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Herrlibergs 1.-August-Feier geriet ausser Kontrolle

Das Höhenfeuer wurde zur Bedrohung für die noblen Häuser und Villen am Hang. Die Feuerwehr musste es deshalb «richtig ersäufen».

Von Marius Huber Herrliberg – Es dürfte das kürzeste Höhenfeuer in der Geschichte Herrlibergs gewesen sein, aber was für eines: Erst loderte es artig, danach lechzte es plötzlich entfesselt und gierig um sich, zischte und tobte später, und dann dampfte und qualmte es nur noch. Der neue Gemeindepräsident Walter Wittmer (Gemeindeverein) hatte die Dorfbewohner zuvor noch daran erinnert, was sie dem Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVH) alles zu verdanken hätten: unter anderem das traditionelle 1.-August-Feuer auf der Aussichtswiese oberhalb des Dorfes. Und VVH-Präsidentin Antonia Baumann hatte in einer flammenden Rede die Symbolkraft des Feuers beschworen. Aber dass der Verein den Herrlibergern zu seinem 100-Jahr-Jubiläum ein derartiges Spektakel bieten würde, das konnten sie beide nicht ahnen. Sturmwind überraschte alle Das Festprogramm war am Sonntagabend früh Makulatur: Weil von Zürich her dunkle Regenwolken drohend aufzogen, entschieden sich die Organisatoren, den etwa 15 Kubikmeter grossen Holzhaufen schon vor 21 Uhr zu entzünden statt wie geplant erst um 22 Uhr. Kurz darauf fuhren unvermittelt die ersten heftigen Windstösse ins Feuer. Meterhohe Flammen schossen empor, und ein Funkenschweif wirbelte über die noblen Häuser auf der gegenüberliegenden Seite der Aussichtsstrasse. Der Sturm habe das auf der Anhöhe völlig ungeschützte Freudenfeuer direkt angreifen können und nicht mehr lockergelassen, erzählt Peter Bösch von der Stützpunktfeuerwehr Meilen. Die Flammen seien deshalb einem Einfamilienhaus rasch gefährlich nahe gekommen. Die Angestellten des Herrliberger Unterhaltsteams, die für das Feuer zuständig waren, und einige Feuerwehrleute in Zivil fackelten nicht lange: Sie griffen zu den zwei Wasserschläuchen, die für solche Notfälle bereitlagen. «Das war die richtige Reaktion», sagt Thomas Krauer, der stellvertretende Abteilungsleiter des Tiefbauamts. Trotzdem bekamen seine Leute das Feuer nicht in den Griff. Dies gelang erst, als kurz darauf auch die Kollegen von der Stützpunktfeuerwehr eingriffen. Enttäuschte Festbesucher «Wir mussten das Feuer richtiggehend ersäufen», sagt Bösch. Sonst hätte es womöglich die ganze Nacht weitergemottet, und die Anwohner hätten im beissenden Qualm kein Auge zugetan. Mit diesem rigorosen Vorgehen machten sich die Feuerwehrleute aber nicht nur Freunde. Ein paar vereinzelte Festbesucher seien enttäuscht gewesen und hätten kein Verständnis dafür gehabt, sagt Bösch. Für die Feuerwehrleute ging der Einsatz danach noch bis fast um Mitternacht weiter: Weil der heftige Funkenregen auch über Häusern und Scheunen an der Bergstrasse niedergegangen war, wurden diese mit einer Wärmebildkamera kontrolliert. Der Regen habe aber gründliche Arbeit geleistet, sagt Bösch. Ein Nachspiel hat der Vorfall voraussichtlich nicht. Auf der Gemeinde gingen gestern jedenfalls keine Beschwerden ein. Der Holzhaufen aber kokelte noch immer vor sich hin, die Aufräumarbeiten dauerten mehrere Stunden. Die Aufräumarbeiten am Tag danach dauerten Stunden. Foto: Michael Trost

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