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Emotionen kochten erst danach

Nach dem 1:4 gegen Bern ist fraglich, wie lange Muller noch ZSC-Coach sein darf.

Von Simon Graf, Zürich Wenn die ZSC Lions in der vergangenen Woche eine gewisse Aufwärtstendenz gezeigt hatten, so war die gestern gegen den SCB wieder weggewischt. Sie waren beim 1:4 gegen Berner, die weit davon entfernt waren, meisterlich zu spielen, ohne Chance. Und die Kabinentüre blieb danach lange zu. Die Mannschaft hielt eine Sitzung ab, um den enttäuschenden Abend zu besprechen. «Die Emotionen sind nach diesem Match hoch gegangen», sagte Wichser. «Aber natürlich bleibt es intern, worüber wir gesprochen haben.» In der ZSC-Kabine sah man leere Gesichter, Murphy etwa blickte fassungslos in die Ferne. Zwei Türen weiter sprach Colin Muller Klartext. Als ihm die Radiomikrofone hingehalten wurden, formulierte er die Frage für sich gleich selber. «Wie kann es sein, dass ich nach 13 Minuten ein Timeout nehmen muss, weil die Spieler nicht bereit sind?», lautete sie. Eine schlüssige Antwort hatte der ZSC-Coach nicht. Er konnte nicht begreifen, wie lau, wie emotionslos sein Team in den Match gestartet war. «Wir spielen zu Hause gegen den Meister, es ist ein kapitales Spiel für uns, und dann das. Das kann doch einfach nicht sein. Wenn der SCB kommt, muss doch jeder bereit sein, durch die Wand zu rennen. Ich muss doch nicht jedem auf die Schulter klopfen und ihn noch persönlich motivieren.» Vielleicht hätten einige Angst gehabt, suchte Muller nach einer Erklärung. Vielleicht sei es der Druck, half ein Radioreporter. «Der Druck?», gab Muller zurück. «Aber Druck kann man doch nur mit harter Arbeit begegnen.» «Zwölf Spieler ausser Form» Der Trainer hatte den gleichen Match gesehen wie CEO Peter Zahner, der über den verschlafenen ZSC-Start, in dem man sich ein 0:2 einhandelte, den Kopf schüttelte. Auf die Frage, ob Muller am Freitag gegen die SCL Tigers noch an der Bande stehe, mochte er nicht antworten. «Ein paar Minuten nach Spielschluss kann man nicht erwarten, dass ich darauf eine Antwort gebe», erklärte er. Das tönt nicht gut für Muller. Natürlich kläre man alles ab, um der Mannschaft Impulse zu geben, sagte Zahner. Dass ein ausländischer Stürmer, der weiss, wo das Tor steht, helfen würde, stritt er nicht ab. Einzelkritik wollte der CEO nicht üben. Aber natürlich sei man nicht mit allen Ausländern zufrieden. Der einst mit guten Referenzen verpflichtete Murphy reihte gestern wieder Fehler an Fehler. Aber auch Down ist zuletzt abgetaucht. «Wenn nur ein, zwei Spieler ausser Form wären, ginge das noch», sagte Zahner. «Aber es sind sieben, acht, zehn, vielleicht zwölf.» Aus der Kritik ausnehmen darf man Goalie Flüeler. Ein Tor brachten die Zürcher wie in den vorangegangenen vier Spielen immerhin noch zustande, Pittis traf 87 Sekunden vor Schluss bei 6 gegen 3 zum 1:3. Bedenklich stimmen muss, dass bei den ZSC Lions keine Automatismen zu erkennen sind. Und die erneut neuen Linien brachten auch keine Besserung. «Schade, Bern musste nicht viel tun, um zu gewinnen», resümierte Muller. Am Freitag kommen die SCL Tigers ins Hallenstadion, am Sonntag der HCD. Es dürften für den Kanadaschweizer Schicksalsspiele sein. Wenn er dann überhaupt noch an der Bande steht. Kloten mit Leerlauf zum Sieg, Seite 49 Lukas Flüeler muss zusehen, wie der Puck ins ZSC-Tor fliegt – Berns Tristan Scherwey gelingt der erste Treffer der Partie. Foto: Kurt Schorrer (foto-net)

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