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Die Verbundenheit mit der Burg pflegen

Jährlich sitzen ansässige und ehemalige Regensberger am Burgertreff zusammen und frischen Erinnerungen auf. Einige Burger kommen sogar aus Amerika.

Von Manuela Moser Regensberg – «Daheim ist, wo man seine Beziehungen hat.» Der 93-jährige pensionierte Pfarrer Gustav Stern spricht an diesem Nachmittag vor rund 60 Zuhörern. Sie sind im Restaurant Löwen zusammengekommen, um alte Erinnerungen aufleben zu lassen und – wie es in der Einladung heisst – ihre Verbundenheit mit der Burg zu pflegen. Die Geladenen sind ansässige oder ehemalige Regensberger über 60, alle entweder in Regensberg geboren oder zur Schule gegangen. «Von weit her sind unsere Burger gekommen», fährt Stern weiter, «von Amerika, Australien, dem Elsass und – aus Schöfflisdorf.» Alle lachen. Es schwingt Stolz mit, wenn er «Burger» sagt und nicht «Regensberger», oder wie die Ansässigen sagen: «Rägischberger». Stolze Burger Schon die Gründerin des Anlasses, die verstorbene Rosa Kunz vom bekannten Regensberger Engelfrid-Haus, soll Wert darauf gelegt haben, «von der Burg» zu kommen und nicht aus Regensberg. «Die Regensberger haben schon immer auf Dielsdorf runtergeschaut», gibt Stern unumwunden zu. Schliesslich war Regensberg auch einmal Bezirkshauptort, bis im Jahr 1865 der Eisenbahnanschluss kam und Dielsdorf näher an den Schienen war. Reinhard Hürlimann (80) ist extra aus Amerika für das Burgertreffen angereist. «From L. A.», wie er in breitem Amerikanisch sagt, und immer wieder sucht er das passende deutsche Wort. Schliesslich hat er Regensberg vor 57 Jahren Richtung Westen verlassen, zum Burgertreffen kommt er aber «mindestens jedes dritte Jahr». Auch sein Bruder ist da, er ist aus Australien angereist. Ganz erstaunt zeigt sich Hürlimann über die aktuelle Einwohnerzahl des Städtli von 480, waren es zu seiner Zeit doch noch 700. «Stehen so viele Wohnungen leer?», will er wissen. «Der Bedarf an Wohnraum pro Kopf hat zugenommen», belehren ihn seine ehemaligen Klassenkollegen. Aber klar, Bauen sei in Regensberg ein Problem. Der Heimatschutz auferlegt strenge Regeln. «Regensberg ist verarmt» Daran erinnert sich auch Hilde Müller-Keimer (79). Ihr Vater führte einst die Bäckerei Keimer neben dem Löwen. Als er ausbauen wollte, stellte der Heimatschutz Bedingungen. «Für meinen Vater wurde der Bau zu teuer.» Er verkaufte das Geschäft. Heute gibt es in Regensberg keinen Laden mehr, keine Post und nur ein Restaurant. «Eine richtige Verarmung», nennt des Romolo Honegger. Er lebt heute noch in Regensberg und findet: «In Regensberg braucht es nebst dem Restaurant in der Unterburg auch ein gutes Restaurant in der Oberburg. Nur schon für die Touristen, die ja immer weniger werden.» Auch der ausgewanderte Hürlimann macht sich Sorgen. «Ihr verliert doch all das Tourismus-Geld.» Er erinnert sich an früher, als die «feinen Leute in ihren grossen Wagen» zum Ausflug ins Städli fuhren. Die Jüngeren nachziehen Hansruedi Lanz (76) organisiert das Burgertreffen seit 14 Jahren. Dieses Jahr hat er 90 Einladungen verschickt, auch die Jüngeren will er nachziehen. Aber wegen des Datenschutzes sei es gar nicht mehr so einfach, an die Adressen zu kommen. Für ihn, der von 1958 bis 1967 Gemeindeschreiber in Regensberg war, sind die Erinnerungen an das ehemalige Bauerndorf «wunderschön». Dass es im Städtli immer weniger Angebote gibt, ist für ihn eine normale Entwicklung: «Dies passiert in jedem kleineren Ort.» Auch der Sohn des pensionierten Pfarrers sitzt in der Runde. «Wissen Sie» sagt sein 93-jähriger Vater Gustav Stern, «dass man zur älteren Generation gehört, weiss man dann, wenn die eigenen Kinder die AHV beziehen.» Im nächsten Jahr soll das Treffen wieder im Löwen stattfinden. «Hoffen wir, wir sehen uns wieder», sagt Stern. Der Regensbergerin, die im nächsten Februar 100 Jahre alt wird, will man im Namen der Burger einen Blumenstrauss nach Frankreich schicken. Am Mittwoch, 22. September, entscheiden die Regensberger darüber, wie das ehemalige Volg-Lokal bei der Unterburg genutzt werden soll. Die Versammlung im Schulhaus beginnt um 20 Uhr.

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