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Im Korsett der Provinzstadt

Roman Wick muss beim AHL-Team Binghamton mit einem farblosen Ort und einem straff organisierten Spiel zurechtkommen.

Von Silvan Schweizer Im hockeyverrückten Ottawa glaubten einige, ihren neuen Stürmerstar gefunden zu haben, als Roman Wick vor dem Sommer einen Einjahresvertrag unterschrieb. Der Zürcher hatte im Schweizer Playoff überzeugt, am viel beachteten Olympiaturnier brilliert. Der Wirbel um ihn war dann aber rasch verflogen. Schon früh in der Vorbereitungsphase wurde Wick von den Senators zum Farmteam abgeschoben – nach Binghamton, New York, in eine Provinzstadt auf halbem Weg zwischen Manhattan und der kanadischen Grenze. Seit vier Wochen lebt Wick nun im 50 000-Seelen-Ort, wo kaum etwas los sei. «Es ist schon nicht der Hit», gibt er unumwunden zu. Er benötigte Zeit, um sich mit seiner Situation abzufinden. Der Traum von der NHL war in Ottawa nach nur drei Testpartien mit je zehn Minuten Eiszeit vorerst beendet. «Da war es schwierig, etwas zu zeigen», sagt Wick. Der bald 25-Jährige gibt sich aber selbstkritisch: «Ich hatte Mühe mit dem Stil. Im Nationalteam lief es mir eigentlich immer gut auf dem kleinen Eisfeld. Nun hatte ich Anlaufschwierigkeiten.» Von der 4. Linie nach oben Auch in Binghamton fand sich Wick zu Beginn nicht zurecht. Die ersten fünf Partien wurde er in der dritten Linie eingesetzt. Zuerst musste er gar mit fremden Stöcken spielen, weil seine noch nicht aus Kanada gekommen waren. Dann wurde er auf einmal in die vierte Formation zurückgestuft. «Da dachte ich schon: Was mache ich eigentlich hier?», sagt Wick. Im letzten Spiel, dem siebten, lief er nun plötzlich in der ersten Reihe auf und kam gar im Powerplay zum Einsatz. Für Wick ist klar: «Hier kann man sich auf nichts verlassen.» Das Spiel in der AHL schätzt er als technisch schwächer ein als das in der Schweiz. Dafür sei es viel körperbetonter und die Spieler seien bis in die Haarspitzen motiviert. «Es gibt kein Wenn und Aber. Wenn einer nicht will, hat es genug andere, die den Platz übernehmen», sagt Wick. Den Kopf voller Spielzüge Mittlerweile hat er sich an das System des Coaches gewöhnt. Für jedes Bully, jede Situation gibt er eine Variante vor. Am Anfang fühlte sich Wick noch wie ein American Footballer, der sich Dutzende von Spielzügen einprägen muss. «Ich dachte, ich habe fast keine Freiheiten mehr.» Nun sucht er die Kreativität innerhalb der Taktik. Auf seinen ersten Punkt wartet er allerdings noch. «Wenn ich weiter in der ersten Linie trainieren kann, kommt auch das mit dem Skoren», glaubt Wick. «Ich muss optimistisch bleiben, spektakulär aufspielen. Das gefällt den Trainern. Ich werde den Bettel sicher nicht einfach hinwerfen.» Zu seinen Teamkollegen fand Wick rasch den Draht. Die Mannschaft unternimmt viel gemeinsam, geht golfen, zum Abendessen, vor kurzem besuchte sie eine Einrichtung für behinderte Kinder. Wick hat mit dem 21-jährigen Kanadier Mike Hoffman eine möblierte Wohnung bezogen, er kocht oft selbst. «Auch da habe ich noch Luft noch oben», sagt er lachend. Immerhin, die «Hörnli mit Gehacktem» nach dem Rezept der Mutter gelingen. Seine Eltern erwartet er kommende Wochen zum ersten Besuch. Die wenige Freizeit nutzt er meist am Computer, wo er sich über die Resultate seines Stammklubs Kloten informiert. Oder er tauscht sich mit anderen AHL-Schweizern wie Severin Blindenbacher, Yannick Weber oder Roman Josi über das Leben in dieser Liga aus. Sie können nur allzu gut mit ihm fühlen. 7 Spiele, 0 Punkte – aber Roman Wick sagt: «Ich werde den Bettel sicher nicht einfach hinwerfen.» Foto: Just Sports

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