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Ein Journalist mit Leib und Seele

Nachruf Paul L. Walser Beschäftigt mit der Überarbeitung des Textes seines letzten Buches im Hinblick auf eine 4. Auflage, ist Paul L. Walser im 74. Lebensjahr in Hinteregg ZH an einem Herzversagen gestorben. plw, so das Kürzel des langjährigen «Tages-Anzeiger»-Redaktors, war Journalist mit Leib und Seele; schon als Gymnasiast in Winterthur berichtete er unter anderen im «Landboten» über lokale Ereignisse und schrieb Buchbesprechungen. Die Leidenschaft für Bücher hat Walser stets angetrieben, und nach seiner Pensionierung hat er weiter Rezensionen geschrieben, nun für die WoZ. Aufgewachsen im Pfarrhaus von Hettlingen, studierte Walser Geschichte, Germanistik und Französisch an der Universität Zürich. Während eines Semesters in Paris war ihm das Zeichnen an der Académie de la Grande Chaumière wichtiger als die Vorlesungen an der Sorbonne. Seine Federzeichnungen, die manchmal seine Artikel begleiteten, entsprangen dem Bestreben, die Kopfarbeit durch das Künstlerische zu ergänzen. 1959 begann seine bewegte journalistische Laufbahn, die ihn 1963 nach Griechenland führte. Mitte der 1970er Jahre kam Walser zum «Tages-Anzeiger», und er kehrte als Italien-Korrespondent zurück in den Mittelmeerraum. Das an Geschichte und Kunstwerken überreiche Land bot Stoff für Artikel und Zeichnungen im Überfluss. Walser wurde gewahr, dass Italien mit dem Intellekt allein nicht zu verstehen war, Intuition und Sensibilität waren unerlässlich, um die Wirklichkeit zu begreifen. Seine gehaltvollen Artikel prägten das Italienbild vieler Leser. Nach mehreren Jahren auf der Redaktion und Reisen in die damalige Sowjetunion erfüllte sich sein Wunsch, in Frankreich nochmals als Auslandkorrespondent zu arbeiten. Die zunehmende Hektik, Kurzatmigkeit und Personalisierung war nicht Walsers Sache; fürs Beschreiben und Einordnen der Ereignisse benötigte er Platz und Zeit. So ging er 1997 gerne in Frühpension. Nun hatte er Zeit fürs Zeichnen, fürs Reisen im Zug, fürs Schreiben. Es entstanden Bücher: das mit Werner van Gent über Griechenland «Zimt in der Suppe» und jenes mit seinen Zeichnungen aus sechs Jahrzehnten. Paul Walser war ein engagierter Zeitgenosse, der sich für Demokratie und Gerechtigkeit einsetzte. Als 1973 die AZ, die Zürcher SP-Tageszeitung, eingestellt wurde, deren Chefredaktor er war, erkämpfte er für seine Journalisten eine beachtliche Abgangsentschädigung, ein Erfolg, auf den er zeitlebens stolz war. Beim Vorrücken des zügellosen Kapitalismus war er ohnmächtiger Augenzeuge, doch empörte er sich über die Auswüchse und, wie er selber schrieb, über grauenhafte moderne Unwörter wie «Sockel-Arbeitslosigkeit». Beat Allenbach Paul L. Walser Er schrieb mehr als20 Jahre lang für das Auslandressort des «Tages-Anzeigers».Er berichtete als Korrespondent aus Italien und Frankreich.

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