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Der Mist ist geführt

Nach der Einzelinitiative von Karl Gmünder (SP) schaltet sich nun auch Esther Holm, IG Lebensqualität, in die Diskussion um die Zukunft des Horgner Bockenguts ein. Doch die Entscheidungen sind gefallen.

Von Daniel Stehula Horgen – Das ist die Situation, wie sie sich zurzeit darstellt: Das Bockengut wird in fünf Jahren aus dem bäuerlichen Bodenrecht entlassen. Bis zum 31. Januar 2011 darf die Pächter-Familie Vögeli auf dem Hof bleiben – dies entschied das Horgner Bezirksgericht am 15. Juni. Die 17 Hektaren Landwirtschaftsland sind bereits zwei neuen Pächtern zugesichert. Diese warten nur darauf, nach dem Weggang der Familie Vögeli das Land zu bestellen. Die Credit Suisse (CS) als Besitzerin des Bockenguts steht im Dialog mit der Interessengemeinschaft (IG) Bocken. Man diskutiert über die künftige Nutzung der Immobilien Uf Bocken. Die Widerstandsbewegung aus Grünen, SP und IGs hatte sich formiert, um zu verhindern, dass Uf Bocken Luxuswohnungen oder ein Golfplatz entstehen. Man half der Bauernfamilie Vögeli dabei, länger auf dem Hof bleiben zu können. Die Bewegung hatte Erfolg. Der Kampf ist so gut wie vorbei. Doch Alt-Kantonsrat Karl Gmünder versucht trotz allem, mit einer Einzelinitiative den Gemeinderat dazu zu bringen, der CS das Bockengut abzukaufen. Und Esther Holm von der IG Lebensqualität Horgen bringt sich nach langem Schweigen ebenfalls noch in die Diskussion ein. Sie schlägt in einem Interview mit der «Zürichsee-Zeitung» vor, im Bockengut solle ein Heim für junge körperlich und geistig Behinderte eingerichtet werden. Die Behinderten sollen auf dem Hof arbeiten, Pro-Specie-Rara-Pflanzen anbauen und diese im Hofladen verkaufen, oder sie könnten ein Café auf dem Bockengut betreiben. Damit würde ein Ausflugsziel geschaffen und gleichzeitig könne die CS in Horgen viel Goodwill ernten. Esther Holm war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Wenig Aussicht auf Erfolg Die Vorschläge von Gmünder und Holm irritieren durch den Zeitpunkt ihrer Lancierung. So ist bekannt, dass die CS bei Treffen mit der IG Bocken bereits vor Jahresfrist die Absicht äusserte, die Gebäude des Bockenguts einer gemeinnützigen Nutzung zu öffnen. Die Grossbank lud gar dazu ein, geeignete Stiftungen vorzuschlagen. Das Land allerdings könnten Bewohner einer solchen Einrichtung nicht mehr bestellen – es ist bekanntlich neu verpachtet. Die Einzelinitiative Gmünders hat auch wenig Aussichten auf Erfolg. Ein Rückkauf des Bockenguts durch die Gemeinde Horgen ist unwahrscheinlich vor dem Hintergrund der Verkäufe. 1977 veräusserte die Familie Schwarzenbach das Anwesen an den Kanton. 1996 verkaufte es der Kanton weiter an die SKA, die Vorgängerin der heutigen CS. Der Unterhalt des Anwesens war früher bereits teuer – doch heute ist das Bockengut sanierungsbedürftiger denn je, weil die CS lange Zeit nur wenig in den Hof investierte. Soziale Lösung gewünscht Matthias Herfeldt (Grüne) hat sich seit dem Frühling 2009 für das Bockengut eingesetzt. Wie bewertet er den Aktionismus zu einem Zeitpunkt, da der Mist geführt ist? Der Präsident der Horgner Grünen gibt sich zurückhaltend. Er findet es gut, dass Gmünder mit seiner Einzelinitiative die Diskussion um die Zukunft des Bockenguts weiter am Leben hält. Aber er sagt auch: «Die Chancen sind gering, unsere ursprünglichen Ziele noch zu erreichen, nämlich das Bockengut als einen bewirtschafteten Hof zu erhalten, auf dem der Bauer zu Hause ist.» Matthias Herfeldt findet es wichtig, der CS klargemacht zu haben, dass die Horgner Bevölkerung eine grüne und soziale Lösung für das Bockengut wünsche. Aber daran, dass die Entscheidung bei der CS liege, gebe es nichts zu rütteln.

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