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«Der notwendige Artikel wird leider nicht viel bewirken können.»

Hochschulen Kann man Forschung wie Spitzensport betreiben?, TA vom 31. Mai Dünkel in der Privatwirtschaft. Ja sicher kann man Forschung wie Spitzensport betreiben: wenn man die Universitas zur Wirtschaftshure macht und die «Forscher» für erwünschte Resultate mit üppigen Honoraren dopt, wie das die Pharmaindustrie tut. Die Zustände an der Philosophischen Fakultät sind dagegen absolut idyllisch. Der erfrischende und notwendige Artikel von Frau Jauch wird leider nicht viel bewirken können gegen die geballte Macht der Utilitaristen. So brillant und zutreffend der Artikel auch ist: In einem Punkt ist er reichlich naiv. Dass die Mentalität von Dünkel, Obrigkeits- und Standesdenken in der Privatwirtschaft längst als schädlich und überholt gelte, stimmt in keiner Weise. Ich möchte Frau Jauch die Lektüre von Martin Suter («Business class») ans Herz legen: nicht akademisch, aber treffsicher und betüblich wahr. Werner Brühlmann, Zollikon Erlaubt ist, was gefällt. Als ehemalige Studentin kann ich Frau Jauchs Beobachtungen nur bestätigen. In der Tat fragt man sich nach sonderbaren Begegnungen mit narzisstischen Professoren, ob die Universität sich grundsätzlich dem Ziel verpflichtet, Studenten gut auszubilden, oder ob hier andere Interessen am Werk sind. Erhält man tiefere Einblicke in das Universitätsgeschehen, so erkennt man, dass das Letztere oft zutrifft. «Erlaubt ist, was gefällt» – sei es rechtswidrig oder moralisch einfach nur verwerflich, was einige Professoren sich an der Universität erlauben können. Doch solange der Rubel rollt, schweigt man. Damit zeigt sich auch der Ursprung des Übels in seiner Deutlichkeit. Er fällt mit dem Einzug des Utilitarismus ins Ethik-Zentrum zusammen. Denise Amatruda, Wallisellen Es braucht nicht nur Buchhalter. Wie wohltuend ist es doch, wenn jemand so präzise die Stimmung unserer Hochschullandschaft wiedergeben kann. Und wie gross ist doch die Ratlosigkeit, wenn wir immer mehr zum Effizienzdenken tendieren. Die Bildungspolitiker sind gefordert. Es braucht nebst den rationalen, buchhalterischen Denkern die charismatischen Persönlichkeiten, die Universitäten wie Hochschulen mit Weitsicht führen. Die gibt es aber nur, wenn wir sie dementsprechend ausbilden. Prof. Flurina Paravicini,Hochschule Luzern Wichtiger Appell. Endlich ein Beitrag, der mutig auf den Punkt bringt, was heute in unserer Bildungslandschaft von der Vorschule bis zur Hochschule schiefläuft. Ganz herzlichen Dank an die Philosophin, die zeigt, wie weit wir uns von wirklicher Bildung, die Wissen schafft, entfernt haben. Besonders schmerzt es mich als ehemaligen Dozenten in der Ausbildung und Weiterbildung von Lehrpersonen, dass sich offenkundig auch die pädagogischen Hochschulen leider diesem unheilvollen Trend nicht entziehen können. Möge dieser Appell von unseren Bildungsverantwortlichen vernommen werden. Prof. Dr. Peter Wanzenried,Winterthur Praktisches Denken ist sinnvoll. Die Diagnose Frau Jauchs ist ja nicht gerade originell. Die rostigen Fanfaren des idealistischen Bildungsideals tönen schief. Scheinbar konnte auch unter der Ägide der (gänzlich punktebefreiten) Artes liberales Descartes Durst nach wahrhaft idealer Bildung nicht universitär gestillt werden. Man mag die institutionelle Unzulänglichkeit bedauern, näher läge es doch aber, idealistische Erlösungsfantastereien ganz einfach vom Wissensapparat Universität abzukoppeln: An Universitäten werden in erster Linie junge Leute für den Berufsstand vorbereitet und dazu eignet sich praktisches lösungsorientiertes Denken sehr wohl (wie der Erfolg der dualen Berufsbildung beweist). Glückseligkeit ist damit freilich nicht garantiert, aber, das wusste schon Kant, damit hat die Vernunft per se auch nichts zu tun. Da bleibt nur das Beten. Patrick Bisang, Zürich «Wie gross ist doch die Ratlosigkeit, wenn wir immer mehr zum Effizienzdenken tendieren.»

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