Zum Hauptinhalt springen

Ende Feuer für die Embracher Schützen

Ein jahrelanger Streit nimmt ein Ende. Der bleiverseuchte Schiessplatz in den Töss-Auen wird saniert.

Von Sarah Rüegger Embrach – Mehr als 250 Tonnen Blei verseuchen die Erde der Embracher Jagdschiessanlage. Scherben von Tontauben übersäen das Areal. An 200 Tagen im Jahr pilgern jeweils Jagdfreunde aus dem In- und Ausland nach Embrach, um bis zu 370 000 Schüsse abzufeuern. Dadurch sammeln sich jährlich gegen 25 Tonnen Sondermüll auf der Jagdschiessanlage, die jetzt saniert werden muss. Ende Jahr könne vermutlich mit den Aushubarbeiten begonnen werden, sagt Rolf Gerber, Chef des Amtes für Landschaft und Natur des Kantons Zürich. Damit wird eine jahrzehntealte Forderung von Naturschützern erfüllt. Wüste Beschimpfungen Begonnen hatte die Diskussion um die Jagdschiessanlage bereits 1991, als im Kantonsrat erstmals Fragen zur Bodenbelastung und zum Schiesslärm gestellt wurden. Der Regierungsrat antwortete damals, dass die Umweltschutzauflagen erfüllt seien. 2002 wurde die Töss-Aue, auf der sich die Schiessanlage befindet, bundesrechtlich geschützt. Vor drei Jahren gründete die ehemalige SP-Kantonsrätin Marianne Trüb (Dättlikon) den Verein Pro Töss-Auen. Seitdem kämpft dieser gegen den Schiessbetrieb und fordert die sofortige Schliessung der Anlage. Im April 2009 eskalierte die Situation, als sich der Verein Pro Töss-Auen anlässlich einer Besichtigung trotz Verbotstafel das Anlageareal betrat und es zu Beleidigungen von beiden Seiten kam. Dabei hatte der Verein kurze Zeit vorher einen wichtigen Etappensieg errungen: Eine Untersuchung durch das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) hatte ergeben, dass die bleihaltige Erde abgetragen werden muss. Im Kanton Zürich müssen alle Schützenvereine ihre Anlagen sanieren. Der Bund schreibt vor, dass bis Ende 2012 alle Anlagen in Naturschutz– und Grundwasserzonen erneuert sein müssen, die Anlagen in weniger sensiblen Zonen bis 2020. Ansonsten entfällt dessen Kostenbeteiligung von 40 Prozent aus dem Altlastenfonds. Laut Gerber ist die Sanierung von Jagdschiessständen bei weitem aufwendiger als beispielsweise bei 300-Meter-Schiessanlagen. Die Kugeln und Tonscherben in Embrach verteilen sich über eine grosse Fläche, deshalb zögere sich die Sanierung dort hinaus. Zurzeit werde das Sanierungskonzept für Embrach ausgearbeitet; dieses legt fest, welche Teile der Anlage saniert werden müssen. Klar ist: Es muss tief gegraben werden, denn in Embrach wird seit 1965 geschossen – erst seit fünf Jahren wird Eisenschrot anstelle von Bleikugeln verwendet. Die Dauer der Sanierung wird somit ein Vielfaches einer Sanierungsdauer eines normalen Schiessstandes betragen. Die Sanierung der Schiessanlage Rehalp dauerte beispielsweise fünf Monate. Wo können die Jäger schiessen? Rolf Gerber schliesst eine Weiterführung des Schiessbetriebs nach der Sanierung nicht aus: «Rein rechtlich scheint ein Weiterbetrieb möglich. Allerdings unter sichernden Bedingungen, sodass nicht wieder eine Altlast entsteht.» Der Kanton aber suche nach einem Konzept, wonach in Embrach nicht mehr geschossen und die nationale Auenlandschaft aufgewertet würde. Da das Jagdschiessen im Kanton jedoch gesichert werden soll, müsste zeitgleich zur Sanierung ein alternativer Übungsort gefunden werden. Dies auch, weil im Jahr 2015 der 50-jährige Baurechtsvertrag mit der Gemeinde Embrach ausläuft und die Anlage dann voraussichtlich geschlossen wird. Marianne Trüb freut sich über den Bescheid, dass es mit dem ungeliebten Schiessstand vorwärtsgeht. Für einen Weiterbetrieb nach der Sanierung bringt sie jedoch nur Unverständnis auf: «Das ist ein schlechter Witz, wenn man dann wieder auf der gesäuberten Erde herumschiesst.» Ton auf der Erde, Blei im Boden: Die Jagdschiessanlage Embrach wird geschlossen. Wie lange, ist unklar.Foto: Dominique Meienberg

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch