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Fischenthal feiert nach drei Unterbrüchen wieder einmal den 1. August – ohne Gehässigkeiten

In Fischenthal drohte der Festredner Jakob Alt, die braven Bürger mit seiner Armbrust zu erschiessen. Er bot beste Unterhaltung.

Von Stefanie Pfändler Steg – Der 1. August ist in Fischenthal nicht nur Nationalfeiertag, sondern auch ein Reizwort. Der 1. August sorgte in der Vergangenheit für Unmut und Streit: Vor zwei Jahren wurden Mitglieder des Gemeinderates öffentlich beschimpft und des Platzes verwiesen. Beim damaligen Organisationskomitee hatte sich während der Vorbereitungsphase offenbar Wut über die nicht funktionierende Zusammenarbeit aufgestaut – dazu kam der Frust über zu wenige Gäste. Man sprach sich aus und gelobte Versöhnung, doch im Jahr darauf fiel das Fest ganz aus: Die Organisatoren sagten den Anlass ab. Wie auch schon 2006 und 2007 stand die Gemeinde vor dem Problem, für das Fest keinen Veranstalter zu finden. Eigentlich erstaunlich, wenn man das intensive Vereinsleben des bürgerlichen Fischenthal bedenkt. «Wir sind halt ein eigenes Völkchen hier hinten», kommentiert Konrad Stäheli die Ereignisse – die Sache scheint ihn eher zu amüsieren. Der Rentner ist Präsident der Drechslerei Kleintal und des Verkehrsvereins Fischenthal – beide Vereine haben das 1.-August-Fest dieses Jahr zusammen mit der SP organisiert. Trotz der skandalträchtigen Vergangenheit bleibt Stäheli gelassen. «Hauptsache, die Leute kommen.» Tatsächlich mangelt es dem 1.-August-Fest meist an Gästen: «In früheren Jahren kamen mehrere Hundert», erinnert sich Stäheli, «irgendwann feierte aber jeder in seinem Quartier, und der offizielle Festplatz blieb leer.» Knapp 100 Gäste waren es nun aber wieder, die gestern bei der Drechslerei auftauchten – eine gute Zahl, findet Stäheli. Auch der Gemeinderat kam Ebenfalls vor Ort war wieder der Gemeinderat: Taktisch geschickt kam die frisch gewählte Judith Sievi und hielt eine kurze und unspektakuläre Rede über Schweizer Errungenschaften. Dies wurde von den Zuhörern zwar nicht eben mit grossartiger Begeisterung quittiert, aber mit dem Hinauswurf wurde ihr auch nicht gedroht. Alles gut also im Fischenthal? Durchaus. Dennoch scheint die Gemeinde weiterhin ein Händchen fürs Gefährliche zu haben: Der Mundartdichter und Musiker Jakob Alt brachte seine Armbrust mit und schlug gleich zu Beginn seiner Festrede eine Schlagzeile für die Journalistin vor: «Entfesselter 1.-August-Redner schiesst mit Armbrust auf friedliche Bürger». So weit kam es am Ende nicht – die Schlagzeile muss deshalb leider weichen –, dafür aber verwandelte Jakob Alt den 1.-August-Brunch in ein Glanzstück bester Unterhaltung. Mit intelligentem Humor Der Bauer, den die Organisatoren aus dem Limmattal importiert haben, trug in urchigem Schweizerdeutsch wunderbare Erzählungen aus dem Alltag vor, die mit intelligentem Humor so manch eine Schweizer Eigenart aufs Korn nahmen. Zwischendurch holte er seine Armbrust hervor, die sich glücklicherweise nicht nur als Waffe, sondern auch als Saiteninstrument entpuppte, und gab ein paar Klimpereien zum Besten. Das Volk amüsierte sich, brunchte und klatschte und durfte sich freuen, endlich wieder eine 1.-August-Feier nach ganz normaler Manier erleben zu dürfen. Festredner Jakob Alt. Foto: pfs

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