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«Heute braucht man ein Navigationsgerät im Lastwagen»Die Schleichwege bleiben offen

Die Richterswiler Kantonsrätin Renate Büchi (SP) setzt sich gegen fehlgeleiteten Lastwagenverkehr ein. Sie hat sich mit einer Anfrage an den Regierungsrat gewandt. Der kann ihr aber nicht helfen. Transportunternehmer Aldo Bulgheroni aus Horgen sagt, wegen des Zeitdrucks sei das GPS unverzichtbar.

Mit Satellitenunterstützung ans Ziel Von Daniel Stehula Horgen - Aldo Bulgheroni kennt die alte Zeit. Die gute alte Zeit der Camionneure. Die Fahrten im Lastwagen überland. Die Chauffeure kennen die Schweiz wie ihre Westentasche. Sie kennen Schleichwege und wissen, wo eine zu niedrig gebaute Brücke ein Hindernis ist. Sie kennen die guten Restaurants am Weg und wissen, wann wo ein Stau droht. Seit über vierzig Jahren gibt es die Firma Bulgheroni Logistik in Horgen. In dieser Zeit hat sich viel verändert, nicht nur der Verkehr auf der Strasse hat zugenommen, auch der Druck auf die Chauffeure. Und die technischen Hilfsmittel haben Einzug gehalten. Wenn Aldo Bulgheroni einen neuen Lastwagen anschafft, dann versichert er sich, dass dieser mit einem GPS-System ausgerüstet ist. «Und die anderen rüsten wir mit einem Tom-Tom aus», sagt er. Tom-Tom ist der Marktführer der mobilen GPS-Systeme. Die kleinen Geräte kann man beispielsweise mit einem Saugnapf an die Windschutzscheibe kleben – ein Einbau ist nicht nötig. «Heute braucht man ein Navigationsgerät im Lastwagen», sagt Bulgheroni, «sonst ist der Zeitverlust für den Chauffeur zu gross.» Zum einen kann die Suche nach einer Strasse lange dauern, zum andern sorgen Verkehrsinseln, Tempo 30-Zonen, Einbahn- und Privatstrassen dafür, dass die Camions weniger schnell an ihr Ziel gelangen. Bulgheroni klagt. Das GPS hilft zumindest bei der Suche nach dem Zielort. Bulgheroni hat selbst ein Navigationsgerät im Auto und sagt, es sei eine gute Sache. Doch er kennt auch die Nachteile: «Manche folgen gleichgültig den Anweisungen des GPS-Geräts», sagt er. Sie merken sich den Weg nicht und finden den Ort selbstständig nie mehr. Sie fahren Umwege, weil sie nur auf das Gerät hören. Sie nehmen den kürzesten Weg und bleiben an einer Brücke stehen, die zu niedrig ist. Manchmal geraten sie auf eine Strasse, die nicht für Lastwagen gebaut wurde. «Früher», sagt Bulgheroni, «war es anders. Aber ich bin nicht dagegen, wie es heute ist.» Er rät nur eines im Umgang mit den Geräten: «Man soll sie nicht immer gleich einschalten, sondern nur dann, wenn es wirklich nötig ist.» Von Daniel Stehula Richterswil – Jeden Tag in der Früh, wenn Gemeinde- und Kantonsrätin Renate Büchi (SP) joggen geht, sieht sie hinüber zur Oberen Laubeggstrasse. Sie verbindet Samstagern mit Hütten auf direktem Weg und wäre für den Autoverkehr eine gute Ausweichroute. Vorbei am Hüttnerseeli, die 15 Prozent steile Seelistrasse lässt man links liegen, den Umweg über Schindellegi kann man sich auch sparen. Immer wieder haben Lastwagenchauffeure den Weg über die Obere Laubeggstrasse eingeschlagen, um schneller nach Hütten zu gelangen. Doch sie kamen oft nur bis zum Gartenzaun der Familie Müller. Dort blieben breite Lastwagen in der Regel hängen und konnten nicht mehr weiter. Sie mussten die schmale Laubeggstrasse rückwärts zurückfahren – ein Unternehmen, das