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Die Thalwiler sollen ihre Familienbande stärken

Elie Haddad, Erzbischof der griechisch-melkitischen Kirche von Saida im Libanon, predigte am Freitag in Thalwil. Er nannte seinen Rat für Europa und prophezeite die Zukunft der Schweiz.

Von Nicole Trossmann Thalwil – Rund 20 Thalwilerinnen und Thalwiler wollten am Freitag die Predigt des hohen Geistlichen aus dem Libanon hören. Das katholische Hilfswerk «Kirche in Not» lud Elie Haddad, den Erzbischof der griechisch-melkitischen Kirche von Saida im Libanon, zum zweiten Mal in die Schweiz ein – heuer in die katholische St.-Felix-und-Regula-Kirche in Thalwil. Jacqueline Fischer aus Thalwil sagt, sie sei in erster Linie wegen Gott gekommen, in zweiter wegen Haddad: «Um besser verstehen zu können, welche Hilfe die Christen im Libanon brauchen.» Josephine Bamert hat ebenfalls vor, etwas zu spenden, betont aber auch, dass sie dem Prediger aus der Stadt südlich von Beirut Tribut zollen wolle: «Es ist eine Ehre für uns Christen aus Thalwil, einen so hohen Geistlichen aus einem so fernen Land bei uns begrüssen zu dürfen.» «Fast-Food-Religion» Elie Haddad hielt seine gut einstündige Predigt in Englisch. In derselben riet er den anwesenden Gläubigen, sich ein Vorbild am Libanon zu nehmen. «Besinnt euch auf eure Familie, stärkt deren Bande, steht füreinander ein», sagte Haddad. Die verwandtschaftliche Einheit, das unbedingte Füreinander-Einstehen und der daraus resultierende emotionale und finanzielle Rückhalt fehle im Westen. Und unter den Jungen fehle auch der Glaube. Darum müsse Europa aufgerüttelt werden, sagt der Erzbischof. «Eure Geburtenrate ist niedrig, die der islamischen Einwanderer hingegen hoch. Irgendwann werden in der Schweiz vielleicht mehr Muslime als Christen leben – das ist ein vorstellbares Szenario, über das ihr euch aber scheut zu reden, weil es als rassistisch gelten könnte.» Haddad sieht jedoch einen grossen Vorteil in dieser möglichen Zukunft. So würden die schlafenden Christen zu ihrem Glauben zurückfinden. Er räumt aber ein, dass auch der Libanon mit religiösen Herausforderungen kämpfe: Sein Land werde von der schnelllebigen Konsumgesellschaft ebenfalls nicht verschont. Diese liesse sich mit dem Weg des Glaubens schlecht vereinen. Und da die Kirche keine «Fast-Food-Religion» bieten könne, müsse sie neue Wege suchen. Auch im Internet sieht er Gefahren, da «vereinzelte Fälle von Pädophilie und Homosexualität» aufgebauscht verbreitet würden. Dennoch sei die Jugend in seiner Heimat aber viel gläubiger als jene im Westen: «Denn wir gehören zum Heiligen Land.» Ein anderes Problem seien die sich verschärfenden Konflikte zwischen den verschiedenen Glaubensrichtungen. Der Libanon anerkennt zwar mittlerweile nicht weniger als 19 Religionsgemeinschaften, doch der «amerikanische Krieg gegen den Irak» sowie die im letzten Jahr angeblich enttarnten «200 Spione für Israel» schürten Spannungen zwischen den verschiedenen Gruppierungen. Viele Christen hätten mittlerweile das Land verlassen. Er appelliert darum inbrünstig an die Verbliebenen, dem Libanon nicht den Rücken zu kehren: «Denn wenn wir gehen, lassen wir nicht nur unsere Heimat, sondern auch unseren Glauben zurück.» Kaiser im Libanon Marius Kaiser, katholischer Pfarrer in Thalwil, reiste selber schon zweimal in den Libanon, um sich vor Ort ein Bild der Situation zu machen. Er schätzt darum, dass er durch Haddad nun wieder auf dem aktuellsten Stand ist, wie es um die Christen im Libanon steht. Besonders gefreut hat Kaiser, dass einige Libanesen aus den umliegenden Gemeinden zur Predigt kamen. Auch für Haddad selber findet er nur lobende Worte: «Er ist ein grossherziger Mensch, dem viel daran liegt, dass Christen und Muslime friedlich zusammenleben können.» «Die Schweizer scheuen sich, über ihre tiefe Geburtenrate zu reden, weil das als rassistisch gelten könnte.» Elie Haddad Für Elie Haddad könnten Christen dank Muslimen gläubiger werden. Foto: Sabine Rock

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