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Drei Jahre für Goldkessel-Betrüger

Ein Meilemer Unternehmer hat mit Anlagen, Stahl- geschäften und einem geheimnisvollen Goldkessel Millionen ertrogen. Gestern wurde er verurteilt.

Von Lorenzo Petrò Meilen – Der Fall hatte über die Landesgrenzen hinaus für Aufsehen gesorgt. Denn es ging nicht nur um Millionenbetrug an der zweitägigen Gerichtsverhandlung im vergangenen Oktober am Bezirksgericht Meilen. Es ging auch um einen geheimnisvollen Kessel, geschmiedet aus 11 Kilogram reinem Gold. Das Objekt, ziemlich sicher Nazi-Kitsch, von Tauchern 2001 im bayrischen Chiemsee entdeckt, war über einen Zwischenhändler in die Hände des Meilemer Unternehmers gelangt. Dieser glaubte, das Kunstwerk, das mit keltischen Motiven versehen ist, sei viel älter. Der Mann war überzeugt, den heiligen Gral vor sich zu haben. Er wollte das «bedeutendste Kultobjekt des Abendlandes» vermarkten – wie es andere mit der Maske des ägyptischen Pharaos Tutanchamun vorgemacht haben: mit Roadshow, Filmrechten, Merchandising. Das grosse Geld – geschätzte 300 Millionen Franken an Einnahmen – witterten auch zwei kasachische Investoren, die dem Meilemer für sein Vorhaben 3 Millionen Schweizer Franken anvertrauten. Lange Liste von Straftaten So weit, so korrekt. Nur setzte der Mann das Geld für ganz andere Zwecken ein. Etwa um Löcher aus früheren, erfolglosen Geschäften zu stopfen. Zwar konnte das Gericht nur in wenigen Fällen – aber immerhin mit einen Gesamtbetrag von 6,6 Millionen Franken – sicher sein, dass er seine Opfer getäuscht hatte. In 22 weiteren Fällen musste es ihn aus Mangel an Beweisen freisprechen. Für eine Freiheitsstrafe von 3 Jahren, davon die Hälfte bedingt, reichte die lange Liste der Straftaten aber allemal. Der Meilemer wurde wegen mehrfachen gewerbsmässigen Betruges, mehrfacher Urkundenfälschung und ungetreuer Geschäftsführung verurteilt. Verwaltungsrat und Sanierer Dabei hatte die «Karriere» des 61-Jährigen gar nicht so schlecht begonnen: Der Ökonom sass als erfolgreicher Sanierer einer Detailhandelskette in verschieden Verwaltungsräten. Doch bereits 1999 war er der Bankenkommission aufgefallen, weil er Hedgefonds-Anteile verkaufte und unglaubwürdige 23 Prozent Rendite versprach. Zur Anklage kam es nie. Zum Verhängnis wurde ihm der Goldkessel, genauer die zwei kasachischen Investoren, die 2006 misstrauisch wurden und Anklage erhoben. Seither ruht der Kessel in einem Safe der Zürcher Kantonalbank an der Bahnhofstrasse, beschlagnahmt von der Zürcher Staatsanwaltschaft. Diese untersuchte auch zwei weitere Betrügereien: So hatte der Meilemer Hunderte Kleinanleger um einen grossen Teil ihres Vermögens gebracht, indem er ihnen über ein Vertreternetz eine 100 Prozent kapitalgeschützte Aktie andrehte, obwohl ein Kapitalschutz nicht bestand. Das Geld steckte vielmehr in einem riskanten Ölgeschäft, das prompt scheiterte. Auch hier konnte das Gericht nur in 11 Fällen mit Sicherheit von einer Täuschung ausgehen, in 270 Fällen erfolgte ein Freispruch. Um die grössten Anleger, die beiden Pensionskassen, nicht zu enttäuschen, ersann der Verurteilte weitere Geschäfte. Doch auch ein Stahlhandel mit dem Automobilhersteller Toyota scheiterte. Einen «Lucky Punch» glaubte er dann mit dem Goldkessel gelandet zu haben. Der Staatsanwalt hatte 4 Jahre Haft und ein 5-jähriges Berufsverbot gefordert. Das Gericht entschied sich für die mildere Strafe, weil sich der Verurteilte für einen korrekten Abschluss seiner Geschäfte einsetzte. Auch wenn er sich zeitweise eine stolzen Monatslohn von 24 000 Franken ausgezahlt habe, sei das Geld nicht wie bei Betrügern üblich direkt in seine Tasche geflossen. Allerdings attestierte das Gericht dem 61-jährigen eine «erstaunliche Unbelehrbarkeit». Als promovierter Ökonom müsse er wissen, dass Geld des einen Firmenzweigs nicht nach Gutdünken in einen anderen gesteckt werden könne. Nicht, wenn es sich bei diesen «Darlehen» um ungesicherte Zahlungen handle, und schon gar nicht, wenn keine konsolidierte Jahresrechnung vorliege. Goldtopf und Kristallschädel Einen Beweis seiner Unbelehrbarkeit lieferte der Verurteilte gleich selbst: Er fühlt sich nach wie vor unschuldig. Sein Anwalt kündigte an, in Berufung zu gehen. Der sagenumwobene Goldkessel bleibt demnach noch eine Weile in Beschlag. Erst wenn das Urteil Rechtskraft erhält, soll er zur Verwertung durch das Konkursamt freigegeben werden. So hat es das Gericht bestimmt. Vergessen wird man die 11 Kilogramm Gold trotzdem nicht: In seiner aktuellen Ausgabe berichtet das Magazin «Mysteries», dass ein Goldtopf «keltischer Herkunft» auf der Inventarliste eines SS-Hauptmannes aufgeführt sei. Die Liste soll in Schatzkisten in Südamerika entdeckt worden sein – zusammen mit einem neun Kilogramm schweren Schädel aus Kristall.

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