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Ihre Mentorin weckte die Lust am Politisieren

Beim Duopoly-Programm der Zürcher Frauenzentrale begleiten junge Frauen eine Politikerin während eines Jahres. Renate Büchi aus Samstagern war als Mentorin nun schon zum dritten Mal dabei.

Von Nicole Trossmann Samstagern – Während sich das Mentoringprogramm Duopoly 2010 schon bald dem Ende zuneigt, läuft die Vorbereitung für das nächste auf Hochtouren. Die Bundesratswahl vom September, die erstmals zu einer Frauenmehrheit führte, könnte Duopoly 2011 zusätzlich Aufwind verschaffen. Beim Programm der Zürcher Frauenzentrale haben jedes Jahr junge, gesellschaftspolitisch interessierte Frauen die Chance, einer erfahrenen Politikerin während eines Jahres über die Schultern zu blicken. Seit 2006 sind Teams aus je einer Mentorin und einer Mentee unterwegs; heuer waren es deren zehn. Eines davon besteht aus der Kantons- und Gemeinderätin Renate Büchi (SP) aus Samstagern und der Jus-Studentin Maria-Isabella Wieser aus Stäfa. Buch mit sieben Siegeln Als Büchi vor drei Jahren zum ersten Mal vom Duopoly-Programm hörte, war für sie sofort klar, dass sie mittun wollte. «So lerne ich spannende Persönlichkeiten kennen, zudem vertieft man immer auch das eigene Wissen und Verständnis, wenn man einen Sachverhalt jemand anderem erklären muss.» Ein weiterer Grund ist die Nachwuchsförderung. Es herrsche in der Politik kein Massenandrang seitens der Jungen, deshalb wolle sie solche Programme unbedingt unterstützen. Eine von Büchis Mentees ist inzwischen gar Gemeinderätin. Büchi selbst würde diesen Umstand zwar nicht ihrer Arbeit als Mentorin zuschreiben. «Doch zumindest hat sie das Jahr mit mir nicht abgeschreckt», sagt die Samstagerin augenzwinkernd. Wieser habe sich schon immer für Politik interessiert, diese jedoch als undurchdringbar-komplexes System empfunden, in dem der Einzelne sich weder zurechtfindet noch etwas bewirken kann. Büchi nickt und wirft ein: «Die Politik wirkt anfangs wie ein Buch mit sieben Siegeln.» Trotz ihres Interesses hatte sich Wieser nie getraut, einer Partei beizutreten: «Ich hätte mich geschämt, mit blöden Fragen aufzufallen.» Ihrer Mentorin gegenüber verspürt sie hingegen keine Scheu. Als Jus-Studentin profitiere sie darüber hinaus enorm von diesem Jahr: «Wir Juristen wenden die Gesetze an, und diese werden von der Politik gemacht.» Durch den Einblick in den Vorgang, wie Gesetze entstehen, versteht sie dieselben besser. Ein anderer Grund, beim Duopoly-Programm mitzumachen, war für Wieser die Bildungspolitik, die sie nerve: «Es wird am falschen Ort gespart.» Auch gegen soziale Ungerechtigkeiten will sie etwas unternehmen: Wieser hatte eine Sans-Papiers als Nachbarin und litt darunter, dass sie sich nicht für deren Rechte einsetzen konnte. Im Januar lief das Duopoly-Programm 2010 an. Büchi und Wieser trafen sich erst mal zum Mittagessen in der Mensa der Universität. Die Mentorin zeigte Wieser die Eckpfeiler ihres politischen Lebens auf; als Gemeinde- und Kantonsrätin sowie als Parteimitglied. Seither trafen sich die beiden sechsmal. Wieser begleitete Büchi auf SP-Delegierten- oder Gemeindeversammlungen und nahm an einer Kantonsratssitzung teil. Zudem bekamen alle Mentees von der Frauenzentrale ein Medientraining. Sie lernten vor der Kamera, wie man überzeugend argumentiert. Bundesratswahl war «cool» Bei manchen Sitzungen fürchtete die Richterswiler Gemeinderätin, dass sich ihre Mentee schrecklich langweile. Diese gibt zu, es seien manchmal «lange Abende» gewesen, versichert aber, sie habe sie stets als spannend empfunden. Spannend war für die beiden Teilnehmerinnen eines Programms der Frauenzentrale natürlich auch die geschichtsträchtige Bundesratswahl. Immerhin sei die Rolle der Frau in der Politik noch keine Selbstverständlichkeit, sie selbst etwa sei schon in etlichen Gremien die einzige Frau unter lauter Männern gewesen, sagt Büchi. «Wir Schweizer können von uns ja auch nicht behaupten, dass wir das Frauenstimmrecht schon seit hundert Jahren haben.» Dass dasselbe in der Schweiz erst sehr spät eingeführt wurde, wisse man gar in Schweden, erzählt Wieser. «Als ich dort in den Ferien war, sprachen mich Schwedinnen darauf an – das war mir enorm peinlich.» Der Ausgang der Bundesratswahl am 22. September fand Wieser «cool», dennoch erschreckt es sie, dass der jetzige hohe Frauenanteil so stark diskutiert wird. «Solange das ein Gesprächsthema ist, sind Frauen in der Politik noch nicht am Ziel.» Es braucht Verbündete Büchi wollte ihrer Mentee mit auf den Weg geben, dass man in der Politik viel erreichen könne: «Aber nicht allein – man braucht immer Verbündete.» Die Mentees sollten aber auch sehen, dass zum politischen Alltag auch Misserfolge gehören; wichtig sei, wie man damit umgehe. «Ich kandidierte in diesem Jahr für das Gemeindepräsidium, wurde nicht gewählt und gehe die Politik dennoch genauso motiviert an wie zuvor.» Das Jahr hat Wieser die Berührungsängste vor der Politik genommen. Sie habe gelernt, dass man sich durchaus auf dem politischen Parkett zurechtfinden könne. «Und dass man – vor allem lokalpolitisch – wirklich etwas bewirken kann.» Dennoch will Wieser nun nicht sofort in die Politik einsteigen. «Ich habe noch so viele andere Pläne, will reisen; für die Politik jedoch muss man mit ganzem Herzen dabei sein.» Die Neugier sei aber eindeutig geweckt, und bereits heute liebäugelt Wieser damit, dereinst – wie ihre Mentorin Büchi – selber Politik zu machen. Anmeldeschluss für das Duopoly-Programm 2011 der Zürcher Frauenzentrale ist der 7. November 2010. www.frauenzentrale-zh.ch Maria-Isabella Wieser (links) begleitete die Richterswiler SP-Gemeinderätin Renate Büchi während eines Jahres. Foto: Silvia Luckner

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