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Eric Woerth und Césars Erbe

Eine neue Affäre belastet Frankreichs Arbeitsminister. Begünstigte Woerth Spender der Regierungspartei mit Steuergeschenken?

Von Oliver Meiler Eric Woerth schafft es nicht aus den Schlagzeilen, mag die Regierung auch mit aller Macht von den Affären abzulenken versuchen. Die Zeitung «Libération» hat einen Brief des früheren Budgetministers publiziert, in dem Woerth der Witwe und Erbin des 1998 verstorbenen Künstlers César mitteilt, dass der Fiskus ihr die fälligen Nachsteuern in der Höhe von 27 Millionen Euro erlässt. Der Marseiller César Baldaccini war ein bedeutender Bildhauer, bekannt unter anderem für monumentale Daumen aus Bronze, gefeiert in der ganzen Welt. Datiert ist Woerths Brief mit April 2008. Budgetminister war er von 2007 bis Frühling 2010. Kumpel der Reichen Brisant ist auch diese Episode aus der nunmehr langen Serie von Affären rund um Woerth deshalb, weil der Minister zu jener Zeit auch Schatzmeister von Nicolas Sarkozys Regierungspartei UMP war. Der Verwalter von Césars stattlichem Vermächtnis wiederum, Alain-Dominique Perrin, Präsident der Cartier-Stiftung für moderne Kunst, gehört zum «ersten Zirkel» der Grossspender der Partei. Genauso wie Liliane Bettencourt, die Milliardenerbin des Kosmetikkonzerns L’Oréal, die im letzten Jahr von einem Steuergeschenk über 30 Millionen Euro profitierte, die ihr im Rahmen einer Plafonierung der Besteuerung zurückerstattet wurden. Nun fragen sich die Franzosen, ob sich Perrin und Woerth wohl abgesprochen haben in dieser Angelegenheit. Woerth bestreitet den Vorwurf der Begünstigung. Sein Vorgehen sei ganz normal und legal gewesen. Er ist auch nicht der Meinung, dass er in seiner Doppelfunktion als Budgetminister und Schatzmeister in einem Interessenkonflikt steckte. «Libération» wirft er vor, sie hetze gegen ihn. Ähnliche Angriffe musste schon die Online-Zeitung «Mediapart» parieren, die mit ihren Enthüllungen über die verdächtigen Gewohnheiten im Hause Bettencourt – über deren Grosszügigkeit mit Politikern und über versteckte Vermögen – Woerth und Sarkozy in Bedrängnis brachte. Die linke und die rechtsextreme Opposition haben leichtes Spiel, die bürgerliche Regierung als Lobbyistin der Reichen darzustellen. Sarkozy trägt seit seinem Wahlsieg vor drei Jahren, den er im Nobelrestaurant Fouquet’s an den Champs-Elysées und auf der Luxusjacht eines Unternehmers feierte, den Übernamen «Kumpel der Bosse». Der Eindruck verstärkt sich im Volk nun nur noch – mit jeder neuen Verdachtsgeschichte etwas mehr. César Baldaccini.

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