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Ein Jugi direkt am See

Männedorf plant, das Pfrunderhaus mit direktem Seeanstoss zu einem Jugendhaus umzubauen. Es werde kein Luxusprojekt, sagt der Gemeinderat.

Von Bettina Bernet-Hug Männedorf – Wegen Saufgelagen und Vandalismus auf dem Männedörfler Friedhof sind Jugendliche dort seit März 2010 nicht mehr gern gesehen. Der Gemeinderat hat die Parkanlage für sie zum Sperrgebiet erklärt. Doch die Behörde möchte der Jugend nicht nur mit Repressalien begegnen. Schon am Gemeindeentwicklungsprozess 2003 wurde als Wunschobjekt für eine professionell nutzbare Jugendeinrichtung das Pfrunderhaus an der Seestrasse 320 unweit der Schiffstation genannt. Dort gibt es weder Nachbarn noch trauernde Friedhofsgäste, die sich belästigt fühlen könnten. Ein Jugi in einer Villa am Zürichsee? So etwas ist offensichtlich kein Wunschtraum in Männedorf, der Gemeinde, die sich in ihrem Jugendleitbild 2010 für ein «beherztes Ja für die Jugend» ausspricht. Sie will einen Beitrag dazu leisten, dass sich Jugendliche in Männedorf wohlfühlen und optimale Voraussetzungen für ihr Aufwachsen finden. Derzeit können sie dies in der «Oase» an der Kugelgasse tun – sie funktioniert heute als Jugendtreffpunkt. Für Sozialvorsteherin Heidi Burkhardt ist die Oase aber denkbar ungeeignet. Sie biete keinen Aussenraum, keine klare Raumeinteilung, nur eine einzige Toilette, und ausserdem sei die Miete zu hoch. Volk muss erst noch Ja sagen Kurz vor Weihnachten hat der Gemeinderat dem Projektierungskredit und dem Nutzungskonzept für ein Jugi im Pfrunderhaus zugestimmt. Das Geschäft, das einen Baukredit und die Umnutzung umfasst, wird der Gemeindeversammlung am Montag, 20. Juni, vorgelegt. Die Jugendbeauftragte Natalie Vescoli ist überzeugt, dass im Pfrunderhaus professionelle Jugendarbeit möglich ist. Im Keller soll es einen Veranstaltungsraum mit einem separaten Werkraum/Küche geben. Zudem sei ein Lagerraum geplant. Im Erdgeschoss habe man den Hauptraum als Treffpunkt mit Küche, Töggelikasten und gemütlichen Sitzecken vorgesehen. Ins Obergeschoss schliesslich sollen je ein Büro für die beiden Jugendarbeiter und die Jugendbeauftragte kommen sowie ein Büro für die Jugendlichen, in dem sie an einem Computer Bewerbungen schreiben, Veranstaltungen planen und das Internet nutzen können. Im Dachgeschoss ist eine ruhige Zone geplant; Billardtisch, Raum für Brettspiele und eine Lounge sollen zum Entspannen einladen. «Es wird kein Luxusobjekt», betont Sozialvorsteherin Burkhardt, «sondern ein Haus mit allem, was es für eine gute Jugendarbeit braucht.» Die alten Elektroinstallationen müssten ersetzt und eine Heizung muss eingebaut werden. Zudem gebe es diverse feuerpolizeiliche Massnahmen zu berücksichtigen, und ein Behindertenlift müsste installiert werden. Die Aussenfassade bleibe aber unverändert, sagt Heidi Burkhardt. Kosten noch unklar Zu den Kosten kann Liegenschaftsvorsteher Eric Labhard noch keine definitiven Zahlen nennen. Das Projekt sei zurzeit in Arbeit. Am 20. April wird der Gemeinderat das Geschäft zuhanden der Gemeindeversammlung verabschieden. Natalie Vescoli betont, man wolle nicht etwa ein autonomes Jugendhaus ins Leben rufen. Die Jugendlichen würden während der Öffnungszeiten stets fachkundig begleitet. «Nicht nur die Jugendlichen haben etwas von diesem Haus», sagt Vescoli. Auch die Öffentlichkeit habe ihren Nutzen von einer Sanierung und Umnutzung des Pfrunderhauses. Die öffentlichen WC-Anlagen beispielsweise werden behindertengerecht saniert, und der Veranstaltungsraum im Keller könne ausserhalb des Jugendhausbetriebs auch privat gemietet werden. Zusätzlicher Lärm soll wegen des Jugendhauses laut Burkhardt nicht entstehen. Vielmehr erwartet die Sozialvorsteherin, dass das Jugendhaus sogar zu einer Beruhigung des öffentlichen Raumes beitragen könnte. Als Ersatz für das Jugend-Café Juka in der Villa Liebegg ist das neue Jugendhaus laut der Jugendbeauftragten übrigens nicht gedacht. Das Juka werde weiterhin intensiv genutzt. Und zuletzt sei auch die von den Jugendlichen lang ersehnte Skateranlage nicht vom Tisch. Segnet die Gemeindeversammlung das Geschäft ab, könnte im Herbst mit den Umbau- und Sanierungsarbeiten begonnen werden. Die eine Mietpartei, die jetzt noch in der gemeindeeigenen Liegenschaft wohnt, wird die Kündigung erhalten. Die Eröffnung des neuen Jugendhauses ist von den Behörden auf den Frühling 2012 geplant. Traumlage: Ob das Pfrunderhaus den Jugendlichen überlassen wird, entscheiden die Männedörfler am 20. Juni.Foto: Reto Schneider

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