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«Es scheint ein Umdenken eingesetzt zu haben»

AtomunfallDie Katastrophe in Japan und die Folgen, TA vom 21./22. März Untragbare Risiken. Die von der Energiewirtschaft beschworene Energielücke, so sie denn überhaupt eintreffen wird, muss wohl (leider) zulasten der CO2-Ziele angegangen werden. Alles andere wäre eine noch viel grössere Katastrophe. Ziehen wir einen Kreis mit einem Durchmesser von 20 Kilometern (im Störfall am untersten Limit) um das AKW Gösgen, so reicht dieser im Norden bis an den Rhein, und was noch gewichtiger ist, er blockiert die Ost-West-Transversalen, teilt die Schweiz also in einen Ost- und einen Westteil. Bei einem gleichen Kreis um das AKW Mühleberg müssten wir bei einem Störfall die Städte Bern und Fribourg evakuieren. Im Fall Leibstadt müssen die frommen Mönche in St. Blasien ihre Bleibe verlassen, ebenso würden Brugg, Baden und Wettingen veröden. Können wir solche Risiken noch tragen? Und natürlich würde der Bruch der Grande-Dixence-Staumauer das Rhonetal ab Sitten völlig verwüsten, und sogar ein Mini-Tsunami kann an den Gestaden des Genfersees nicht ausgeschlossen werden. Aber so zynisch es klingen mag: Im Gegensatz zum nuklearen Störfall könnte mit den Aufräumarbeiten am nächsten Tag ungefährdet begonnen werden. Walter Kubli, Niederweningen Leise SVP. Es scheint, dass unter dem Eindruck der noch lange nicht ausgestandenen Atom-Katastrophe in Japan auch in unserem Land und in den bürgerlichen Parteien ein Umdenken und ein Lernprozess eingesetzt haben. Nur die sonst so vorlaute SVP-Führung hüllt sich in Schweigen. Das ist gut so. Denn was hätte sie nach ihrem beharrlichen Widerstand gegen eine aktive Umwelt- und Energiepolitik jetzt auch ehrlich zu sagen? Die auftauchenden realen Ängste und gesuchten Lösungen sind komplexer und tief greifender, als dass sie im Blickfeld ihrer Anti-Staat-Sparpolitik liegen oder mit dem politischen Röhrenblick auf Sozialschmarotzer und Ausländer aufgebauscht werden können. Otto Ackermann, Fontnas Selbstmörderischer Dünkel. Wer hätte noch vor zwei Wochen sich ausgemalt, dass unsere hoch technisierte Zivilisation es nicht fertigbringt, einen Steinwurf vom Pazifik entfernt ein Becken mit Wasser zu füllen? Kein Mensch, kein Ernstfallszenario hatte dies je auf der Rechnung. Die Atomkraft belehrt uns nun eines Besseren. Welch selbstmörderischer Dünkel ist es, zu glauben, dass wir – anders als in Tschernobyl oder Fukushima – das Risiko der Atomkraft im Griff haben und dass das bei uns nicht jederzeit auch passieren könnte, in der einen oder anderen unvorhergesehenen Art. Günther Gelpke, Volketswil Es braucht nicht eine Patentlösung. Interessant, dass die Atomwirtschaft nun plötzlich prüft, ob nicht noch weiter gehende Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden könnten. Dies, nachdem sie Jahre lang beteuert hat, wir hätten die sichersten Atomkraftwerke überhaupt. Geht es überhaupt in erster Linie um die Stromproduktion? Oder geht es einfach darum, grosse Gewinne einzufahren? Gebetsmühlenartig wiederholt nun die Atomlobby ihre immer gleichen Behauptungen: Wenn die AKW abgeschaltet werden, bräuchten wir zwingend Gas- oder Kohlekraftwerke. Als ob es keine Alternativen gäbe. Es geht eben genau darum, dass es nicht die eine Patentlösung in grossindustriellen Dimensionen braucht, sondern einen Mix aus Sparen (Strom sinnvoll einsetzen) und erneuerbaren Energien, die möglichst lokal produziert werden und aus verschiedenen Quellen stammen. So kann ein mögliches Klumpenrisiko ebenso minimiert werden wie auch die heute enormen Übertragungsverluste. Weil mir das Kleinstwasserkraftwerk immer noch viel sympathischer ist als das «saubere» AKW in 50 Kilometer Entfernung. Christoph Donnicola, Gibswil-Ried «Welch einselbstmörderischer Dünkel ist es,zu glauben, dasswir das Risiko der Atomkraftim Griff haben.» Woher soll der Strom in der Schweiz künftig kommen?Foto: Alessandro Della Bella (Keystone)

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