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Diese Fragen sind tabu

Stellensuchende müssen persönliche Fragen nicht beantworten. Sie dürfen sogar lügen.

Stellenbewerbung Von Thomas Müller Wer als Bewerberin oder Bewerber nach Dingen gefragt wird, die nichts mit der ausgeschriebenen Stelle zu tun haben, darf die Antwort verweigern. Das nützt allerdings wenig, wenn man die Stelle deswegen nicht erhält. Deshalb dürfen Kandidaten unzulässige Fragen auch falsch beantworten. Kommt die Notlüge nach der Anstellung ans Tageslicht, darf der Arbeitgeber den Vertrag deswegen nicht anfechten. Eine Kündigung wäre missbräuchlich. Alter Lohn geht Chef nichts an Das Bundesgericht hat bisher zwei Fälle entschieden: Eine Bewerberin für eine Telefonistinnenstelle darf nicht gefragt werden, wie sie innerlich mit Problemen umgeht. Und eine Kandidatin für eine KV-Lehrstelle muss sich nicht fragen lassen, wie sie verhütet – auch nicht von einer Stiftung, die natürliche Verhütungsmethoden propagiert. Laut Experten sind zum Beispiel auch folgende Fragen verboten: Wie hoch war Ihr bisheriger Lohn? Was sind Ihre Hobbys? Welchen Vereinen gehören Sie an? Wie sieht Ihre Familienplanung aus? Was arbeitet Ihr Ehepartner? Sind Sie schwanger? Die Frage ist ausnahmsweise erlaubt für Models und Tänzerinnen sowie bei Schwerarbeit. Leiden Sie an bestimmten Krankheiten? Ausnahmen: Eine Krankenschwester darf gefragt werden, ob sie HIV-infiziert ist, ein Bauarbeiter, ob er einen Rückenschaden hat. Haben Sie Schulden? Sind Sie vorbestraft? Diese Fragen sind nur zulässig bei Führungs- oder speziellen Vertrauenspositionen, etwa bei Kassierern. Wie haben Ihre Eltern Sie geprägt? Welche persönlichen Schwächen haben Sie seit Ihrer Jugend aufarbeiten können? Wenn Sie am Samstagmorgen gefragt würden, was Sie heute tun werden, könnten Sie das ziemlich genau sagen, oder würden Sie lieber abwarten, was sich ergibt? Mögen Sie lieber Kriminalromane oder Liebesromane? Langweilen Sie sich oft an Partys, oder macht es Ihnen meistens Spass? Generell tabu sind Fragen zu Weltanschauung, Religion und politischer Einstellung. Eine Ausnahme gilt bei Betrieben mit ideellem Zweck wie politischen Parteien, kirchlichen Organisationen, Vereinen und Verbänden. Leistungstests sind erlaubt Mit Persönlichkeitstests und grafologischen Gutachten dürfen Firmen nur Fähigkeiten und Eigenschaften von Bewerbern untersuchen, die für die ausgeschriebene Stelle wichtig sind. Grundsätzlich erlaubt sind hingegen arbeitsplatzbezogene Leistungstests, etwa um abzuklären, wie viele Anschläge eine Sekretärin pro Minute schafft. Stellensuchende haben ein Recht auf Einsicht in die Testergebnisse. Abgewiesene Kandidaten können zudem verlangen, dass sämtliche Daten über sie vernichtet werden. Ist eine Firma dazu nicht bereit, riskiert sie die Veröffentlichung eines allfälligen Gerichtsurteils. Falls eine grössere Zahl von Bewerbern betroffen ist, muss der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte laut Gesetz «den Sachverhalt von sich aus näher abklären». Im Fall von Helvetia und Axa Winterthur (siehe Haupttext) gibt er sich auf Anfrage aber unverbindlich: «Wir werden die Sache im Auge behalten.»

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