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Hirzels «Heritage»

Werbung?Die Fabrik ist weg, aber für Nestlé ist Hirz immer noch vom Hirzel. Von Andreas Jäggi Auf dem Hirzel ist es schön. Auf dem Hirzel hat es Kühe und Hügel mit Bäumen darauf und schönen Geschichten darüber. Dieses Bild hilft seit 1869 dabei, Hirz-Joghurts zu verkaufen. Doch seit 1992 prangt das Nestlé-Logo auf den Joghurts, seit 2003 werden sie von Emmi produziert, und seit 2005 ist die Fabrik auf dem Hirzel geschlossen. Seither werden die Joghurts in der Innerschweiz hergestellt. Auf der Website www.hirz.ch findet sich dazu kein Wort. Mit den Hirzler Linden im Seitenkopf wird unter dem Punkt «Geschichte» kräftig lokalkoloriert. Weiter als bis 1970 schafft es die Geschichtsschreibung aber nicht. Auf Anfrage schreibt Nestlé: «‹Hirz› hat ihre ‹Marken-DNA› und die ‹Heritage› vom Hirzel bekommen und führt diese mit dem Markennamen automatisch weiter.» «Heritage» heisst «Erbschaft». Ich bin kein Experte punkto Stammbäume von Joghurts. Deshalb forsche ich in der Produktepalette nach. Ich muss sagen: Diese Joghurts sind ganz schön experimentierfreudig. Mango-Passionsfrucht leuchtet mir ein. Himbeere-Vanille ebenfalls. Aber Erdbeere-Coco? Scheinehe! Und was wohl die Heritage ist, die ein Kiwi-Tropicana-Joghurt dem Hirzel verdankt? Vielleicht finden wir die Antwort ebenfalls auf der Webseite. Dort steht geschrieben, man sehe am «Horizont sanft gerundete, grüne Hügel, gekrönt von markanten Einzelbäumen. Es sind die weitherum berühmten Hirzeler Sommerlinden.» Wer solches schreibt, kann kein Hirzler sein. Vielleicht war es ein Züricher, ein Horgener oder gar ein Baseler. «Es ist der Zweiklang Hügel - Baum, der so typisch für den ‹Hirz› ist», sinniert der Werbetexter weiter. Tatsächlich: Mit einem Löffel und einem stichfesten Joghurt lässt sich das Bild problemlos nachstellen. Allerdings hat es Nestlé auch nicht einfach. Wie soll man das Produkt denn sonst nennen? Die Hirz-Joghurts werden heute in Ostermundigen hergestellt. Aber «Osti» klingt nach DDR und passte allenfalls zu einem Plattenbaujoghurt.

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