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«Ich will der Welt etwas zurückgeben»

Mauro Maniglio hat das Staatsexamen in Medizin an der Universität Zürich mit der Bestnote bestanden. Als Einziger erzielte der Ustermer in allen 14 benoteten Prüfungen eine Sechs.

Von Manuel Nägeli Uster – «Es ging mir nie um die Noten. Ich lernte für mich, weil ich möglichst gut vorbereitet meinen Beruf antreten möchte. Der Abschluss mit lauter Höchstnoten ist aber ein schöner Nebeneffekt, der mich schon sehr freut», erzählt der beste Absolvent des Staatsexamens in Medizin, Mauro Maniglio. Zwischen Juni und September hatten die Studenten insgesamt 17 Prüfungen zu absolvieren, von denen fünf schriftlich waren. 14 davon wurden benotet. Maniglio erzielte in allen eine Sechs – nach knapp einjährigem Lesen und intensivem Büffeln. Elite-Med-Preis als Lohn Natürlich brauche es auch ein bisschen Glück, «doch mit Lernen kann man den Faktor Glück minimieren, den man für den Erfolg benötigt», meint Maniglio. Unzählige Medizinbücher stapeln sich in seinem Zimmer. Zum Aufräumen ist er noch nicht gekommen. Am vergangenen Donnerstag wurde ihm im Rahmen der Diplomfeier, die in der Kirche Enge in Zürich stattfand, den mit 5000 Franken dotierten Elite-Med-Preis 2010 übergeben. Die Elite-Med-Stiftung wurde von den Brüdern Wilhelm und Hans Vetter gegründet und dient dem Zweck der Förderung und Weiterbildung auf dem Gebiet der Medizin auf hohem universitärem Niveau. «Mit einem Teil des Preisgeldes werde ich ein Fest organisieren und mit all meinen Studienkollegen nochmals zusammenkommen und feiern. Den Rest investiere ich in ein Tourenvelo», erzählt Maniglio. Nach dem Gymnasium und einem intensiven Zwischenjahr absolvierte der 25-Jährige ohne Hintergedanken die Zulassungsprüfung zum Medizinstudium. Als er von seinem herausragenden Ergebnis erfuhr, entschied er sich spontan für diesen Studiengang. «Am Anfang hatte ich schon meine Bedenken, ob ich dann für anderes noch Zeit hätte, wie das viele sagen», doch er sei einfach an allem interessiert gewesen und habe deshalb viel schneller gelernt als andere. Deswegen sei er aber noch lange kein Genie, sagt der Medizinabsolvent bescheiden. Und so blieb ihm genügend Zeit für anderes. An den Wochenenden legte er regelmässig in Zürcher Klubs als DJ auf, und seit dem zweiten Studienjahr assistiert er in der Sportclinic Hirslanden. Seine Hobbys reichen weit über die Medizin hinaus: Maniglio liest, zeichnet und tanzt gerne, spielt Saxofon, fährt häufig Velo – neuerdings auch als Velokurier –, schwimmt wöchentlich einmal oder geht gerne mit Kollegen aus. «Dieser Ausgleich ist sehr wichtig. So kann man seine Ressourcen besser einsetzen», rät Maniglio, der aus einer sechsköpfigen Familie stammt. Und während des Gesprächs zeigt sich, dass er sich auch viele Gedanken über die Welt macht. Als sensiblen, vielseitig interessierten und wissensbegierigen Menschen bezeichnet er sich. Finger selbst amputiert Auf seine sechsjährige Studienzeit schaut er zufrieden zurück. Nach drei Jahren in Zürich wechselte er im Rahmen des Erasmus-Programms für ein Jahr nach Paris, wo er neben der französischen Sprache auch viele neue Erfahrungen dazugewinnen konnte. Wieder zurück in Zürich, stand das Wahlstudienjahr an. In diesem Jahr müssen sich die Medizinstudenten in Spitälern praktisch weiterbilden. Weil er sehr gerne reist, um neue Kulturen und Sprachen kennen zu lernen, arbeitete Maniglio nicht nur in der Schweiz, sondern auch einen Monat in Mexico City und drei Monate in Zimbabwe. Dort konnte er das erste Mal wirklich Verantwortung übernehmen, als er zum Beispiel selbstständig eine Fingeramputation durchführte. «Die Zeit in Afrika hat mir sehr viel gebracht. Die Infrastruktur ist mit den hiesigen Verhältnissen in keiner Weise zu vergleichen, und es war eine grosse Herausforderung dort zu praktizieren. Auch menschlich machte ich sehr viele positive Erfahrungen», blickt Maniglio auf seinen Auslandaufenthalt zurück. Mittelmeer-Rundfahrt als Ziel Zurzeit arbeitet der gebürtige Italiener an seiner Doktorarbeit in Handchirurgie, mit der er Ende Februar fertig sein möchte. Danach gönnt er sich ein Zwischenjahr. «Wenn alles nach Plan läuft, werde ich im März mit dem Velo losfahren», verrät der ehemalige Student seine Pläne. Eine Mittelmeer-Rundfahrt ist das Ziel – ein Jahr gibt sich Maniglio Zeit dafür. Und vielleicht bleibe er auch irgendwo länger, lerne Arabisch oder arbeite in einem nordafrikanischen Spital, meint der Ustermer. Später wird er eine Ausbildungsstelle als Assistenzarzt antreten, damit er den Facharzttitel erlangen kann. Maniglio zieht es in Richtung Chirurgie. «Ich sehe meinen Weg im humanitären Bereich, bei Médecins Sans Frontières zum Beispiel. Dies ist meine Verantwortung, so kann ich der Welt, der ich so viel zu verdanken habe, etwas zurückgeben.» Er wisse sein Glück zu schätzen, dass er hier geboren wurde und ihm alle Möglichkeiten offenstünden, sagt Mauro Maniglio. Mauro Maniglio will sich für Benachteiligte einsetzen. Foto: Christoph Kaminski 52 % 2sp, 4f, arzt von Arburg, 8264

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