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Die WBK Küsnacht bemüht sich um Normalität

Disziplin im Schulzimmer steht wieder höher im Kurs, seit die «Münchner Schläger» gewütet haben.

Von Peter Meier «Solange der Prozess in München gegen drei unserer ehemaligen Schüler andauert, wird auch unsere Schule im Fokus des öffentlichen Interesses stehen», ist Danièle Glarner überzeugt. Die Küsnachter Schulpräsidentin rechnet fest damit, dass die Weiterbildungs- und Berufswahlschule Küsnacht (WBK) wieder verstärkt ins Visier der Medien rücken wird, wenn die Richter am Münchner Landgericht ihr Verdikt sprechen. Benji D., Mike B. und Ivan Z., die vor Jahresfrist auf ihrer Exkursionreise in die bayerische Hauptstadt ausser Rand und Band geratenen «Schläger von München», sind wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. «Die tragischen Vorfälle sind Teil unserer Schulgeschichte geworden», sagt Danièle Glarner. Man habe sich aber in den letzten Monaten im Interesse der Schülerinnen und Schüler sehr darum bemüht, möglichst rasch zu den eigentlichen schulischen Kernaufgaben und zur Normalität zurückzufinden. Das richtige Strafmass Die Schulpräsidentin ist vorsichtig in ihrer Wortwahl. Zur Frage, wie sie es empfindet, dass jetzt zumindest zwei der drei Angeklagten nach monatelangem Schweigen vor Gericht zu ihren Untaten Stellung nehmen, sagt sie bloss, dass «die Öffentlichkeit diesen Gesinnungswandel wohl positiv wahrnimmt». Glarner betont, dass Schulbehörde und Lehrerschaft keinen besonderen Draht zum Gericht, geschweige zu den drei ehemaligen Schülern oder deren Anwälten hätten. «Wir wissen nur aus der Presse, was am Prozess vor sich geht.» Welches Strafmass sie als «gerecht» empfinden würde, dazu will Glarner nicht Stellung nehmen. «Es ist Aufgabe der Richter, das richtige Mass zu finden. Für uns, aber auch für Täter und Opfer ist entscheidend, dass möglichst rasch Klarheit geschaffen wird.» Auch zu den Opfern gibt es keine Kontakte. Einem von ihnen, einem damals 46-jährigen Versicherungskaufmann, den die drei Angeklagten bei ihren wahllosen Attacken beinahe zu Tode geprügelt hatten, hat Glarner in einem persönlichen Schreiben ihre Betroffenheit übermittelt, aber auch um Verständnis dafür geworben, dass die heutige Generation der WBK-Schüler mit den Vorfällen im vorletzten Sommer nichts zu tun hätten. Dieses Schreiben kann nicht nur als Zeichen der Solidarität mit einem Betroffenen gedeutet werden, sondern auch als Signal «nach innen». Ein solches Signal, das der öffentlichen Stimmungslage Rechnung tragen sollte, war auch das Verbot mehrtägiger Exkursionen, das die Küsnachter Schulpflege kurz nach den Vorfällen in München verhängt hatte. «Das Verbot gilt weiterhin», hält Danièle Glarner fest. Die Frage, ob dieses unter öffentlichem und medialem Druck verhängten Verbot auch erzieherisch sinnvoll sei, lässt die Schulpräsidentin offen. Prävention als Daueraufgabe Was sind die Folgen von «München»? Danièle Glarner hält fest, dass – entsprechend den kantonalen Vorgaben – die Disziplin wieder einen grösseren Stellenwert bekommen habe. Auf dem Schulareal gelte ein absolutes Alkohol-, Drogen- und Rauchverbot, unentschuldigte Absenzen würden konsequent ins Zeugnis eingetragen, und auch das Kommunikationsheft, in dem Lehrkräfte und Eltern Informationen austauschen, stehe wieder höher im Kurs. Mehr Disziplin ist das eine, mehr Gewaltprävention und aktive Hilfestellung beim Selbstfindungsprozess junger Erwachsener ein weiteres. «Präventionsarbeit ist im Schulzimmer zur Daueraufgabe geworden», betont Glarner. Angemessene Verhaltensformen und Konfliktfähigkeit würden bewusster thematisiert als früher. Ebenfalls sei die Rolle der Schulsozialarbeit wichtiger geworden. Persönlichkeitsbildend wirkten die Sozialprojekte, in deren Rahmen Schülerinnen und Schüler ein Woche lang in einer sozialen oder gemeinnützigen Institution verbringen. Schülerzahl gesunken Der Einschätzung, dass das Wüten der «Münchner Schläger», die in der Boulevardpresse auch gern als «Küsnachter Schläger» herumgereicht werden, für die WBK einen Imageschaden zur Folge hatte, stimmt Danièle Glarner zu. Als Beleg für diese These wertet sie die Tatsache, dass es an der WBK heute freie Plätze gibt. Im letzten Schuljahr zählte die Schule 68 Schülerinnen und Schüler, zurzeit sind es bloss deren 58.

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