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Die Steuerfussdebatte bewegte mehr als die Bombendrohung

Knapp lehnte Weiach das Budget 2011 ab. Doch die Finanzlage sieht düster aus. Um höhere Steuern kommt das Dorf kaum herum.

Von Ines Rütten Weiach – Unter Polizeischutz stimmten die Weiacher am letzten Freitag über Steuerfuss und Budget ab. Grund war die schriftliche Bombendrohung, die am Morgen bei der Verwaltung eingegangen war. Der Drohung lag ein Artikel des «Zürcher Unterländers» zur geplanten Steuererhöhung von 8 Prozent auf 95 Prozent bei (TA vom Samstag). «Wer sich unwohl fühlt, darf natürlich gehen», erklärte Gemeindepräsident Paul Willi gleich zu Beginn der Gemeindeversammlung. Doch die Weiacher blieben. Denn die geplante Steuererhöhung löste auch bei ihnen viel Unmut aus. «Keiner von uns hat dieses Jahr mehr Lohn erhalten, aber mehr Steuern sollen wir zahlen, beschwerte sich eine Bürgerin, dabei gibt es hier nichts, keine Apotheke, keinen Bahnhof im Dorf, keine Post und nur einen Supermarkt.» Weiach sei sowieso schon unattraktiv – ein höherer Steuerfuss mache es noch schlimmer, meldeten sich andere. Eigenkapital schrumpft massiv Fakt ist jedoch, dass es um die Finanzen der Gemeinde schlecht steht. Die Erträge sind in den letzten Jahren stark gesunken, die Kosten jedoch gestiegen.Reagiert wurde nicht. So sind Wärmeverbund und Abwasserwerke tief in den roten Zahlen. Zu den Steuererhöhungen müssten die Weiacher dafür zusätzliche Mehrausgaben in Kauf nehmen. Einzig die Wasserversorgung und die Abfallentsorgung sind finanziell stabil. Das Eigenkapital schrumpft zudem jährlich und liegt bei 4,4 Millionen Franken. Der frisch gewählte Gemeinderat muss nun die Misswirtschaft seiner Vorgänger ausbaden. «Eine Korrektur ist dringend nötig, um die Lage wieder zu stabilisieren», erklärte Willi. Eigentlich hätte der Steuerfuss seit 2005 stetig steigen sollen. Aber erst im letzten Jahr habe man ihn um 2 Prozent angehoben. Doch das reiche bei weitem nicht – darum sei jetzt ein grosser Sprung nötig. Mit diesem könne man «das Schiff wieder auf Kurs bringen». Mit dem neuen Finanzausgleich 2013 könne man dann eine ausgeglichene Rechnung erreichen. Zudem betonte Paul Willi, dass Weiach mit einem Steuerfuss von 95 Prozent auch dann noch im tiefen Bereich liege. «Das ist doch Schwarzmalerei», meinte ein Weiacher. «Die sagen, dass es rundum noch schlimmer ist, um mehr Geld von uns zu bekommen.» Kein Stichentscheid möglich Nach der Abstimmung zum Voranschlag stand das Ergebnis 33 zu 33 Stimmen. Einige der 72 Anwesenden hatten gar nicht erst abgestimmt. Der Stichentscheid durch den Präsidenten war nicht möglich, denn er hatte seine Stimme bereits abgegeben. Daraufhin beriet sich der Gemeinderat und verkündete, dass er Anfang nächsten Jahres an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung ein überarbeitetes Budget vorlegen wolle.

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