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Folgen des Reaktorunglücks erreichen nun auch Japans Küchen

In Japan werden zunehmend radioaktive Stoffe in Nahrungsmitteln gefunden. Der Zorn auf die Betreiber des havarierten AKW wächst.

Von Christoph Neidhart, Osaka Ja, Tepco sei verantwortlich für die Verstrahlung, gab Norio Tsutsumi am Dienstag vor Evakuierten in der Sperrzone um Fukushima I zu. Seine Firma studiere, wie sie die Leute von Okuma einige Kilometer hinter dem Kraftwerk entschädigen könne, so der Vizepräsident der Betreibergesellschaft von Fukushima I weiter. Er entschuldigte sich immer wieder, stiess aber kaum auf Sympathie. Ein Bauer brummte, Tepco mache besser vorwärts, dass er zurückkehren könne. Damit ist nicht zu rechnen. Während Tepco, Feuerwehr und die Armee an der Ruine des AKW kleine Fortschritte bei der Stabilisierung der überhitzten Brennstäbe und teilweise geschmolzenen Reaktorkerne machen, meldet das Erziehungsministerium, das die Strahlenmessungen koordiniert, immer neue Nachweise radioaktiver Isotope im Spinat, in der Milch und im Trinkwasser, sogar in Regionen, in denen Radioaktivität nicht erwartet wurde. Die relativ geringen Strahlungen seien «nicht unmittelbar gesundheitsgefährdend», heisst es dazu stets. Doch die Japaner sind skeptisch geworden. Die Regierung hat einen Lieferstopp für Spinat und Kakina, ein anderes Blattgemüse, aus den vier Präfekturen Fukushima, Iwate, Tochigi und dem nordwestlich Tokios gelegenen Gunma verhängt. Einige Gemüse-Proben enthielten Spuren von Cäsium-Isotopen und von Jod-131. Letzteres hat eine Halbwertszeit von acht Tagen, es verschwindet in einigen Wochen, das Cäsium aber bleibt. Diese vier betroffenen Präfekturen produzieren fast zwei Drittel des japanischen Spinats. Aber auch Blattgemüse aus andern Landesteilen wird nicht mehr gekauft. Landwirtschaftsminister Michihiko Kano sagte, mehrere Supermarktketten weigerten sich, Spinat in ihre Regale zu nehmen. Die Kommission für Nahrungsmittelsicherheit traf sich am Dienstag, um Strahlengrenzwerte für in Japan produzierte Lebensmittel vorzubereiten. Sie sollen bis nächste Woche festgelegt werden. Bis dahin gelten die provisorischen Werte, die vorige Woche verabschiedet wurden. Nach der Katastrophe von Tschernobyl 1986 führte Japan ein Gesetz mit Grenzwerten für importierte Lebensmittel ein. Für Produkte der heimischen Landwirtschaft gab es bisher keine Grenzwerte. Man hielt einen Atomunfall nicht für möglich. Der provisorische Grenzwert für Trinkwasser liegt bei 100 Becquerel pro Liter. Das sei die Limite für Kleinkinder, hiess es am Dienstag. Dennoch wurde auch Erwachsenen geraten, Wasser mit dieser Belastung nicht zu trinken. Das Wasser von fünf Gemeinden der Präfektur Fukushima hat die Limite überschritten, im Dorf Iitate um mehr als das Dreifache. Dort wurden die Behörden angewiesen, Wasser in Flaschen zu verteilen. Rheno, die populäre Ministerin für Verwaltungsreform, versprach den Japanern, es würden keine verstrahlten Lebensmittel in den Handel gelangen. Auch das Meer ist verseucht Nach dem tagelangen Kühlen der Reaktorruine mit Meerwasser prüfte Tepco das Meer auf Strahlung. Und wies eine Verseuchung mit Jod-131 und Cäsium-Isotopen nach, nicht nur vor der Küste beim Meiler, sondern noch in 16?Kilometern Entfernung. Ein Offizieller der Föderation der Fischereikooperativen sagte, das sei unbedenklich, da dort nicht gefischt werde. Andere Experten befürchten, Cäsium-Isotope könnten in die Nahrungskette gelangen.

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