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Gefallene Krieger

Nach einer missratenen Saison müssen die Footballer der Winterthurer Warriors aus der NLA absteigen. Im Relegationsspiel gegen B-Meister Basel Meanmachine setzte es die 11. Niederlage in Folge ab.

Damian Keller, Winterthur Es ist der letzte Versuch, eine verpfuschte Saison doch noch zu retten. Die Warriors liegen fünf Punkte zurück, noch fünf Sekunden sind zu spielen, die Endzone ist weite 45 Yards entfernt. Warriors-Quarterback Randy Hippeard wirft, der Football segelt endlos lange durch die Luft. Und tatsächlich, Brandon Moore, der zweite Amerikaner der Winterthurer, fängt den Ball – steht aber dabei wenige Schritte vor der Endzone. Der Versuch ist zu kurz geraten, kein Touchdown, keine Punkte. Das Spiel ist vorbei, Basel Meanmachine rettet den 32:27-Vorsprung über die Zeit und steigt in die NLA auf, die Winterthurer müssen das Oberhaus nach einer sieglosen Saison mit elf Niederlagen verlassen. Die letzte Szene des Spiels widerspiegelt die gesamte Saison der Warriors. Immer wieder fehlten die entscheidenden Zentimeter, oft jedoch selbst verschuldet. Im Spielzug vor Hippeards letztem Versuch etwa hatten sie sich eine dumme 5-Yard-Strafe für einen Fehlstart der Offense eingehandelt. Wäre diese nicht gewesen, hätte der Pass wohl gereicht. «Wir haben uns immer wieder selber um die Früchte gebracht», formuliert es Warriors-Coach Bill Ramseyer. Auch für den 74-jährigen Amerikaner mit Schweizer Vorfahren war die Saison bitter. Die massiven Ringe an seinen Fingern zeugen von grossen Erfolgen aus 44 Jahren College-Football, letztes Jahr führte er die Winterthurer in die Playoffs – so eine Saison wie heuer hat er noch nie erlebt. Ob er nächstes Jahr noch Trainer in Winterthur bleibt, ist fraglich. «Ich fliege jetzt mit meiner Frau erst einmal nach Hause in die Staaten. Emotional aufgewühlt sollte man keine Entscheide fällen», sagt der deprimiert wirkende Coach. Die Seuche nie losgeworden Die Saison der Warriors geriet schon früh ausser Kontrolle. Kreuzbandrisse, Hirnerschütterungen, Knochenbrüche und weitere kleinere Verletzungen legten grosse Teile der Offense lahm. Der neue Quarterback Jake Santos etwa reiste früh mit gerissenen Kreuzbändern in die Heimat zurück – immerhin konnte er sofort durch den letztjährigen Spielmacher Randy Hippeard ersetzt werden, der gerade verfügbar war und sich nicht erst an das Spielsystem von Coach Bill Ramseyer gewöhnen musste. Doch auch an der Trainingsmoral haperte es. Ramseyer fragt rhetorisch: «Was will man trainieren, wenn nur ein Offensiv-Player im Training ist?» Und Hippeard versammelte das Team nach der Niederlage gegen die Basler noch auf dem Feld, um eine Standpauke zu halten. «Jeder muss sich hinterfragen. Nur am Spieltag vollen Einsatz zu geben, reicht einfach nicht. Wenn nicht jeder schon in den Trainings härter an sich arbeitet, bleiben wir für längere Zeit in der NLB.» Doch auch Hippeard und Moore, die beiden Imports, können sich nicht aus der Verantwortung stehlen. «Weiss Randy eigentlich, dass auch noch neun andere Spieler von uns auf dem Platz stehen?», fragt ein Warrior auf der Auswechselbank, nachdem wieder einmal ein «Big Play» der beiden Amerikaner missraten war. Zynismus im Abstiegskampf. Ohne Laufspiel und fast ohne kurze Pässe waren die Warriors für die Gegner leicht auszurechnen, Hippeards weite Zuspiele somit oft wirkungslos. Die Verarbeitung läuft Die nach der letztjährigen Playoff-Qualifikation mit viel Optimismus in die Saison gestarteten Warriors haben nun tiefe Wunden zu lecken. Vergilbt sind die Erinnerungen an das Jahr 2006, als die Winterthurer noch den Schweizer- Meister-Titel erkämpften. Die Verarbeitung des Abstiegs wird auch die Trainerwahl umfassen – darin eingeschlossen die Frage, ob man nicht besser auf mehr ausländische Spieler statt eines amerikanischen Coaching-Staff setzen sollte. Kein anderes NLA-Team setzte lediglich zwei Imports ein. Wenn der sofortige Wiederaufstieg gelingen soll, müssten sich die Warriors aber bereits im Sommertraining wieder auf ihren Vereinsnamen besinnen. Egal, wie viele Söldner verpflichtet werden. Fassungslosigkeit und Enttäuschung pur bei den Winterthurer Warriors nach dem Abstieg in die NLB. Foto: Damian Keller

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