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Hoch zu Ross mit Blasinstrumenten

Die Kavalleriemusik Zürich und Umgebung feiert morgen in Herrliberg ihr 75-Jahr-Jubiläum mit Pauken und Trompeten.

Von Ueli Zoss Küsnacht – Ueli Welti, seit elf Jahren Präsident der Kavalleriemusik Zürich und Umgebung, steht vor seinem Rebberg in Küsnacht. Dieser liegt sanft in die umliegenden Hügel eingebettet. In Weltis Kelterei wird manch guter Tropfen verarbeitet und anschliessend in der Weinkellerei gelagert. Trotz des vielen Regens im Sommer werde es heuer einen guten Jahrgang geben, sagt Welti. «Die Trauben sind sehr schön.» Bis zur Lese in rund drei Wochen wünscht er sich noch ein paar sonnige Tage. Für Ueli Welti war auch 1935 ein guter Jahrgang: Damals wurde die Kavalleriemusik Zürich und Umgebung gegründet. Seinen 75. Geburtstag feiert der Verein morgen in der Vogtei Herrliberg. «Das gibt mir Gelegenheit, allen unseren Mitgliedern für ihren stetigen und uneigennützigen Einsatz zu danken», sagt der Präsident. Natürlich wolle man auch einen geselligen Abend verbringen. Die Standarte am Ehrenplatz Welti weiss viel über seine strammen Mannen von altem Schrot und Korn zu berichten. Schon sein Grossvater Gottlieb sei Kavallerie-Trompeter gewesen. Welti zeigt auf ein Foto, das den Moment der Standartenweihe vor zwei Jahren festhält. Es habe eine ganze Weile gedauert, bis man die Flagge mit dem Wappen erhalten habe. Er selbst ist hoch zu Ross und in Uniform zu sehen. «Lange Zeit ist das verschleppt worden», sagt er. Die Standarte hat in seinem Haus einen Ehrenplatz bekommen. Der Präsident wird sie an die Feierlichkeiten mitnehmen. Die Liste der Aktivmitglieder umfasst 29 Namen. Fast alle stehen im dritten Lebensabschnitt. Einige sind sogar älter als der Verein. Die Jüngsten im Bunde sind der bald pensionierte Stäfner Schulhausabwart Peter Roth und Eduard Hauser, Polizist aus Hombrechtikon. Das Instrumentarium der Kapelle ist imposant und umfasst alle Arten von Blasmusik-Instrumenten – Tuba, Horn, Trompete, Kornett und Posaune. Dazu kommen Pauke und Trommel. Die Kavalleriemusik Zürich und Umgebung intoniert vor allem Märsche. Wenns lüpfig wird, auch mal einen Walzer. Für die Marschmusik gibt es eine Art Köchelverzeichnis. «Wir spielen eigentlich immer nur Nummern, weil die Komponisten in der Regel unbekannt sind», sagt Welti und fügt lachend an: «Wer mit der Puste etwas Mühe bekundet, dem streicht unser Dirigent einfach die schwierigen Passagen vom Notenblatt.» Ueli Welti kramt die Festschrift zum 50-Jahr-Jubiläum hervor, das der Verein damals auf dem Zürichsee beging. Im Vorwort wird das Ende der Schweizer Kavallerie bedauert: Die Dragoner wurden als Letzte unter den europäischen Armeen 1972 vom damaligen EMD-Vorsteher Rudolf Gnägi abgeschafft. «Ja, ja der Gnägi». Man hätte ruhig noch eine Kavallerie-Einheit erhalten können, um sie bei Staatsempfängen einzusetzen, wie das in Kanada heute üblich sei, sagt Welti. Erhalt eines Kulturguts Seine Truppe spielt oft und gerne. «Wir halten damit das Kulturgut der Blasmusik am Leben.» Besondere Wertschätzung geniesst die Kavalleriemusik in Seniorenheimen, aber auch bei Fahnenübergaben, Vorbeimärschen oder an Schwingfesten. Noch am letzten Mittwoch spielte die Kavalleriemusik in Fehraltorf. Die Reise in den Bezirk Pfäffikon berappte die Schweizer Armee. In der Vogtei Herrliberg lassen sich die Jubilare heute musikalisch verwöhnen. Die berittene Delegation der Kavallerie-Schwadron 72, hoch zu Ross und in Uniform, gibt vor der Vogtei ein Ständchen. «Das haben wir uns verdient.» Die Feierlichkeiten finden heute ab 16 Uhr in der Vogtei Herrliberg statt. Ueli Welti, Präsident der Kavalleriemusik, reitet in voller Montur über sein Weingut in Küsnacht. Foto: Michael Trost

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