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Der kriminelle Lottospieler musste 400 Scheine ausfüllen

Ein Steuerbeamter und Erpresser hat innert Tagen eine halbe Million im Lotto verspielt. Bei diesem Einsatz würden heute bei Swisslos alle Alarmsirenen losgehen.

Von Felix Schindler Zürich – Wer Lotto spielt, hofft, mit 3 Franken einen Millionen-Jackpot zu knacken. Ein 26-jähriger Steuerberater wollte das Glück mit über 500 000 Franken erzwingen. Weil er den Wetteinsatz aber auf erpresserische Weise beschafft und Geld veruntreut hatte, wurde er zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 30 Monaten verurteilt (TA von gestern). Der Ex-Steuerbeamte spielte Systemlotto – eine wesentlich kostspieligere Variante des üblichen Lottos. Die teuerste Variante erlaubt es, zwölf Felder statt nur deren sechs anzukreuzen. Dadurch wird die Chance auf einen Sechser 924-mal grösser – aber auch der Spieleinsatz höher. So kostet ein einziger Lottoschein bereits 1368 Franken. Doch selbst dann müsste der 26-jährige Steuerbeamte fast 400 Lottoscheine ausgefüllt haben, um über 500 000 Franken zu verspielen. Das 12er-Systemlotto wird allerdings äusserst selten gespielt, wie Willy Mesmer von Swisslos sagt. «Dieses Jahr ist das genau dreimal passiert.» Die Einsätze des 26-Jährigen waren für die Kioskbetreiber auf jeden Fall mehr als aussergewöhnlich. Der Blue-Express-Kiosk in Seebach machte im ersten Halbjahr des Jahres 2008 pro Woche durchschnittlich 3500 Franken Umsatz – innert weniger Tage blätterte der Spielsüchtige aber über 100 000 Franken auf den Ladentisch. In der damaligen Avec-Filiale in Oberglatt liess der Mann gar 345 000 Franken liegen. Achtung, Geldwäscherei Das sei zumindest «juristisch heikel», sagt Strafrechtsprofessor Daniel Jositsch. Es sei abzuklären, ob sich ein Kioskbetreiber der Geldwäscherei schuldig mache, wenn er solch hohe Beträge entgegennehme. Der Straftatbestand sei erfüllt, wenn Vermögenswerte verschoben werden, die aus einem Verbrechen – wie einer Veruntreuung – stammen. Warum aber reagierten die Betreiber nicht? Der Geschäftsführer der Avec-Filiale will dazu nichts sagen. Sein Betrieb gehörte 2008 zur Firma Cevanova. Deren damaliger Chef Markus Länzlinger sagt: «Die Franchise-Nehmer sind selber für den Verkauf verantwortlich. Wir auferlegen ihnen keine Restriktionen ausser denen, die das Gesetzt verlangt.» Was der 26-Jährige gemacht hat, würde heute wohl rasch auffallen. Laut Mesmer werden seit rund 18 Monaten die Umsätze der Lotto-Verkaufsstellen täglich ausgewertet. Wenn ein solcher plötzlich 10 000 Franken übersteigt, nimmt Swisslos sofort Kontakt mit dem Kiosk auf – um abzuklären, ob ein Spielsüchtiger oder Trickbetrüger am Werk war. Tagesanzeiger.ch/Newsnetz

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