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Eine Bachputzete als Beitrag zum Hochwasserschutz

Schülerinnen und Schüler haben gestern den Langnauer Dorfbach gereinigt. Der Gemeinde stehen teure Sanierungsarbeiten bevor.

Von Philipp Kleiser Langnau – Nass geschwitzt stehen die Schüler der 6. Klasse von Wolf-Dieter Wagner im Wald. Immer wieder bücken sie sich, heben schwere Äste auf, wischen mit einem Rechen verklumptes Laub aus dem Dorfbach. «Es ist anstrengend», kommentiert Robin Hermann und schnappt sich den nächsten Ast, trägt ihn auf einen der drei Holzhaufen, welche die Jugendlichen bereits auf der Anhöhe zusammengetragen haben. Fachmännische Hilfe erhalten die motivierten Schüler von zwei Mitarbeitern des Werkhofes Langnau, die sich, mit Motorsägen ausgerüstet, ums Grobe kümmern und grosse Baumstücke fachgerecht zersägen. Dorfbach ist eine Gefahr Die Putzaktion im Tobel im Langnauer Unteralbis ist auf Initiative von Gemeinderat Rolf Schatz (GLP) zustande gekommen. Der Infrastrukturvorstand ist für den Unterhalt der Bäche verantwortlich – und damit auch darum besorgt, Dreck und Schwemmholz aus den Bachläufen zu entfernen: Material, das bei schweren Regenfällen Gitter und Durchlässe verstopfen und so zu Überschwemmungen führen könnte. Die Bachputz-Aktion ist für Schatz auch ein Startschuss für weitere Aktionen am Dorfbach. Denn von diesem geht Gefahr aus. Das zeigt die Karte «Naturgefahren», welche der Kanton Zürich vor wenigen Monaten erliess. Der Kanton hat viele Flächen entlang des Dorfbaches als Areale von «mittlerer Gefährdung» eingestuft, sollte ein sogenanntes Jahrhunderthochwasser über die Gemeinde hereinbrechen. Eine halbe Million investieren Für den Langnauer Gemeinderat war dies der Auslöser, sofort zu handeln. «An den Bächen wurde lange nichts gemacht», sagt Schatz und ergänzt, die Wassermengen seien in den letzten Jahren durchwegs grösser als von den Fachleuten prognostiziert. Nun genehmigte die Langnauer Bau- und Werkkommission vor wenigen Wochen einen Projektierungskredit in Höhe von 50 000 Franken. Eine Studie soll aufzeigen, welche Schutzmassnahmen am Dorfbach nötig sind, um Überschwemmungen oder durch Hochwasser verursachte Hangrutschungen zu verhindern. Besonders gefährdet sind laut Schatz die Bereiche entlang der Wolfgrabenstrasse zwischen Albisstrasse und Sihlwaldstrasse sowie bei der Brauerei an der Alten Dorfstrasse. Auch die Seitenbäche Hehl- und Striempelbach bergen Gefahrenpotenzial. Schatz rechnet in den nächsten Jahren mit umfangreichen Sanierungsarbeiten – und Kosten in der Höhe von bis zu einer halben Million Franken.Umso mehr ist es Schatz ein Anliegen, die Bevölkerung auf die nötigen Massnahmen und die Problematik zu sensibilisieren. Die meisten Durchlassrohre seien vor mehreren Jahrzehnten angefertigt worden. «Doch heute fliesst viel mehr Wasser. Da ist die Klimaerwärmung, die Böden sind verdichtet und nehmen weniger Wasser auf, die Gebiete sind zunehmend verbaut, das Wasser kann nicht mehr ausweichen.» Handfestes ist besser als Theorie Bei den Schülern, die an der Putzaktion mitmachen, ist die Sensibilisierung gelungen, davon ist Lehrer Wolf-Dieter Wagner überzeugt: «Es ist immer besser, etwas Handfestes zu erleben, als nur in Büchern über Umweltschutz und Hochwasser zu lesen.» Auch Schatz ist überzeugt: «Der Blick der Kinder wurde geschärft. Das nächste schwere Gewitter werden sie mit anderen Augen sehen, denn der Bach ist nebst Lebensraum für viele Tierarten auch ein Gefahrenherd für den Menschen.»Die Schüler bestätigen dies: «Es hat Spass gemacht, in der Natur zu helfen», sagt Robin Hermann, und seine Mitschülerin Ellen Wartmann bekräftigt: «Es war spannend. So etwas würde ich gerne wieder machen.» Lehmiges Laub und Schwemmholz entfernten Sechstklässler der Schule Wolfgraben aus dem Langnauer Dorfbach. Foto: Silvia Luckner

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