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Die Logarithmentafel war früher die Bibel der Vermesser

Zum 100-Jahr-Jubiläum des Thalwiler Bauamts erhält man im Ortsmuseum einen Einblick in die Entwicklung der Gemeinde und die Arbeit des Amtes.

Von Andreas Kurz Thalwil – Es sei zwar nicht alltäglich, dass man das Jubiläum eines Amtes mit einer Ausstellung würdige, sagte Gemeindepräsidentin Christine Burgener (CVP) an der Vernissage, «in diesem Fall dachten wir aber, dass es sich lohnt.» Bis im November kann man im Ortsmuseum den Wandel Thalwils mittels Luftaufnahmen, Zonenplänen, Karten, Photos sowie Dokumenten und Informationen über die Arbeit im Bauamt nachvollziehen. «Thalwil hat ein Gesicht, an dem man seine Geschichte ablesen kann», sagt Kuratorin Christina Enderli. Es sei unheimlich viel passiert in den letzten 100 Jahren. In einer Präsentation kann man die Bautätigkeit in der Gemeinde vom Jahr 1901 bis heute in sieben Etappen mitverfolgen. Auffällig sind dabei zwei Entwicklungsschübe. Der erste fand um die vorletzte Jahrhundertwende statt. Damals prägte die Textilindustrie im Zuge der Industrialisierung das Gesicht des ehemaligen Bauerndorfs. Dieser erste Entwicklungsschub machte dann auch die Stelle des Gemeindeingenieurs notwendig, die 1910 neu geschaffen wurde. Es war die Geburtsstunde des Bauamts, dem heutigen «DLZ Planung, Bau und Vermessung». Zwischen den Weltkriegen stagnierte der Bau, bis sich ab den 1950er bis in die 90er Jahre der Wandel zur Wohngemeinde vollzog. Mittlerweile gibt es praktisch keine Baulandreserven mehr. Eine Handschrift wie gedruckt An der Vernissage dabei war auch der Gemeindeingenieur von 1972 bis 2005, Robert Bürgi. Zusammen mit seiner früheren Tätigkeit im Amt – damals noch unter seinem Vorgänger – habe er Einblick in insgesamt neunzig der hundert Jahre des Bauamtes gehabt. Deshalb kennt er auch den alten Arbeitsplatz, den die Ausstellungsmacher im Ortsmuseum nachgestellt haben, bestens. Auf dem Schreibtisch liegen die Utensilien der einstigen Vermessungsingenieure: Zirkel, Rechenschieber, Tintentrockner und eine Logarithmentafel. Das dicke Buch sei «die Bibel der Vermessungsingenieure» gewesen, sagt Robert Bürgi. Auf dem Pult liegt unter einem Orthogonalkoordinatographen auch ein Katasterplan der «Gemeinde Thalweil» aus dem Jahr 1900. Die Schrift sieht aus wie gedruckt, trotzdem sei alles handgezeichnet, versichert Bürgi. «Das erste Lehrjahr der Vermessungsingenieure bestand zu dreissig Prozent aus Schriftübungen.» Präzision habe zum Berufsstolz gehört. Tagelanges Rechnen Doch auch früher konnte man auf die Unterstützung von Maschinen zählen: Neben dem Schreibtisch steht eine koffergrosse «Millionär»-Rechenmaschine. Das Ungetüm mit elektrischem Antrieb hat dutzende Knöpfe und Hebel. Bis 1965 berechneten die Ingenieure auf der ratternden Maschine Polygonzüge und Vektoren. «An einem Polygonzug rechnete man gut und gerne einen ganzen Tag», erinnert sich Robert Bürgi. «Heute ist das eine Sache von Minuten.» Einer der froh ist, dass diese Zeiten vorbei sind, ist Jonas Solenthaler. Er hat seine Lehre als Geomatiker eben abgeschlossen und steht neben einem modernen Leica-Tachymeter. Das Vermessungsgerät verfügt über ein Laser-Lot und misst die Distanzen millimetergenau mittels Infrarot. Das sensible Gerät registriert sogar, dass der Boden vibriert, weil die Leute im Raum umherlaufen. Er sei froh, dass er nicht mit den damaligen Werkzeugen arbeiten müsse. «Das war wirklich Fleissarbeit.» Ausstellung 100 Jahre Bauamt Thalwil,3., 23., 24. Oktober sowie 7. November.Jeweils von 14.00 bis 17.00 Uhr im Ortsmuseum Thalwil, Alte Landstr. 100. Die Vermessungsutensilien zeigen den Fortschritt der Technik. Foto: Sabine Rock

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