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Ein Alarm, der viele kalt lässt

Der Coop Bachenbülach hat seine Kunden gestern übungshalber evakuiert. Nicht alles klappte.

Von Kathrin Morf Bachenbülach – Frauen stossen Einkaufswagen durch die Gänge und Männer kaufen, was die Gattin ihnen aufgetragen hat – dieser Dienstagmorgen scheint zu verlaufen wie jeder andere auch im Bachenbülacher Coop Megastore. Wer genau hinschaut, entdeckt aber ein Dutzend Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes, die das Geschehen versteckt beobachten, und ahnt: Gleich beginnt eine Notfall-Übung. «Achtung, Achtung», hallt es um 9.26 Uhr tatsächlich durch die Gänge. «Alle Kunden werden gebeten, sich zu den Notausgängen zu begeben.» Und obwohl die monotone Männerstimme offenlässt, ob das Gebäude brennt oder sogar eine Bombe hochzugehen droht, denkt kaum ein Kunde daran, sich schnellstmöglich in Sicherheit zu bringen. Manche spazieren gemütlich in Richtung Ausgang, andere reagieren erst mal gar nicht. «Das ist wohl eine originelle Werbung», ruft Matthias Fringes aus, als er die Durchsage vernimmt – und greift nach einem Käse. Ganz in der Nähe legt Bernhard Jaggi in aller Seelenruhe eine Packung Glace in seinen Einkaufswagen. «Das ist bestimmt eine Übung», meint er. Security-Angestellte passen auf «Das denke ich auch, aber ich verhalte mich dennoch wie im Ernstfall», erklärt hingegen der Coop-Lehrling Okan Evirgil – was bedeutet, dass er und seine Kollegen dem gemütlichen Treiben ein Ende bereiten. Freundlich bitten sie die Trödelnden, das Gebäude zu verlassen. Innert Minuten sind die Gänge menschenleer. Auch Fringes lässt seinen Käse schweren Herzens in der «Gefahr» zurück und begibt sich ins Freie – vorbei an Security-Angestellten. Die gestandenen Männer passen auf, dass kein «Flüchtender» einen Korb voller Waren oder sogar den Inhalt einer Kasse mitgehen lässt. Auch zwei Samariterinnen sind vor Ort – falls ein unfreiwilliger Übungsteilnehmer auf der Flucht über die eigenen Füsse stolpert. Dabei weiss Roger Brunner von der Feuerwehr Bachenbülach-Winkel, dass selbst im Ernstfall kaum Panik ausbricht. «In einer Migros in Zürich hats einmal gebrannt. Das Kühlregal war in Rauch gehüllt», erzählt er und ergänzt kopfschüttelnd: «Trotzdem haben die Kunden in aller Ruhe weiter nach ihrem Lieblingsjoghurt gesucht.»Die etwa 40 Bachenbülacher Evakuierten müssen sich inzwischen in Geduld üben. Erst nach einer Viertelstunde ist der Spuk vorbei, und sie dürfen wieder zu ihren vollen Einkaufswagen eilen – in der Hand Gutscheine für «Kafi und Gipfeli», welche ihnen die Coop-Angestellten als Wiedergutmachung überreicht haben. «Nun gehe ich meine Glace austauschen», erklärt Bernhard Jaggi augenzwinkernd. «Das ist nämlich sicher längst geschmolzen.» Gleich noch ein paarmal Alarm «Diese Übung verdient nur die Note 4, auch wenn Mitarbeiter und Kunden schnell in Sicherheit waren», bilanziert derweil Reto Friedli, Leiter des regionalen Coop-Sicherheitsdienstes. Zu bemängeln ist zum Beispiel, dass viele Kunden nicht zum Sammelplatz gebracht worden sind. Zudem waren einige Fluchtwege mit Kartons voller Weinflaschen verstellt. Und während die Helfer des Sicherheitsdienstes über diese Mängel diskutieren, ertönt auch noch der Alarm – immer und immer wieder, bis einige verunsicherte Kunden das Gebäude erneut verlassen. «Dieser Alarm ist natürlich ungewollt. Auch das ist nicht gut», sagt Friedli, der indes froh ist, diese Mängel im System entdeckt zu haben. «Nun können wir die Abläufe optimieren, die Mitarbeiter besser schulen – und bald testen, ob alles besser klappt.» Wütend geworden sind während der Evakuierung übrigens nur zwei Kunden. «Ihr könnt unser Wägeli selber ausräumen», schimpften sie und gingen nach Hause. Kein Verständnis für die erbosten Unterländer hat Martina David, die endlich ihre vielen Einkäufe aufs Förderband legen darf. «Solche Tests dienen doch der Sicherheit», sagt die Höremerin, die ein wahrer Pechvogel ist: Vor sechs Jahren ist sie im Bachenbülacher Megastore schon einmal «Opfer» einer Übung geworden. «Damals habe ich aber nicht so ruhig reagiert wie heute», erzählt sie lachend. Die Kunden des Bachenbülacher Coop Megastore zeigten sich nicht sehr motiviert, um an der Übung mitzumachen. Foto: J. Bossart

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