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Die Väter der Nanotechnologie

Heinrich Rohrer und Gerd Binnig haben erfunden, was unmöglich schien.

Von Matthias Meili Rüschlikon – Heinrich Rohrer ist nicht mehr der Jüngste. Zuweilen trägt er eine Hörhilfe unter seinem schlohweissen Haar, und zwischen zwei Sätzen macht er auch schon mal eine Pause. Aber der 77-jährige Schweizer Nobelpreisträger ist immer noch der Witzigste im Saal. Auf die Frage, was sich mit dem Gewinn des Nobelpreises im Jahr 1986 verändert habe, erzählt er eine Geschichte aus dem Militärdienst: «Ein Jahr nach dem Gewinn des Preises tat ich das letzte Mal in der Gebirgsinfanterie Dienst. Wir bewachten eine Anzahl hoher Offiziere in einem Bunker – genau wie ich das auch Jahre zuvor machen musste. Doch jetzt kamen die Offiziere auf mich zu und sprachen mich mit Herr Doktor an.» Heinrich Rohrer und Gerd Binnig gaben gestern an einem Pressegespräch Auskunft über ihre wissenschaftliche Karriere im Allgemeinen und die Nanotechnologie im Speziellen. Die beiden gelten als die Väter der Nanotechnologie, weil sie in Rüschlikon zusammen ein Instrument erfanden, mit dem sich die kleinsten Teile der Materie sichtbar machen lassen: die Atome und Moleküle. Zudem lassen sich diese damit auch «in die Hand nehmen», neu arrangieren und natürlich aufs Gründlichste erforschen: der Grundstein aller Nanotechnologie.Rohrer und Binnig haben für ihre Erfindung 1986 den Nobelpreis für Physik erhalten. Und jetzt hat die Firma IBM ihr neues hochmodernes Forschungszentrum Binnig and Rohrer Nanotechnology Center genannt – ein Novum in der Schweizer Forschungslandschaft. «Bei allen Gebäuden mit Personennamen, die ich kenne», schmunzelt Rohrer, «hat der Namensgeber entweder viel Geld gestiftet – oder er ist gestorben.» Für sie gelte beides nicht, deshalb sei das schon sehr ausserordentlich, freute sich Rohrer, und Binnig stimmte ihm bei. Forschung zur Fehlerbehebung Binnig und Rohrer haben eine weitere Gemeinsamkeit: Beide haben in ihrer Jugend leidenschaftlich Geige gespielt, Binnig sogar im Schulorchester in Frankfurt, wo er 1947 geboren wurde und aufwuchs. Heinrich Rohrer wurde 1933 in Buchs im St. Galler Rheintal geboren, als Bruder einer Zwillingsschwester, die eine halbe Stunde vor ihm zur Welt kam. Später studierte er Physik an der ETH Zürich, 1963 kam er ans IBM-Forschungszentrum in Rüschlikon. Dort erforschte er kleinste Fehler auf der Oberfläche von Silizium-Kristallen, die einer weiteren Miniaturisierung von Computerchips im Wege standen. 1978 heuerte Rohrer den 14 Jahre jüngeren Gerd Binnig an, weil dieser auf demselben Gebiet forschte. Um diese Fehler zu entdecken, bauten sie das Raster-Tunnel-Mikroskop – ein Gerät, das nach Meinung vieler damaliger Physiker nicht möglich war. Rohrer und Binnig waren die ersten Menschen, welche die Oberflächenstruktur von einzelnen Atomen gesehen haben. Die Erfindung war ein wahrer Durchbruch. «Aber ein Durchbruch ist wie die aufgehende Sonne», sagte Heinrich Rohrer gestern, «sie macht den Tag nicht aus. Es mussten noch viele weitere Fortschritte kommen.» Beide seien sich auch von Beginn weg der Risiken bewusst gewesen, die mit der Nanotechnologie verbunden seien. «Bis heute haben wir noch keine grossen Gefahren entdeckt», sagte Rohrer. «Aber das ist kein Beweis, dass es sie nicht gibt. Wir dürfen deshalb nicht aufhören, darüber nachzudenken.» Heinrich Rohrer. Gerd Binnig.

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