Zum Hauptinhalt springen

Fast 300 Stellen sind bereits weg

Die Eurokrise und der starke Franken führen zu Firmenschliessungen, Stellenabbau und Verlagerungen – auch im Oberland. Die Unternehmen budgetieren für 2012 mit äusserster Vorsicht.

Von Stefan Krähenbühl Knapp fünf Monate nachdem der Eurokurs erstmals die Marke von 1.20 Franken unterschritten hatte, haben landesweit diverse Grossunternehmen mit Stellenabbau reagiert. Der «Schwarze November», wie er von der Wirtschaftspresse treffend umschrieben wird, hat auch in der Region diverse Firmen Arbeitsplätze gekostet (siehe Box). Prominente Beispiele sind die Wetziker Reichle & De-Massari, Glassolutions Schweiz in Hinwil oder die zur Wicor-Gruppe gehörende Weidmann Plastics Technology in Rüti. Insgesamt sind der Währungskrise bei grösseren Unternehmen im Zürcher Oberland seit Mitte Jahr mindestens 277 Arbeitsplätze zum Opfer gefallen. Ein Teil davon wird ins Ausland verlagert. Für Swissmem-Präsident Hans Hess, der in Auslikon wohnt, bewegt sich die Zahl im Rahmen des Erwartbaren. «Wir dürfen jetzt nicht dramatisieren», sagt Hess, der dem Verband seit einem Jahr vorsteht. «Die Unternehmen haben in Budgetdiskussionen festgestellt, dass ein Eurokurs von 1.20 Franken nicht reicht.» Das würden die Schweizer Firmen nun spüren. Tatsächlich überrascht der Zeitpunkt der Entlassungswelle nicht. Wie eine Umfrage in der Region des Zürcher Oberlands zeigt, sind diverse Unternehmen in der Budgetplanung äusserst vorsichtig vorgegangen. Vorsichtige Planung erhöht den Druck auf der Kostenseite. Folglich müssen Sparmassnahmen umgesetzt werden, um das Geschäft rentabel zu halten. Da drängt sich die Frage nach einem Abbau zulasten des teuren Produktionsstandorts Schweiz auf. Pfäffikon bleibt verschont Von Verlagerungen betroffen sind in der Regel Arbeiten, die von Hand ausgeführt werden und kein grosses Know-how benötigen. Das zeigt das Beispiel von Huber+Suhner. Der Kabelhersteller mit Standorten in Pfäffikon und Herisau gab Ende Oktober den Abbau von 80 Arbeitsplätzen in seinem Werk im Kanton Appenzell bekannt. Obwohl mit rund 700 Mitarbeitern fast gleich gross wie der Hauptsitz (900 Mitarbeiter), ist der Pfäffiker Betrieb nicht betroffen. «Intensive Handarbeit wird nur noch in Herisau betrieben», sagt Mediensprecher Axel Rienitz. «Ein Abbau in Pfäffikon ergibt daher zurzeit keinen Sinn. Zumal wir seit Anfang 2010 in der Schweiz rund 130 hochwertige Arbeitsplätze aufgebaut haben, einen grossen Teil davon in Pfäffikon.» Von weiteren Verlagerungen verschont blieb bis anhin die Wetziker Elma Electronic AG. Wie Firmenchef Edwin Wild sagt, komme er bei den aktuellen Wechselkursen ohne personelle Massnahmen aus. «Sowieso haben die wesentlichen Verlagerungen bereits in der Vergangenheit stattgefunden», sagt er. Mit dem Abbau von 80 Arbeitsplätzen im Jahr 2009 stärkte der Hersteller von Elektronikkomponenten sein Werk in Rumänien. Noch ist der Prozess nicht abgeschlossen. «Einzelne Nachkontrollarbeiten finden nach wie vor in der Schweiz statt», sagt Wild. «Doch das soll sich wenn möglich bald ändern.» Konkret verfügt Elma damit über Möglichkeiten, die Kosten im Notfall weiter zu senken. Notfallpläne bleiben geheim Dass kaum ein Unternehmen ohne Notfallszenario in das kommende Jahr starten wird, ist angesichts der aktuellen Lage nachvollziehbar. Denn selbst wenn sich die Wechselkurse in den letzten Monaten als stabil erwiesen haben, bleibt der Druck hoch. Ein erfolgreiches Wirtschaften ist zu den aktuellen Kursen über lange Strecken schwierig. Das merkt auch die Hinwiler Belimo Holding AG. «Das Wachstum ist nicht mehr ganz so dynamisch wie im ersten Halbjahr», sagt Firmenchef Jacques Sanche. «Aber katastrophal ist die Lage nicht. Und wenn es schlimmer wird, müssen wir uns anpassen.» Genaueres verrät Sanche nicht. Die Notfallpläne der Chefetagen bleiben im gesamten Oberland gut gehütete Geheimnisse. Aber sie sind vorhanden.Diese ausdrückliche Bereitschaft der Unternehmen, sich auf den schlimmsten Fall vorzubereiten, ist ganz im Sinne von Hans Hess. Zumal der Swissmem-Präsident den Abbau weiterer Arbeitsplätze befürchtet. «Ich gehe davon aus, dass in den nächsten Wochen weitere Firmen im Zusammenhang mit Sparmassnahmen Stellen abbauen werden», sagt er. «Zudem lässt sich nicht abschätzen, was der Abschwung 2012 verursachen wird.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch