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Eine Totenmesse als Trost für die Lebenden

Die Jürgen-Kantorei Küsnacht wagte sich an das «deutsche Requiem» von Brahms. Dafür musste der Chor hart arbeiten.

Von Jérôme Stern Küsnacht – Die Frauenstimmen jubilieren in höchsten Lagen, Männerstimmen setzen mit einer düsteren Gesangslinie einen Kontrast. In diese Harmonien hinein legen Doris Grossenbacher (Sopran) und Remo Weishaupt (Bariton) ihre kunstvollen Soli. Der Dirigent und Chorleiter Martin Huggel gibt knappe Handzeichen, sein ganzer Körper wiegt im langsamen Takt des Requiems. Die Pianisten Jürg Tobler und Alwin Waldhoff wiederholen das bedächtige Thema – vierhändig, in perfekter Übereinstimmung und Harmonie. Was die Jürgen-Kantorei Küsnacht am Samstag in der reformierten Kirche zum Besten gab, war purer Genuss. Auch wenn Johannes Brahms’ «deutsches Requiem» naturgemäss von einem traurigen Thema handelt, wirken die einzelnen Gesangslinien oft fast fröhlich. Tatsächlich brach der damals 32-jährige Brahms bewusst mit der gängigen Konvention, eine lateinische Totenmesse als Bittgebet für Verstorbene zu interpretieren. Er war der Meinung, es seien die Hinterbliebenen, die Hilfe bräuchten, weshalb sein Requiem ihnen Trost zusprechen sollte – und zwar auf Deutsch. Ein Schlüsselwerk Als Leitfaden galt Brahms: «Am Anfang war das Wort». So komponierte er jeden der sieben Sätze um tröstliche Bibelzitate herum. «Ihr habt nun Traurigkeit, aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand euch nehmen.» Im letzten Satz erheben sich die Stimmen schliesslich zu einem wuchtigen, gemeinsam beschwörenden Höhepunkt. Das «deutsche Requiem» verhalf Johannes Brahms zum Durchbruch als Komponist. Kurz nach der Bremer Uraufführung mit grossem Orchester, am Karfreitag 1868, schuf er auch eine «kammermusikalische» Fassung für Chor und Klavier zu vier Händen. Solche Bearbeitungen waren im 19. Jahrhundert durchaus üblich, doch im Gegensatz zu anderen Komponisten fand Brahms, er wäre wohl selber der beste Kandidat für diese Aufgabe. Diese zweite Version des Requiems gelangte 1871 in London zur Uraufführung – weshalb sie als «Londoner Fassung» bekannt wurde. Proben, proben, proben Natürlich weiss Chorleiter Huggel, dass alle berühmten Orchester dieses Werk in ihrem Repertoire führen. Mit dem Entschluss, es auch mit der Jürgen-Kantorei Küsnacht einzustudieren, setze er sich und seinen Sängerinnen und Sängern hohe Ziele, die harte Arbeit bedingten. Der 24-köpfige Chor hatte zwölf Proben und ein anschliessendes Proben-Wochenende. Darüber hinaus halfen Profi-Sänger den Chormitgliedern, an ihrer Gesangstechnik zu feilen. Das Resultat rechtfertigte den betriebenen Aufwand: Der minutenlange Beifall war in jeder Hinsicht verdient. Der Barockspezialist Martin Huggel hat den Chor seit dessen Gründung 1969 schon zu manchem Erfolg geführt. Regelmässig gibt er grosse Konzerte, die in Küsnacht oder im Zürcher St. Peter aufgeführt werden. In den vergangenen 40 Jahren war der heute 70-Jährige ausserdem unter anderem als Organist in Küsnacht angestellt.

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