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Guss-Mitglieder sahen keine Zukunft für ihren Verein

Das geschuldete Darlehen der Stadt Bülach erdrückt den Verein Guss 81-80. Deshalb leisteten die Mitglieder dem todkranken Patienten Sterbehilfe.

Von Andrea Söldi Bülach – Der Patient, dem am Donnerstag an die 80 Personen ihre Aufwartung machten, lag in den letzten Atemzügen. «Das Projekt Guss 81-80 ist klinisch tot. Verhungert», beklagte Vorstandsmitglied Claudia Forni in ihrem Statement. Nachdem sie es geliebt und gepflegt hätten, sehe sie nun nur noch eine Möglichkeit: die Maschinen abzustellen. Der Trägerverein des Bülacher Kulturzentrums Guss 81-80 war zur ausserordentlichen Generalversammlung gerufen worden, um die Auflösung des Vereins zu beschliessen. Dies, nachdem das Stimmvolk im Juni eine Erhöhung des Betriebsbeitrags von 30 000 auf 116 000 Franken abgelehnt hatte. Einfach fiel es den Mitgliedern ganz und gar nicht, den sterbenden Patienten gehen zu lassen. Über einen Reanimations-Antrag von Vereinsmitglied Paul Oertli wurde intensiv diskutiert. Dieser schlug vor, den Entscheid bis zur ordentlichen Generalversammlung nächstes Jahr zu vertagen und bis dahin die noch offenstehenden Möglichkeiten auszuloten. «Wenn ich dem Vorstand überhaupt etwas vorwerfen kann, dann dies: Er hat die Möglichkeit eines Downsizings nicht in Betracht gezogen», so der Ökonom und Inhaber der Werkzeugfabrik Oertli in Höri. Er versuchte die Mitglieder für einen reduzierten Betrieb ohne Eigenveranstaltungen, mit halbiertem Personalbestand und noch mehr Freiwilligenarbeit zu gewinnen. Voraussetzung sei jedoch die Schuldenfreiheit des Vereins, so Oertli. Und genau dies war der Punkt, an dem sein Vorschlag scheiterte: Der Erlass des Darlehens von 100 000 Franken von der Stadt Bülach sei an die Auflösung des Vereins gebunden, erläuterte Stadtpräsident Walter Bosshard. Und auch der gesprochene Beitrag von 84 000 Franken für eine geordnete Liquidation müsste zurückbezahlt werden, falls der Verein weiter bestehe. Einzig die 30 000 Franken jährlich, die in der bisherigen Leistungsvereinbarung enthalten waren, würde der Stadtrat wieder sprechen, erklärte Bosshard. «Der Stadtrat steht hinter dem Guss, aber wir können den Volksentscheid nicht umstossen.» Obwohl die Weiterführung des Zentrums ohne Verein Bülach teurer zu stehen komme als bisher, wie Bosshard bestätigte. Die Stadt hat die Räumlichkeiten bis 2014 gemietet. Hoffen auf eine Auferstehung «Ohne Stadt geht es nicht», räumte schliesslich auch Paul Oertli ein. Und nach etlichen anderen engagierten Voten waren am Ende 60 der 72 Stimmberechtigten dafür, den Verein per Ende Oktober aufzulösen. Alle Gläubiger würden damit auf ihre Darlehen verzichten, versicherte Vereinspräsident Dieter Liechti. Neben den 100 000 Franken der Stadt Bülach hatte das Zentrum knapp 14 500 Franken von der Brauerei Schützengarten und 20 000 Franken von Privatpersonen erhalten. Die Sachwerte würden dem Verein Kulturzunder oder einer anderen Institution vermacht. Nach diesem Akt der Sterbehilfe schritt die Trauergemeinde zum Leichenmahl, einem Apéro. Viele wollten die Hoffnung jedoch nicht ganz aufgeben, dass der Verstorbene irgendwann auferstehen könnte. «Guss ist zwar gestorben, aber wir alle sind noch lebendig», sagte Dieter Liechti und appellierte an die Mitglieder, sich in Bülach weiterhin für Kultur einzusetzen.

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