Zum Hauptinhalt springen

Eigenständig wohnen und das Leben meistern

Einen eigenen Haushalt zu führen, ist für einige Menschen fast unmöglich. Oft hilft in diesen Fällen eine Wohnbegleitung. Der Verein Noveos mit Sitz in Riedikon bei Uster bietet solche Unterstützung seit 15 Jahren an.

Von Eduard Gautschi Uster – Psychische Beeinträchtigungen treten in verschiedenen Formen auf und haben unterschiedlich starke Auswirkungen auf das tägliche Leben, den Beruf und Beziehungen. Meist führen psychisch beeinträchtigte Menschen ein relativ selbstständiges Leben und fallen nicht auf. Sie führen einen Haushalt, leben alleine oder mit ihren Kindern, mit Partnerin oder Partner in einer Wohnung. Oft werden sie unterstützt von Fachleuten, seien das Ärzte, Psychologen oder Mitarbeitende der Sozialämter. Leben, Wohnen, Arbeiten: Das sind Bereiche, die jeder Mensch am liebsten selbstständig bewältigt. Doch das geht nicht immer. Wer auf einen geschützten Arbeitsplatz angewiesen ist, wird bei der Wahl seiner Arbeitsstelle und der Wahl seiner Arbeit eingeschränkt. Bei der Wahl der Wohnform ist ein psychisch beeinträchtigter Mensch meist auch nicht unabhängig. Sei das aus finanziellen Gründen, sei es, weil er den Alltag ohne fremde Hilfe nicht meistern kann. Welchen Umfang die Unterstützung durch Dritte hat, ist unterschiedlich. Psychisch beeinträchtigte Menschen leben häufig für kürzere oder längere Zeit in einer psychiatrischen Klinik. Einige leben in Wohnhäusern oder einer Wohngruppe. Bei diesen beiden Formen ist das Betreuungsangebot relativ gross. Niederschwellige Hilfe hilft Es gibt aber Menschen, die brauchen nur eine zwar kleine, aber regelmässige Unterstützung, damit sie ihren Alltag meistern können. Diese Form der Hilfe nennt man Wohnbegleitung. Seit 15 Jahren wird sie im Zürcher Oberland zum Beispiel vom Verein Noveos mit Sitz in Riedikon angeboten. Sonja Faller arbeitet seit vielen Jahren bei diesem Verein und leitet dort das Angebot der Wohnbegleitung. «Wir begleiteten Menschen in Wohngruppen, die gruppenmüde waren und deshalb eine andere Wohnform suchten.» Bei der Suche nach Alternativen wurde Faller in Berlin fündig. Das dort praktizierte System wurde adaptiert und hat sich in der Praxis bewährt. Noveos betreut gegenwärtig 34 Klienten im Oberland und am Zürichsee. Sie werden grundsätzlich einmal pro Woche besucht, das Angebot ist mit 240 Franken pro Monat recht günstig. Vor allem wenn man berücksichtigt, wie teuer die Alternativen sind. Sich vorzustellen, ist Pflicht Wer die Dienste der Wohnbegleitung in Anspruch nehmen will, wird zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, bei dem der Bedarf abgeklärt wird. Finanzen, Haushalt und Befindlichkeit der Person werden angeschaut. «Wir wollen herausfinden, in welchem Lebensbereich Hilfe benötigt wird. Der Inhalt der Begleitung wird den individuellen Bedürfnissen angepasst», sagt Faller. Wird die Person ins Angebot aufgenommen, werden Besuchsdaten festgelegt. «Bei unseren Besuchen reden wir nicht nur mit der Person, sondern beobachten sie auch. Wir müssen Veränderungen und Signale wahrnehmen können und entsprechend handeln oder wenn nötig in Absprache mit unserer Klientin oder unserem Klienten auch Massnahmen einleiten.» Noveos arbeitet dabei eng mit Ärzten, Therapeuten und Sozialdiensten zusammen. Die Betreuung ist zeitlich unbegrenzt, sie kann als vorübergehende Hilfestellung oder als längerfristige Lösung vereinbart werden. Die Idee hinter der oft Jahre dauernden Betreuung: Die Klienten sollen je länger je selbstständiger werden, Selbstvertrauen gewinnen, und die Aufenthalte in Kliniken sollen abnehmen. Obwohl die Betreuung mit einem Besuch pro Woche minimal ist, ist sie doch sehr erfolgreich. «Mit kleinen Schritten wird ein nachhaltiger Erfolg erzielt», sagt Faller. Zwischen Klient und Betreuungsperson entstehe eine Vertrauensbasis. Die Regelmässigkeit der Besuche schaffe Vertrauen und wirke beruhigend. Wenn Klienten wissen, dass sie alte oder neu auftauchende Probleme mit jemandem besprechen könnten, ist das für sie laut Faller eine grosse Entlastung, zumal ein Gespräch mit einer Fachperson stattfindet. «Wir ermutigen unsere Klienten, sich selber zu helfen und ihre Probleme mit unserer Unterstützung selber zu lösen, und helfen dort, wo es nötig ist.» Laut Faller ist die Wohnbegleitung ein sehr effizientes Mittel, um Menschen zu ermöglichen, in den eigenen vier Wänden ihr eigenes, selbstbestimmtes Leben zu leben. Darüber hinaus organisieren die Wohnbegleiterinnen auch Zusammenkünfte, zu denen alle Betreuten eingeladen werden. Diese Treffen sind nach Angaben von Faller sehr beliebt. «Sie lernen sich selbst kennen und stellen fest, dass sie nicht die Einzigen sind, die mit fremder Hilfe erfolgreich ihr Leben meistern.» Kleiner Dienst, grosse Entlastung: Wohnbegleiterin Sonja Faller hilft im Alltag. Foto: PD

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch