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«Es braucht Verdichtung »

Unerhört, das Festival der freien Zürcher Jazz-Szene, wird zehn Jahre alt. Der «Züritipp» sprach mit Musikverleger und Mitbegründer Patrik Landolt über den Erfolg und die Spezialitäten der Veranstaltung, die einen rasanten Ausbau hinter sich hat.

Mit Patrik Landolt sprach Frank von Niederhäusern Was ist unerhört am Unerhört-Festival? Es gibt weltweit kein vergleichbares Festival. Es findet in sieben verschiedenen Häusern statt, kommt mit einem sehr bescheidenen Budget aus und wird von Musikschaffenden organisiert. Bei der Lancierung 2002 gab es mit Jazznojazz und Taktlos bereits zwei etablierte Zürcher Festivals. Weshalb brauchte es noch ein drittes? Das war damals gar nicht als Festival geplant. Das Musiker-Netzwerk Ohr bat mich, bei der Lancierung einer neuen Konzertplattform für Zürcher Jazzschaffende mitzuhelfen. Resultat war zunächst ein Abend mit zwei Konzertblöcken. Aus dem bereits im Folgejahr zwei Abende wurden. Und bei der diesjährigen zehnten Ausgabe finden an sieben Abenden 16 Konzerte statt. Das Festival ist organisch gewachsen, mit dem Bedarf der Szene. In Zürich gibt es viele tolle Jazzerinnen und Jazzer, die auch mit internationalen Bands arbeiten. Das Unerhört will diese Szene mit all ihren Erscheinungsformen, Ideen und Konzepten präsentieren. Hierfür brauchte es diese Verdichtung. In der Festschrift schreiben Sie, das Unerhört sei weder ein Avantgarde- noch ein Trendfestival. Sondern? Es präsentiert die aktuelle Musik in ihrer spannenden kreativen und stilistischen Vielfalt. Es war aber immer auch ein kulturpolitisches Statement. Zu Beginn jenes der Musikerkooperative Ohr, die sich Auftrittsmöglichkeiten erschliessen wollte. Die Zürcher Szene ist ja sehr aktiv und hat sich im Verlaufe der letzten zehn Jahre enorm entwickelt. Das Festival findet heute auf sieben Bühnen in der ganzen Stadt statt. Weshalb blieb man nicht in der Roten Fabrik mit ihren verschiedenen Räumen? Indem wir verschiedene Bühnen bespielen, sprechen wir unterschiedliche Leute an. Jedes Haus hat bekanntlich seine Hemmschwellen. Wir wollen das Fabrik-Publikum mit jenem im Moods, aber auch im Museum Rietberg und im Neumarkt-Theater verknüpfen. Kulturvermittlung ist uns sehr wichtig. Und unsere Erfahrung ist: Wenn unsere Musik gehört wird, kommt sie auch an. Das Unerhört gastiert auch an Mittelschulen sowie im Altersheim Pfrundhaus. Wie reagieren denn alte Leute auf aktuellen Jazz? Gut! Das letztjährige Konzert mit Erika Stucky und George Gruntz war exemplarisch. Beide sprachen das Publikum direkt an, indem sie ihre Musik in eigene Erfahrungen und Erinnerungen einbetteten. Da bekam die Musik eine ganz andere Form von Poesie jenseits von Kunst oder Technik. Das war sehr eindrücklich. Patrik Landolt. Reduziert und verspielt: Jazzpreisträgerin Vera Kappeler, Peter Conradin Zumthor. International: Christian Weber, Oliver Lake, Dieter Ulrich. Das einfacher Text, gleich ansehen. LAKE, WEBER, ULRICH feat. WOGRAM Fr 22.45h, Rote Fabrik, Clubraum Der Zürcher Bassist Christian Weber ist international bestens vernetzt. Am Unerhört 2007 spielten er und Drum-mer Dieter Ulrich erstmals mit US-Saxer Oliver Lake. Der Erfolg war grandios, es folgten Konzerte im In- und Ausland. Mit dem Wahlzürcher Posaunisten Nils Wogram stösst nun ein herausragender Exponent der europäischen Free-Szene zum Trio. (fn)KAPPELER-ZUMTHOR Sa 12.30h, Rote Fabrik, Clubraum Die in Winterthur lebende Pianistin Vera Kappeler ist in unterschiedlichsten Projekten aktiv, und ihr musikalisches Spektrum reicht von groovendem Jazz über komplexe Kreationen bis zu volksmusikalisch verspielten Stücken. Am Unerhört spielt sie im Duo mit dem Bündner Perkussionisten Peter Conradin Zumthor. Ihre Umtriebigkeit und Vielseitigkeit wird vor dem Konzert geehrt: mit dem diesjährigen Jazzpreis der Suisa-Stiftung. (fn)ZÜRCHER JAZZWERKSTATTKOLLEKTIV So 21.30h, Moods Seit zwei Jahren lebt die europäische Jazzwerkstatt-Bewegung auch in Zürich auf. Die jüngste Musikergeneration erarbeitet Projekte, organisiert Konzerte und Festivals. Am Unerhört ist sie mit einer Big Band und Überraschungen zu Gast. (fn) Bilder: Francesca Pfeffer/zvg, zvg, zvg

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