieinhalb Minuten schneller war Röthlin 2005 auf derselben Strecke, deshalb sagt er auch: «Wohin dieser Auftakt führt, ist offen.» Am nächsten Sonntag will er über dieselbe Distanz in Lissabon starten und als letzten Test am 24. Oktober die 10 Meilen in Portsmouth absolvieren. Dass die Elite bei idealen Bedingungen um den See geflogen sein muss, erkennt die breite Masse in deren Schlepptau und manchmal auch in schleppendem Tempo. Triathlet Sven Riederer überrascht als 7. in 1:07,51, Ursula Spielmann-Jeitzinger aus Spiez wird in 1:18:05 Meisterin und Lokalmatadorin Maja Luder-Gautschi aus Bertschikon glänzt in 1:19:46. Rund 13 Millionen Kalorien Derweil macht sich Mark mit der Startnummer 9048 im Schottenrock auf den Weg, und bei Kilometer 7 erleichtert sich ein Sorgloser ganz erheblich. Nach einem Fünfzigernötli flattert auch ein Zwanziger und ein Zehner aus seiner Hosentasche, eine mühselige Einsammelaktion unterbricht den hart erarbeiteten Rhythmus. Danach bleiben noch so viel Zeit und Kilometer, diese und jene Rechnerei anzustellen. So kann es gut sein, dass rund 8000 Halbmarathon-Läufer an diesem Nachmittag rund 13 Millionen Kalorien verbrannten, was rund 1,8 Tonnen Schokolade entspricht. Und bis es am 17. September 2011 wieder Greifenseelauf heisst, dauert es nur noch 362 Tage. Röthlin (links) gewann das Duell gegen Belz um die Halbmarathon-SM. Foto: Key Die breite Masse hinter der Elite flog nicht um den See, manche genossen den Lauf bei idealen Bedingungen in schleppendem Tempo. Foto: Beat Marti

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