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Die Wiedergeburt eines bezwungenen Flusses

Ein 175 Meter langer revitalisierter Abschnitt der Surb wurde gestern feierlich eingeweiht.

Von Amir Ali (Text) und David Baer (Fotos) Schleinikon – Es ist ein kunterbunt gemischtes Grüppchen, das sich in der Mittwochnachmittags-Sonne auf der kleinen Brücke im Ortsteil Wasen versammelt hat. Gummistiefel und Wanderschuhe dominieren das Bild. Die aufgeräumte Stimmung passt zum Wetter – es wird schliesslich nicht jeden Tag ein Fluss eingeweiht. Bis vor wenigen Monaten schob die Surb ihr Wasser hier schnurgerade durch das weite Wehntal, bezwungen von Beton und Steinen. Um die Artenvielfalt stand es in dem kanalisierten Flüsschen schlecht. Durch die Begradigung floss die Surb monoton und verschlammte. Die Ufer boten keinerlei Schutz für Fische und andere Lebewesen. Fischer als Naturschützer Das Glück der Surb und ihrer Bewohner war, dass Markus Klingler vor neun Jahren nach Schleinikon zog. «In den ersten zwei Jahren konnte ich regelrecht zusehen, wie es mit dem Fluss abwärtsging», erinnert sich der passionierte Fischer. Bald hatte sich in Klinglers Kopf die Idee festgesetzt, die Surb wieder zu beleben. Zuerst wandte er sich an den Kanton. Dort war man zwar grundsätzlich offen für Klinglers Anliegen. Als es um die Finanzierung ging, hiess es aber: zu grosser Spardruck, kein Geld für die Surb. Also suchte Klingler weiter. Und fand den WWF, bei dessen Wettbewerb sein Projekt mit 5000 Franken ausgezeichnet wurde. Mit diesem Geld konnte der alteingesessene Wehntaler Bauingenieur Willi Bless eine detaillierte Planung ausarbeiten. «In der Breite hatten wir keinen Spielraum», erklärt Bauleiter Bless. Denn Land durfte für die Revitalisierung keines abgetragen werden. In 17 Arbeitstagen wurden dann diesen Frühling unter seiner Leitung Uferverbauungen herausgerissen und mit den Steinen ein natürlicher Flusslauf imitiert. Das Wasser soll mal schneller fliessen, mal langsamer. Übergangszonen zwischen Ufer und Wasser wurden geschaffen und kleine Buchten angelegt und somit Lebensraum geschaffen für Arten, die hier nicht mehr vorkamen. Wurzelstöcke und Astgeflechte, sogenannte Faschinen, sichern die Böschung und bieten Tieren Unterschlupf. «Es braucht nicht viel», erklärt Klingler. Manchmal reiche ein Stein im Wasser, um Fischen und Insekten Lebensraum zu bieten. «Ein Vorzeigeprojekt» Forstingenieur Tobias Liechti war für die ökologische Baubegleitung zuständig. Auch wenn er sichtlich zufrieden ist, sagt er: «Man hätte auch noch mutiger sein können in der Umsetzung.» Für Natalie Vieli vom WWF ist die Surb dennoch ein Vorzeigeprojekt: «Wir haben hier eine vorbildliche Zusammenarbeit auf allen Ebenen erlebt.» Die Finanzierung sicherten schliesslich zur Hälfte die Zürcher Accor-Gruppe, der Naturschutzverein Wehntal sowie die Gemeinden Schleinikon, Oberweningen, Schöfflisdorf und Niederweningen. Die anderen 50 Prozent der total 105 000 Franken berappten die Elektrizitätswerke der Stadt Zürich (EWZ) aus einem eigens für Umweltprojekte geäufneten Fonds. Pro Kilowattstunde verkauften Ökostroms geht 1 Rappen an Renaturierungsprojekte. «Wir sind mit unseren Kraftwerken schliesslich ein Zustandsstörer am Wasser. Deshalb bezahlen wir so etwas gerne», sagt EWZ-Betriebsleiter Christoph Busenhart. «Geben wir der Natur, was ihr gehört», sagt der Schleiniker Gemeindepräsident Gabor Magyarovits. Die Surb scheint die Wiederbelebung jedenfalls angenommen zu haben. Schon drei Monate nach Abschluss der Bauarbeiten schwirren wieder Libellen über die Knäuel von Wasserkraut. Und vielleicht nimmt das Eisvogelpärchen, das Markus Klingler letztes Jahr gesichtet hat, ja bald festen Wohnsitz an der Surb. «Man konnte zusehen, wie es mit dem Leben im Fluss abwärtsging.» Markus Klingler Die Surb fliesst in Schleinikon wieder wilder. Faschinen bieten Fischen Unterschlupf (im Uhrzeigersinn), das Wasserkraut lieben die Insekten. Auch menschlicher Nachwuchs fühlt sich wohl. Schon ein einfacher Stein im Wasser kann entscheidend sein.

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