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«Die Vorwürfe sind persönlich motiviert»

Im Primarschulhaus Watt herrscht eine Mobbing-Atmosphäre. Die Schulbehörde wird mit harten Vorwürfen attackiert. Jetzt reden die Präsidentin Brigitta Lott und ihr Vize Remo Campana.

Interview: Dominique Marty und Barbara Gasser Seit die Schulpflege Regensdorf die Watter Schulleiterin entlassen hat, herrscht Aufruhr. Eltern schlossen sich zu einer Interessengemeinschaft zusammen, acht Lehrerinnen aus Watt kündigten, beim Bezirksrat sind zwei Aufsichtsbeschwerden gegen die Schulbehörde hängig. Brigitta Lott: Die Situation rund um die Schule Watt ist aus dem Ruder gelaufen. Das Problem beschränkt sich längst nicht mehr nur auf Watt; die ganze Schule Regensdorf ist von den Folgen dieser Eskalation betroffen. Dabei geht es nicht um die Kündigung der Schulleiterin oder um eine Forderung, diese rückgängig zu machen. Im Raum stehen ganz andere, teilweise diffuse Vorwürfe. Zudem herrscht mittlerweile im Schulhaus Watt eine schwierige Atmosphäre. Wir wissen, dass manche Lehrpersonen wegen dieser Geschichte regelrecht gemobbt werden. Die ganze Sache schadet dem guten Ruf der Primarschule Regensdorf. Nach der Kündigung der Schulleiterin haben die Lehrerinnen im Schulhaus Watt den Kindern einfach den Nachmittag freigegeben. Mittlerweile wurde bekannt, dass einige Mädchen und Knaben jedoch gar nicht betreut waren. Lott: Das stimmt, uns sind konkret vier Fälle bekannt, bei denen die Lehrpersonen die Eltern nicht erreicht haben und die Kinder anschliessend unbeaufsichtigt waren. Wir sind dankbar, dass den Kindern nichts geschehen ist. Remo Campana: Hier stehen alle Lehrpersonen des Schulhauses Watt in der Verantwortung. So was darf sich nicht wiederholen. Nach Gesetz gilt: Schule findet immer statt. Nun erheben Eltern und Lehrer den Vorwurf, die Kommunikationspolitik der Schulbehörde sei schlecht, die Schulpflege verweigere den Dialog. Das ist auch Inhalt zweier Aufsichtsbeschwerden. Was sagen Sie dazu? Remo Campana: Dieser Vorwurf befremdet uns. Wir haben die Kündigung der Watter Schulleiterin korrekt kommuniziert. Was sich anschliessend aber entwickelt hat, war für uns nicht voraussehbar. Die Solidarisierung im Lehrerteam von Watt, das sich auch in einem Leserbrief zu Wort meldete und dabei Vorwürfe gegen die Schulpflege wegen schlechter Kommunikation erhoben hat. Zwei Schulpfleger aber waren am Nachmittag im Schulhaus, um die Sache zu klären. Die Lehrpersonen wollten jedoch gar nicht mit der Schulpflege darüber sprechen und werfen uns jetzt vor, wir seien nicht dialogbereit. In der gleichen Woche fand ein Informationsabend für die Elternvertretungen des Elternrates zu einem anderen Thema statt. Auch dort haben wir über die Kündigung informiert. Lott: Ich beantworte seither unzählige Mails, schreibe Berichte und bin ständig am Telefon, um Fragen zu beantworten. Und trotzdem heisst es, wir würden nicht kommunizieren. Via Pressemitteilung aber verbreitete die Schulpflege, dass sie zum Fall Watt keine Auskunft mehr erteile. Das klingt nach Gesprächsverweigerung. Lott: Das war ein Missverständnis. Wir meinten damit den Kündigungsfall. Hier lief bereits ein Verfahren, worin Juristen involviert sind. Zudem dürfen wir der Öffentlichkeit über Personalfragen keine Auskunft geben, darauf hat die gekündigte Person aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes ein Recht. Worauf führen Sie die Eskalation dann zurück? Campana: Unser Eindruck ist, dass hinter der Sache verschiedene Akteure stecken, auch ehemalige Schulpfleger, die aus persönlichen Motiven besonders die Schulpflegepräsidentin angreifen. Es ist auffallend, wie stark ihre Arbeit von jenen kritisiert wird, die sich in Leserbriefen oder Parteimeldungen äussern. Ersichtlich ist diese persönliche Motivation auch aus den Namen, die hinter den Gruppierungen stecken. Tatsache aber ist, dass die ganze Schulpflege geschlossen hinter dem Entscheid steht, die Watter Schulleiterin zu entlassen. Mittlerweile haben sich aber viele Eltern eingeschaltet, die sich um ihre Kinder und den Unterricht in der Schule Watt Sorgen machen. Denen können Sie doch nicht persönliche Motive unterstellen. Lott: Nein, das machen wir auch nicht. Dass sich Eltern um ihre Kinder sorgen, ist verständlich. Diese Besorgnis nehmen wir sehr ernst. Es ist uns daher ein Anliegen, nach vorne zu schauen und dafür zu sorgen, dass die Schulqualität nicht unter dem gärenden Konflikt leidet. Aus der IG Pro Schule Watt sind allerdings auch schon Rücktrittsforderungen an Sie, Frau Lott, gerichtet worden. Was sagen Sie dazu? Lott: Das hat mich sehr getroffen. Ich habe mit dem Vater, der diese Aussage gemacht hat, Kontakt aufgenommen, da ich ihn nicht persönlich kenne. Er hat mir gesagt, dass er in diesem Punkt falsch zitiert wurde. Ein Rücktritt ist für mich zurzeit kein Thema, ich möchte die Arbeit in der Schulpflege weiterführen und werde dabei von meinen Behördenmitgliedern sehr unterstützt. Es herrscht Lehrermangel, und Regensdorf muss sieben Vollstellen neu besetzen. Wie wollen Sie das schaffen? Campana: Wir haben bereits einige gute Bewerbungen erhalten und auch Gespräche geführt. Drei Lehrpersonen konnten wir schon einstellen. Die Primarschule Regensdorf ist ein attraktiver Arbeitsort für Lehrpersonen. Wir werden hoffentlich keine Probleme haben, die Stellen zu besetzen. Das gilt auch für die Stelle der Schulleitung in Watt, für die wir schon Vorstellungsgespräche geführt haben. Welche Strategien wählt die Schulpflege Regensdorf, um die Probleme nun zu bewältigen? Lott: Wir haben schon Mitte Januar in die Wege geleitet, dass nach den Sportferien eine Mediatorin nach Watt kommen wird, die sich besonders um das Team kümmern soll. Daran halten wir fest. Zudem ist die Schulleitung zurzeit durch eine externe Ko-Schulleitung mit sehr viel Erfahrung besetzt, die es versteht, das Team professionell zu führen. Seitens der Behörde bleiben wir weiterhin gesprächsbereit auf allen Ebenen. Rund um die Schule Watt spitzt sich der Konflikt zwischen Lehrern, Eltern und Schulbehörde weiter zu.Foto: Johanna Bossart Brigitta Lott, Präsidentin der Primarschulpflege Regensdorf

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