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Ein Start wie in die Meisterzeiten

Die Flyers liegen nach vier Spielen verlustpunktlos an der Spitze – abheben will deswegen aber niemand.

Von Etienne Wuillemin Es gibt Trainer in der Schweiz, die einen ungemütlicheren Sonntag verbracht haben als Anders Eldebrink. Der bald 50-jährige Übungsleiter der Kloten Flyers genoss gestern den Altweibersommer mit seinem Hund Molle im Wald ob der Kolping-Arena. «Die Spaziergänge mit Molle geben mir viel Energie.» Energie, die der Schwede offensichtlich seit längerem auf sein Team zu übertragen vermag. Schon in der Vorbereitung verloren die Flyers nie nach 60 Minuten. Jetzt, nach vier Runden, ist ihre Weste immer noch rein. Die Klotener sind dank den Niederlagen von Zug und Davos alleiniger Leader. «Das habe ich alles vergessen» Einen solchen Saisonstart erlebten die Fans zuletzt 1992 im damaligen Schluefweg. In der ersten Saison unter Conny Evensson reihten die Flieger zu Beginn gar sieben Siege aneinander – es war der Startschuss zur bislang letzten Meisterdynastie der Playoff-Ära (4 Meistertitel in Serie). Der Über-Verteidiger von damals und der Trainer von heute heisst Anders Eldebrink. So richtig kann oder will sich der Schwede aber nicht mehr daran erinnern. «Das ist 18 Jahre her, das habe ich doch längst alles vergessen», sagt er. Lieber spricht Eldebrink von heute. Und mahnt zur Vorsicht: «Im Eishockey geht es sehr schnell. Wir müssen bescheiden bleiben, sonst fallen wir bald auf den Kopf.» Trotzdem: Eldebrink hat in den vier ersten Spielen sehr viel Gutes und nur wenig Schlechtes gesehen. Besonders die Jungen haben es ihm angetan: «Unsere vierte Linie mit Kellenberger, Jacquemet und Bodenmann macht ihren Job ausgezeichnet.» In der Tat war beeindruckend, wie die drei am Freitag in Bern den SCB-Sturm um Gardner und Dubé ohne Probleme kontrollierten, ja teilweise sogar dominierten. Eldebrink traut Bodenmann bald eine solch prominente Rolle zu, wie sie der Klotener Topskorer Denis Hollenstein übernommen hat. Am Freitag waren die Bären Opfer der Klotener Jagd auf die Tabellenspitze, am Samstag die Tiger. Die Langnauer igelten sich im ersten Drittel in der eigenen Zone ein und wagten selbst in den zahlreichen Powerplay-Gelegenheiten kaum einmal einen Vorstoss in Richtung Ronnie Rüeger. Die Knoten in den Tigerpfoten Im zweiten Drittel entpuppte sich die Langnauer Festung dann aber als labiles Kartenhaus. Ein einziger Fehlpass von Verteidiger Simon Lüthi genügte, und alles fiel in sich zusammen. Nach zwei Powerplay-Toren der Klotener gab es über den Ausgang der Partie keine Zweifel mehr – und die Klotener packten jede Gelegenheit beim Schopf, um zur Kür anzusetzen. Die Flyers tanzten den Tigern derart Knoten in die Pfoten, dass sie einem Leid tun konnten. Der Sieg hatte nur einen Makel: Ronnie Rüeger verpasste im letzten Drittel seinen dritten Shutout im vierten Spiel. Das störte den Klotener Routinier am Tag darauf indes wenig: «Ich durfte ja schon zwei feiern. Ich kassiere lieber zwei Tore gegen Langnau bei diesem Spielstand anstatt gegen Genf. Da hätte es nicht zum Sieg gereicht.» Und mit einem Lachen fügte er an: «Die Gegentore sind schon gut. Die Mannschaft wird sonst nur zu satt.» Mit diesem Weckruf kurz vor Schluss wüssten wieder alle, was es am Dienstag bei den Lakers zu tun gebe. Das ist auch Anders Eldebrink bewusst. Und plötzlich regt sich seine Stimme doch noch – aber es sind nicht die Rapperswil-Jona Lakers, die ihm Emotionen entlocken. «In Schweden sind wichtige Wahlen – die darf ich nicht verpassen.»

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