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Frankreichs Atombehörde bringt Schweizer AKW-Gegner in Rage

Das AKW Fessenheim soll weitere zehn Jahre am Netz bleiben. Das kommt in der Schweiz nicht gut an.

Von Oliver Meiler und Christian Brönnimann Frankreichs ältestes und international umstrittenstes Atomkraftwerk, die Anlage im elsässischen Fessenheim, soll mindestens zehn Jahre weiterbetrieben werden. Das meldete die Pariser Zeitung «Le Figaro», die sich auf exklusive Informationen aus der nationalen Atomsicherheitsbehörde berief. Der Rapport der unabhängigen Prüfungskommission, die das 1977 in Betrieb genommene AKW getestet hat, soll in den nächsten Wochen verabschiedet werden. Die Experten knüpfen den Entscheid an eine Reihe von technischen Bedingungen, die im Herbst bekannt werden. In den Nachbarländern Schweiz und Deutschland löst der Beschluss zum Teil geharnischte Reaktionen aus. Atomkritische Politiker verlangen von ihren Regierungen, den Druck auf Frankreich zu erhöhen und sich dafür einzusetzen, dass Fessenheim vom Netz genommen wird. Die Schweizer Stromunternehmen Axpo, Alpiq und BKW hingegen wollen an ihren Beteiligungen an Fessenheim festhalten. Sie beziehen je rund 500 Gigawattstunden Strom pro Jahr. Fessenheim sei ein zentraler Faktor der Versorgungssicherheit, begründet BKW-Sprecher Antonio Sommavilla. Die Verträge mit Fessenheim laufen laut Sommavilla bis zum Betriebsende des AKW. Die Strombezüge aus französischen Atomkraftwerken seien «so schnell wie möglich» zu beenden, fordert hingegen Eric Nussbaumer, SP-Nationalrat und Vizepräsident der Energiekommission. Die Stromunternehmen müssten den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen Rechnung tragen. Stresstest nicht berücksichtigt Das Werk in Fessenheim ist nicht nur wegen seines Alters umstritten, sondern auch deshalb, weil es in einem Erdbebengebiet steht und überflutungsgefährdet ist. Der Entscheid der Aufsichtsbehörde sei skandalös, sagt Jürg Stöcklin, der Präsident des Trinationalen Atomschutzverbandes: Die Erkenntnisse aus dem europäischen Stresstest seien nicht miteingeflossen. Die Ergebnisse sollen erst Ende Jahr vorliegen. Für diesen Sonntag ist beim AKW in Fessenheim eine grosse Demonstration von Atomgegnern geplant. Fessenheim bleibt am Netz Kommentar: Der Entscheid widerspiegelt das Selbstverständnis Frankreichs. – Seite 2Die letzte Überprüfung des AKW fand vor dem Unglück in Fukushima statt. – Seite 3Politiker verlangen vom Bundesrat, in Frankreich vorstellig zu werden. – Seite 3

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