Zum Hauptinhalt springen

Erstmals kommt in Benglen der Briefträger

Noch bis am 20. Dezember müssen die Bewohner von Benglen ihre Briefe im Postfach holen. Dann geht in der Aussenwacht von Fällanden ein Stück Postgeschichte zu Ende.

Von Thomas Zemp Fällanden – Briefe, Rechnungen, Bankauszüge und Postkarten werden in Benglen nicht zugestellt. Die Bewohnerinnen und Bewohner der 1900-Seelen-Ortschaft sind ihre eigenen Briefträger: Sie alle haben ein Postfach bei der Poststelle und müssen ihre Post selber abholen. Den täglichen Gang können sich die Bengler bald ersparen: Die Post schliesst die Filiale samt Postfächern am 18. Dezember. Ab dem 20. Dezember werden Briefträger die Post in die Häuser des Fällander Ortsteils bringen. Wer einen eingeschrieben Brief oder ein Paket aufgeben will, muss dann nach Fällanden oder Pfaffhausen fahren. Damit geht eine Ära zu Ende: Benglen war die einzige Ortschaft im Kanton mit eigener Poststelle, aber ohne Postzustellung durch einen Briefträger, wie Erich Schmid, Pressesprecher der Post, sagt. Und in der Schweiz gibt es nur drei Siedlungen mit vergleichbaren Lösungen. Einzigartiges Modell Das eigenwillige Postmodell geht auf die Entstehungszeit von Benglen zurück: Benglen wurde Ende er 1960er-Jahre als eigentliche Retortenstadt geplant. Im Zentrum entstand ein Bau, dem die Bengler den Namen Zentrum gaben: mit Einkaufsladen, Kleiderreinigung, Drogerie und Restaurant. Man sollte in diesem Ort wie auf einem Satelliten leben können, ohne ihn zu verlassen. Dazu gehörte auch eine eigene Post, welche die damalige PTT einrichten sollte. Benglen war aber zu klein dafür. Doch sowohl die Bewohner als auch die Gemeinde beharrten auf der Postfiliale. Darum wurde das Bengler Modell erfunden. Die Bewohner verzichteten auf die Hauszustellung, im Gegenzug erhielten sie ihre Poststelle mitten in der Überbauung. Inklusive Postfächer und der eigenen Postleitzahl. Die lautet heute noch 8121. Einer, der sich an die Anfangszeiten gut erinnert, ist Richard Hirt. Er ist heute Gemeindepräsident von Fällanden – zu dieser Gemeinde gehört Benglen – und wohnt seit den Anfangszeiten in der Retortenstadt. 1972 ist er in eines der neuen Göhner-Mehrfamilienhäuser eingezogen. «Die Leute haben die Lösung mit der Post von Anfang und bis heute als gut empfunden», sagt der CVP-Mann. Die Postfachanlage entwickelte sich bald zu einem Treffpunkt, wo man Neuigkeiten erfahren und austauschen konnte. In den Jahren und Jahrzehnten seither hat sich in der Retortenstadt vieles verändert: So ist sie heute gut erschlossen. «Bei der Eröffnung gab es einen Werbeprospekt, der die gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr anpries: Nur 15 Minuten zu Fuss bis zur nächsten Haltestelle in Pfaffhausen und Binz-Ebmatingen.» Die über 30-jährigen Häuser wurden saniert, erhielten neue Fenster und Türen, die Hausfassaden wurde aufpoliert. «Die Lebensqualität in Benglen ist sehr hoch: Die Häuser stehen recht weit auseinander, der Nachbar schaut einem nicht direkt ins Esszimmer», sagt Hirt. Und rund um die Häuser habe es viel Grünfläche. «Heute würde man viel dichter bauen.» Agenturlösung in Neubau? Das Bengler Zentrum jedoch wurde immer mehr zur Einöde: Die Läden machten zu wenig Umsatz und schlossen, das Gebäude verlotterte. Unterdessen haben alle Stockwerkeigentümer ihre Anteile an das Bauunternehmen Implenia verkauft. Dieses will dort einen Neubau erstellen mit 40 Wohnungen und einem Ladenlokal. Momentan ist das Projekt jedoch noch durch zwei Einsprachen blockiert. Möglich ist, dass die Post in diesem Neubau eine Agentur einrichten wird. «Von der Gemeinde aus fühlten wir uns den Einwohnern von Benglen verpflichtet, alles zu versuchen, damit die Post nicht schliesst», sagt Gemeindepräsident Hirt. «Unseren Bemühungen führten dazu, dass die Post eine Agentur prüfen muss, wenn das neue Haus steht.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch