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Im Guss auf dem Trockenen

Der Veranstalter eines Kabarettabends in Bülach wollte seine erwachsene Tochter erziehen – und schenkte darum dem Publikum keine Getränke aus.

Von Kathrin Morf Bülach – Jacques Deubelbeiss übertrieb es mit seiner Konsequenz. Der Veranstalter liess das Publikum eines Kabarettabends auf dem Trockenen sitzen. Er liess die 30 Unterländer im Glauben, die Stadt habe ihm eine Ausschankbewilligung verweigert. Im Publikum sass auch Manuela Seiler. Sie amüsierte sich in der Vorstellung des Kabaretts Klischee im Kulturzentrum Guss. Der Spass war aber in der Pause vorbei. Es standen keine Getränke bereit. Die Schuldfrage war für die Besucher schnell geklärt: Verantwortlich, so dachten sie, sei die Stadt Bülach, welche das Zentrum seit Oktober vermietet. Gang aufs WC gegen den Durst Deubelbeiss hatte den Gästen beim Eintreten in den Saal eröffnet, die Stadt habe ihm keine Ausschankbewilligung erteilt. «Wir fanden das völlig daneben», sagt Seiler, die in der Pause auf die Toilette eilte, um Wasser zu trinken. Nach dem durstlöschenden Ausflug aufs stille Örtchen diskutierten die Besucher, ob die Stadt dem Zentrum nach dem Nein an der Urne ganz das Wasser abdrehen wolle. «Die Zuständigen sol-len den Ausschank erlauben oder Nägel mit Köpfen machen und das Zentrum schliessen», sagt Seiler und meldete sich bei den Medien. «Ein Ausschankverbot? Das kann nicht sein», sagt Stadtpräsident Walter Bosshard auf Anfrage. Und behält recht: Die Organisatoren erhielten zwar tatsächlich keine Ausschankgenehmigung – aber nur, weil sie die übliche Gebühr dafür nicht bezahlten. Jacques Deubelbeiss organisiert sämtliche Kabarett-Klischee-Auftritte. Seine erwachsene Tochter wirkt im Duo mit. Als er den Auftritt in Bülach plante, erschienen ihm die 450 Franken Miete für 24 Stunden im Kulturzentrum «ein sehr fairer Preis». Dann kamen aber immer neue Kosten hinzu, diejenigen für die Plakatwerbung beispielsweise – und die polizeiliche Veranstaltungsbewilligung von 60 Franken. «So kamen 700 Franken zusammen», schätzt er. Dennoch bezahlte er – und teilte der Stadtpolizei schriftlich mit, er werde ausserdem ein paar Wasserflaschen und Bierchen hinstellen mit einem Kässeli, in das die Besucher einen Betrag ihrer Wahl werfen könnten. «Ich bin ein ehrlicher und konsequenter Mensch», sagt Deubelbeiss. Wenn er etwas vorhabe, sage er das auch. Erzieherische Massnahmen Nun, die Polizei schätzte seine Konsequenz – und stellte ihm weitere 60 Franken für die Erlaubnis zum Betrieb einer Festwirtschaft in Rechnung. Weil der Vorverkauf sehr schleppend lief, beschloss Deubelbeiss, diese Gebühr nicht zu zahlen. «Das war eine erzieherische Massnahme. Ich bin eben auch in dieser Hinsicht konsequent», sagt er. «Meine Tochter sollte lernen, dass man spart, wenns nicht läuft.» Konsequent unterliess Deubelbeiss an diesem Freitag auch das heimliche Aufstellen von Getränken. Stattdessen hängte er ein Plakat über die Bar, auf dem die tränenüberströmten Komödianten zu sehen waren. Zu lesen war der Hinweis, die Stadt habe die Ausschankgenehmigung nicht erteilt. Er habe falsch gehandelt, räumt der Aargauer ein. «Das fantastische Publikum hätte die doppelte Festwirtschafts-gebühr verdient.» Ins Unterland zurückkommen wird das Kabarett darum sicher, vielleicht auch nach Bülach, denn die Stadt habe alles gut organisiert. Auch die Besucher dürften dem Guss nicht abhandenkommen. «Ich werde wieder hingehen», sagt zumindest Seiler. «Zur Sicherheit stecke ich aber eine volle PET-Flasche in die Tasche.» Manuela Seiler machte zunächst die Stadt Bülach für die leeren Gläser am Kabarettabend verantwortlich.Foto: Kathrin Morf

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