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Der Hohn der Familie Ghadhafi

Libyens Regierungstruppen starten den Angriff auf die Bastion der Rebellen. Es werde nächstens «alles vorbei» sein, kündigt Saif al-Islam al-Ghadhafi an. Und wie zuvor sein Vater verhöhnt er den Westen.

Von Oliver Meiler, Marseille Im Lachen von Saif al-Islam schwingt in diesen Tagen viel teuflischer Triumph mit. Es gab Zeiten, da galt dieser Sohn von Muammar al-Ghadhafi im Westen als Hoffnungsträger. In Paris und Washington sagte man sich lange, dass der heute 39-jährige Architekt das Zeug habe, dereinst seinem Vater nachzufolgen und Libyen in eine bessere, freiere Zukunft zu führen. So modern und smart wirkte er. Saif engagierte sich karitativ, bemühte sich um die Befreiung westlicher Geiseln in der Welt und wertete das Image des Regimes just zu einem Zeitpunkt auf, als Ghadhafi sen. nach Jahrzehnten der internationalen Ächtung auf die Weltbühne zurückkehrte. Doch nun, da das Regime den Aufstand seiner Gegner mit Kampfjets und Panzern in die Knie zwingt und dabei viele zivile Opfer in Kauf nimmt, zeigt sich immer deutlicher, dass der Westen ein falsches Bild von Saif al-Islam (übersetzt: Schwert des Islam) hatte. «In 48 Stunden ist alles vorbei», sagte er am Mittwoch triumphierend in einem Fernsehinterview mit dem Sender Euronews, als sich die Regierungstruppen vor den Toren Benghazis, der Hochburg der Rebellen, in Stellung brachten. Man wolle «die Verräter», wie er die Aufständischen nannte, nicht töten. Noch bleibe ihnen etwas Zeit, um nach Ägypten zu fliehen. Als man ihn fragte, was er davon halte, dass die internationale Gemeinschaft vielleicht doch noch ein Flugverbot errichten werde, sagte er höhnisch: «Egal, was die UNO jetzt entscheidet – es kommt alles zu spät.» Enthüllungen angedroht Wie zuvor schon sein Vater hatte auch Saif al-Ghadhafi nur abschätzige Worte übrig für die westlichen Leader, zumal für den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, der vergangene Woche mit der Anerkennung der libyschen Rebellenregierung das Regime am frontalsten angegriffen hatte. Saif droht ihm mit brisanten Enthüllungen: «Sarkozy muss uns das Geld zurückzahlen, das wir ihm für die Finanzierung seines Wahlkampfes gegeben haben. Wir haben detaillierte Belege davon und sind bereit, alles preiszugeben.» Er nannte ihn einen «Clown». Ghadhafi sen. hatte tags zuvor gesagt, Sarkozy sei verrückt geworden: «Er ist mein Freund, doch ich glaube, dass er eine psychische Krankheit hat. Das sagt mir seine Entourage.» 2007 hatte Sarkozy Ghadhafi mit viel Pomp im Elysée empfangen. Nun scheinen die Bande gerissen. Frankreichs Drängen auf eine militärische Intervention in Libyen, um Ghadhafis Offensive zu stoppen, wurde am Mittwoch im Weltsicherheitsrat debattiert. «Es ist noch nicht zu spät», beteuerte Aussenminister Alain Juppé auf seinem Blog. Nur die Androhung militärischer Gewalt könne Ghadhafi stoppen. Zusammen mit den Briten und den Libanesen habe man einen Resolutionsentwurf hinterlegt. Doch noch immer zeichnet sich kein Konsens ab in der internationalen Gemeinschaft – im Gegenteil: Je mehr Zeit verstreicht und je näher Ghadhafis militärischer Sieg rückt, desto unwahrscheinlicher wird eine Intervention. Vor allem die grossen Mächte USA, China, Deutschland und Russland stehen jeder Art von Militäroperation skeptisch bis offen ablehnend gegenüber (TA vom Mittwoch). Für die Aufständischen ist das Zaudern eine grosse Enttäuschung. Die französischen Medien berichteten am Mittwoch, dass der Vertreter der libyschen Rebellenregierung, der eigens zur Pariser Tagung der G-8-Aussenminister gereist war, um für seine Causa zu lobbyieren, verärgert und ernüchtert abgereist sei. Er habe bei allen Gesprächen gespürt, dass die internationale Gemeinschaft den Konflikt in seinem Land für entschieden halte. Das öffentliche Votum des italienischen Aussenministers Franco Frattini spiegelte diese Haltung am deutlichsten: «Wir dürfen, sollen und können keinen Krieg führen in Libyen», sagte er und regte stattdessen die Vorbereitung massiver humanitärer Hilfe an – für die Opfer der letzten Schlachten. «Sarkozy muss das Geld zurückzahlen, das wir ihm gegeben haben.» Saif al-Islam al-Ghadhafi «Egal, was die UNO jetzt entscheidet – es kommt alles zu spät»: Ghadhafi-Sohn Saif al-Islam beim TV-Interview.Foto: Reuters

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