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Eine Hilfsaktion polarisiert

Im Erlenbacher Pflugstein kostet ein halber Liter Hahnenwasser drei Franken. Zwei davon fliessen in die Kasse der Wirtin, einer kommt einem Hilfswerk zu.

Von Tim Frei Das Restaurant Pflugstein in Erlenbach gehört als erstes Gastrounternehmen an der Goldküste zu den 90 Restaurants, Bars und Hotels, welche die Wasserprojekte von ZH2O Züriwasser – drink & donate unterstützen. Ziel des Projekts ist es, Menschen den Zugang zu sauberem Trinkwasser zu ermöglichen. Das funktioniert so: Restaurantgäste müssen für einen halben Liter Hahnenwasser drei Franken bezahlen. Vom Getränk, das in einer ZH2O-Karaffe serviert wird, erhält der Gastrobetrieb zwei Franken für den Service und die Infrastruktur, einer geht an den gemeinnützigen Verein «ZH2O – drink & donate» zur Unterstützung von Wasserprojekten in Zusammenarbeit mit verschiedenen Schweizer Hilfsorganisationen. Kein grosser Gewinn Das Restaurant Pflugstein unterstütze dieses Projekt aus mehreren Gründen, sagt Jeannine Meili, Gastgeberin vom Pflugstein. «Es ist für einen guten Zweck.» Zudem finanziere man mit dem Hahnenwasser-Umsatz einen Teil von Infrastruktur und Service des Betriebs. Die meisten Gäste würden diesen Entscheid begrüssen, weil sie nun mit einem guten Gefühl eine Karaffe Hahnenwasser bestellen könnten. «Früher haben sich die Gäste nicht getraut, weil sie nicht als kleinlich angesehen werden wollten.» Einige Kunden befürworten das Konzept nicht, weil die Restaurants damit zwei Franken für etwas erhalten würden, was bis anhin vielerorts gratis gewesen sei. Das kann Meili nicht nachvollziehen. Die Anzahl der Besucher, die Hahnenwasser konsumieren, sei gering. «Wir machen also keinen grossen Gewinn damit», sagt sie. Wirte sind sich nicht einig Die Wirte der Region sind grundsätzlich über den Sinn dieses Projekts nicht einer Meinung. Oskar Bachmann, Hotelier im Gasthof zur Metzg in Stäfa, kann nichts damit anfangen. «Die Nachfrage nach Hahnenwasser ist sehr tief.» Und selbst wenn sich das ändern sollte, würde er das Projekt nicht unterstützen: «Es macht keinen guten Eindruck, eine gemeinnützige Organisation zu unterstützen und gleichzeitig davon zu profitieren», sagt Bachmann. Der Gastgeber des Meilemer Restaurants Löwen, Marcel Bussmann, dessen Betrieb ausser zum Kaffee und Wein 2.50 für ein Glas Hahnenwasser verrechnet, hat dazu eine andere Meinung. «Wir haben es geschäftsintern bisher nicht besprochen, weil wir von ZH2O noch nicht angefragt wurden», sagt er. Er halte das Projekt aber für sinnvoll. Denn hier gehe es den Menschen finanziell so viel besser, dass sie ohne Probleme, etwas spenden könnten.Falls der Löwen in Zukunft teilnehmen sollte, «wollen wir allerdings wissen, dass das Geld wirklich Entwicklungsländern zugute kommt». Ein umgekehrtes Verhältnis, also zwei Franken an das Hilfsprojekt und einen Franken für den Gastrobetrieb, käme für ihn nicht infrage. Einerseits wäre ihm das «zu viel Goodwill», andererseits würden die Restaurants zu kurz kommen. Zweifel, wohin das Geld fliesst Fredy Bannwart, Wirt des Restaurants Vogtei in Herrliberg, will das Projekt ebenfalls nicht unterstützen – allerdings aus einem anderen Grund: Er hat als Vorstandsmitglied des Gastgewerbeverbands des Kanton Zürichs schon Dutzende solcher Projekte mitverfolgt. «Ich habe den Verdacht, dass das Geld nicht am Bestimmungsort angekommen ist. Deshalb glaube ich nicht, dass dies bei ZH2O anders sein wird.» Zudem möchte er den Verkauf von Hahnenwasser nicht fördern. Laut Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) sind viele Leute der Auffassung, dass die Restaurants unter dem Vorwand, ein soziales Projekt zu unterstützen, die Gäste umerziehen wollten, dass ein Glas Trinkwasser auf jeden Fall kostet. Sie sieht das anders: «Wer damit ein Problem hat, der hat das Ganze nicht durchdacht und weiss unsere Infrastruktur und den Service nicht zu schätzen.» Für ein Allegra zahlt man im Pflugstein sechs Franken, das Hahnenwasser hat bisher nichts gekostet. Dies obwohl der Gast von der Infrastruktur und den Mitarbeitern genauso profitiert. «Das ist doch nicht fair», sagt Jeannine Meili. Die SKS könne beide Positionen nachvollziehen. «Wichtig ist uns aber die Transparenz», sagt Stalder. Das bedeute, dass die Restaurants das Hahnenwasser in der Getränkeliste aufführen müssten. «Sonst gibt das böse Überraschungen.» Doch das scheint im Pflugstein kein Problem zu sein. «Nebst dem Vermerk auf der Getränkekarte haben wir ZH2O-Kleber an der Eingangstür angebracht und informieren die Gäste in einem Flyer über das Projekt», sagt Meili. Der Verein ZH2O versucht, am rechten Zürichseeufer Beizer für sein Projekt zu gewinnen. Gestern hat er mit dem Küsnachter Kunststuben einen grossen Fisch an Land gezogen. «Zudem stehen weitere Restaurants an der Goldküste vor der Teilnahme», sagt Nicole Höfliger von ZH2O. Bei Jeannine Meili im Pflugstein muss der Gast für Wasser zahlen. Foto: Sabine Rock

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