viel Zeit kostete. Das Navi wies den Weg Gemeinderätin Büchi erfuhr vom Lastwagenverkehr auf dem Schleichweg und stellte sich zwei Fragen. Die eine: Weshalb nehmen die Chauffeure diesen Weg? Die andere: Was kann man dagegen tun? «Die Chauffeure haben auf unsere Fragen erklärt, ihr Navigationsgerät habe sie auf diesen Weg geführt», erzählt Büchi. Damit war die erste Frage halbwegs geklärt. Zusammen mit der Kantonspolizei erwirkte die Gemeinderätin ein Fahrverbot für Lastwagen auf der Laubeggstrasse. Als sie aber von weiteren Fällen dieser Art hörte, beschloss sie, eine Anfrage an den Regierungsrat zu machen. Die Anfrage vom 31. Mai trug den Titel «Mit dem GPS auf Abwegen» und enthielt folgende Kernfragen: Ob sich der Regierungsrat der GPS-Problematik bewusst sei. Ob gesetzliche Grundlagen bestünden, den GPS-Betreibern Auflagen zu machen. Denn schliesslich kürzten Camionneure auch den Weg in das Gewerbegebiet an der Oberen Schwandenstrasse ab, indem sie von der Beichlenstrasse in den Moosweg abbogen. Anwohner meldeten der Gemeinderätin und Vorsteherin der Sicherheitskommission, dass der Lastwagenverkehr stark zugenommen habe. «Wir schauten uns die Situation an», sagt Büchi und erzählt von Spaziergängern, die in die Wiese ausweichen mussten, von Schäden am Strassenbelag und Landschaden. «Wir fragten wieder Chauffeure, und die gaben an», erinnert sich Büchi, «das GPS habe ihnen den Weg gewiesen.» Nicht nur in Samstagern Büchi erfuhr im Kantonsrat, dass das Problem der Lastwagen, die wegen des Navigationsgeräts auf ungeeigneten Strassen fahren, sich nicht auf Samstagern beschränkt. Der Rümlanger Kantonsrat Thomas Hardegger (SP) unterschrieb die Anfrage ebenso wie die Sternenberger Amtskollegin Sabine Sieber Hirschi (SP). Die Flughafengemeinde Rümlang leidet ebenso unter fehlgeleitetem Lastwagenverkehr wie Sternenberg, das nur mit einer steilen Strasse erschlossen ist. Der Regierungsrat hat die Anfrage nun beantwortet (TA von gestern). Zum einen fehle die gesetzliche Grundlage für Auflagen bezüglich GPS-Software. Zum anderen müsse sich der Bund mit dieser Frage befassen und nicht der Regierungsrat. Aber man könne immer noch Strassen mit einem Lastwagenfahrverbot belegen. «Diese Antwort ist nicht sehr hilfreich», sagt Renate Büchi. Für sie zeigt sich darin, dass vonseiten des Kantons und des Regierungsrates keine grosse Bereitschaft zur Hilfe in dieser Sache besteht. «Man nimmt wohl an, es handle sich nicht um so viele Lastwagen», sagt sie, «und dass wir es mit einem Fahrverbot lösen könnten.» Aber das habe man ja bereits gemacht. Büchi, Hardegger und Sieber Hirschi hatten sich etwas Nachhaltiges gewünscht. Wie etwa die Vorschrift für die Anbieter von GPS-Software, dass sie die Strassenklassifikation berücksichtigen und anzeigen müssten. «Wir haben uns nach Erhalt der Antwort beraten», sagt Büchi, aber man habe wenige Möglichkeiten. Eine Standesinitiative ist wenig aussichtsreich, also wollen es die drei mit Druck auf kommunaler Ebene versuchen. Vielleicht könne man auch den Verband der Gemeindepräsidenten für die Sache gewinnen. Büchi sucht nach einer Lösung, denn: «Es ist eine ungute Situation.» «Es ist eine ungute Situation, dass LKW durch GPS-Geräte auf ungeeignete Strassen geleitet werden.» Renate Büchi (SP), Richterswil

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