Zum Hauptinhalt springen

Die Clientis wagt den Schritt in die Grossstadt

Die Regionalbank Clientis verbucht einen markant kleineren Gewinn. Trotzdem ist das Finanzunternehmen gewachsen – und eröffnet eine neue Filiale.

Von Michael von Ledebur Wetzikon – Die Clientis Zürcher Regionalbank ist 2010 zwar gewachsen, hat aber deutlich weniger verdient. Sie wies einen Bruttogewinnrückgang von satten 17,9 Prozent auf 4,1 Millionen Franken aus. Schuld daran ist das tiefe Zinsniveau. Der regionale Hypothekenmarkt gleicht derzeit einem Feld in einem trockenen Jahr. Zwar wirft es nach wie vor Erträge ab, aber geringere als in guten Jahren. Um dies auszugleichen, versuchen die Bauern rund ums Feld, ihren Anteil am Boden auszudehnen. Am Rande des Feldes heben Mahner den Zeigefinger und warnen vor der Übernutzung des Landes: Dann drohe das Feld weggeschwemmt zu werden, wenn der Regen wieder einsetze. «Wachstum war nötig» Im Falle der Banken sind es freilich nicht die Himmels-, sondern die Zinsschleusen, die über das Geschäftsumfeld entscheiden. Solange das Zinsniveau derart tief ist wie nun schon das dritte Jahr in Folge, sind die Gewinnmargen der regionalen Banken tief. Dies trifft zumindest auf die Clientis Zürcher Regionalbank mit Sitz in Wetzikon zu, die gestern den Bruttogewinnrückgang bekannt gab. Aber eben: Wenn die Erträge geringer sind, gilt es, mehr Land zu beackern. So vermochte die Clientis Zürcher Regionalbank sowohl die Kundengelder (1,8 Milliarden Franken, plus 1,9 Prozent) als auch die Kundenausleihungen (2,4 Milliarden Franken, plus 4,7 Prozent) zu steigern. So resultierte ein Wachstum der Bilanzsumme um 3,6 Prozent auf 2,6 Milliarden Franken. «Das Wachstum war nötig, weil unsere Margen aufgrund des tiefen Zinsniveaus gesunken sind», sagte Rolf Zaugg, Vorsitzender der Geschäftsleitung. Unverminderte Bautätigkeit Wenn von Kundenausleihungen die Rede ist, so ist im Fall der Regionalbanken der Markt mit Hypotheken gemeint. Dieser wächst nach wie vor. Der Grund für die anhaltend rege Bautätigkeit auch im Zürcher Oberland ist laut Zaugg die Zuwanderung – ausgelöst durch die Personenfreizügigkeit mit der EU. Vor Jahresfrist waren einige Wirtschaftsbeobachter davon ausgegangen, dass dieses Wachstum zu einem Ende komme. Aber: «Die Bautätigkeit ist konstant hoch und die Nachfrage stabil», sagt Zaugg. Und auch hier stehen die Mahner, die vor einer Übernutzung des Bodens warnen, bereit: Im Falle der Banken befürchten sie, dass der Konkurrenzkampf dazu führt, dass Banken aufgrund tieferer Margen um jeden Preis wachsen wollen. Dies führe dazu, dass die Banken bei den Vergaben von Hypotheken öfter mal ein Auge zudrücken. Sie laufen damit Gefahr, dass wenn das Zinsniveau wieder steigt, die Hypothekennehmer das höhere Zinsniveau nicht tragen könnten. Zaugg kennt diese Befürchtungen und betont, man sei mit 4,7 Prozent nur leicht über dem Markt gewachsen. Skeptisch wird er, wenn er von Banken hört, die ihre Aushleihgeschäft um «sechs, sieben, acht Prozent» steigern. «Das ist meiner Meinung nach nicht möglich ohne Konzessionen an die Kreditwürdigkeit.» In solchen Fällen werde auch die Bankenaufsicht hellhörig. «Konzessionen» bezüglich Kreditwürdigkeit könne eine Bank auf verschiedene Arten machen. Etwa indem sie eine Liegenschaft höher einschätzt, als sie Wert hat. «Wir schätzen deshalb jede Liegenschaft selbst, machen keine Schreibtischgeschäfte.» Oder indem bei einer Tragbarkeitsberechnung von einem zu tiefen Zinsniveau auch in der Zukunft ausgegangen werde. «Wir rechnen mit einem Zinsniveau von fünf Prozent» – einige Mitbewerber hingegen kalkulierten mit lediglich 3,5 Prozent. Stille Reserven abgezweigt Zaugg befürchtet indes keine Immobilienblase. «Die Banken in der Schweiz haben die Immobilienkrise der 90er-Jahre noch in Erinnerung», sagt er; entsprechend agierten sie vorsichtig. Die Überhitzung sei nur punktuell. Dennoch beschreitet die Clientis Zürcher Regionalbank den Weg der Vorsicht. Dies gilt auch bezüglich einer zweiten Gefahr, die bei einem Zinsanstieg droht: die Refinanzierung. Im Falle höherer Zinsen müsste die Bank ihren Sparern nämlich höhere Zinsen zahlen, wäre aber bei Festhypotheken an tiefere Sätze gebunden. Ein potenzielles Risiko, gegen dass man sich am Kapitalmarkt abgesichert hat. Die entsprechende «Versicherung» schlägt mit jährlichen Kosten von 1,9 Millionen Franken zu Buche. Dies schlägt auf den Gewinn – ebenso wie jene 2,5 Millionen Franken, die als stille Reserven abgezweigt wurden. Doch Sicherheit gehe vor, sagt Zaugg, «als Genossenschaft sind wir zum Glück keinen Shareholdern verpflichtet». Der kluge Bauer sorgt vor. Erste Filiale in Zürich 2011 will die Regionalbank in die Stadt Zürich expandieren: Sie eröffnet im vierten Quartal eine Filiale am Stadelhofer-platz. «Der Schritt in die Stadt Zürich ist für unsere Bank ein Meilenstein», sagt Zaugg. «Im Zürcher Oberland stossen wir an unsere Wachstumsgrenzen, hier ist jeder vierte Einwohner bereits Kunde bei uns.» Kundengespräche hätten gezeigt, dass die Nachfrage gross sei.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch