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Essen aus dem Herzen Afrikas

Felicia Canda bringt Unterländern die Küche des Schwarzen Kontinents näher. Die Kongolesin züchtet dafür afrikanische Kräuter auf ihrem Balkon in Steinmaur.

Von Caroline Bossert Steinmaur – Neu in der Schweiz, wünschte sich Felicia Canda nichts mehr als eine warme Mahlzeit aus der Heimat. «So entstand vor sechs Jahren die Idee zu Afro-Food-Catering», sagt die in Steinmaur wohnhafte Kongolesin. Die heute 30-Jährige kam damals für ihre Diplomarbeit über die Lebensweise europäischer Jugendlicher in die Schweiz, traf dann auf ihren heutigen Ehemann und entschied sich, der Liebe wegen hier zu bleiben. Gemeinsam mit ihrem Mann Kaspar Gerber suchte sie stundenlang nach einem afrikanischen Restaurant – vergeblich. «Nach dem ersten Kulturschock war das Kulinarische ein zweiter grosser Schock für mich», erzählt sie in sauberem Hochdeutsch. Statt Maniok mit Sauce aus Erdnusspulver gabs nur Pasta in Rahmsauce, statt Polenta aus weissem Mais und süsse Kartoffeln fand sie hier Brot und Käse. Beim Einkauf erlebte Canda die nächste Überraschung: Die Lebensmittel, die sie kannte, schmeckten hier ganz anders. «Egal, ob Poulet, Kartoffel oder Kardamom – es hatte einfach alles viel weniger Geschmack», erinnert sie sich. «Heute habe ich mich daran gewöhnt, aber damals waren es genau solche Details, die ein brennendes Heimweh auslösten.» Eine Frau muss kochen können Kurzerhand liess sich Canda die alten Rezepte ihrer Mutter zuschicken. «Zu Hause habe ich ihr immer beim Kochen geholfen.» Schliesslich galt es, die neun hungrigen Mäuler ihrer Geschwister zu stopfen. «Es gehört dort einfach dazu, dass eine Frau kochen kann, dass sie täglich und viel kocht», sagt die Kongolesin. Auf dem Land aufgewachsen, sei das nächste Restaurant gut eine halbe Stunde entfernt gewesen. Heute begeistert Canda Hochzeitsgesellschaften und Geschäftsleute an Banketten für die unbekannte Küche aus dem afrikanischen Kontinent. Die Zutaten bestellt sie bei einem Importeur. Sie werden über Belgien in die Schweiz geflogen. Die Mutter beliefert sie mit afrikanischen Gewürzen. Andere Kräuter züchtet Canda selbst auf ihrem Balkon in Steinmaur. Für manche Pflanzen ist es hier aber einfach zu kalt. «Wir ha-ben zum Beispiel ein Kraut, wir nennen es Mijenzi. Es sieht wie Petersilie aus, mit kleineren Blättern, aber der Geschmack . . . – Canda schaut strahlend an die Decke, sucht nach Worten, findet keine und drückt ihre Begeisterung mimisch aus. Doch nicht nur die Geschmäcker, auch die Bräuche sind verschieden. In der Heimat sei das Essen immer ein geselliger Anlass. Da könne man locker zwei Stunden am Tisch sitzen, Geschichten austauschen, lachen, Kontakte knüpfen. «Alle sitzen um eine grosse Bambusplatte und schöpfen von Hand Reis, Polenta, Kartoffelbrei, Gemüse und Sauce.» Den Gepflogenheiten anpassen Etwas verlegen erinnert sie sich an ihre erste Begegnung mit Besteck in einem noblen afrikanischen Restaurant. «Mir standen gleich drei Messer und Gabeln zur Verfügung. Ich musste meine Freundin fragen, wie das geht. Es war so peinlich.» Heute muss sie ihrer Tochter das Essen von Hand beibringen, wenn sie zusammen die Heimat besuchen. «Sie jammert immer, sie verbrenne sich beim Essen die Finger. Ich erkläre ihr dann, man müsse sich immer den Gepflogenheiten vor Ort anpassen.» Mit ihrem Catering-Service für Afro-Food hat Felicia Canda eine Marktlücke entdeckt. Zugleich überwindet sie damit ihr Heimweh.Foto: Caroline Bossert

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