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Der gelbe Roboter, der auf Knopfdruck die Raser bändigt

Eine Erfindung aus Holland setzt Rumpelschwellen und orange Kegel. Ein Test auf der Zürcher Autobahn zeigte aber auch Erschreckendes.

Von Ruedi Baumann Winterthur – Wie sperrt man auf der Autobahn die Überholspur, ohne sich Lebensgefahren auszusetzen? Weil Autofahrer auch bei Tempo 120 telefonieren, in der Agenda blättern, das Navigationsgerät bedienen oder einfach nur träumen, sind normale Warntafeln für die Bauarbeiter kein hundertprozentiger Schutz. Die Zürcher Baudirektion hat vor einiger Zeit auf einer Fachausstellung in Holland eine Erfindung entdeckt, die vier gefährliche Aufgaben automatisch und ohne Risiko für die Arbeiter erledigt. Die Multifunktionsmaschine steht dem Tiefbauamt nun zwei Wochen für Tests zur Verfügung. Das gelbe M.A.R.S.-Mobile (Mobile Automatic Roadblock System) kostet 400 000 Franken – inklusive Mercedes-Lastwagen – und besteht aus vier Teilen: Aufprallschutz, Signalisationstafel, mobile Rumpelschwelle und Kegelsetzroboter. Bei dichtem Verkehr wurde M.A.R.S. gestern um 16 Uhr auf der A 1 bei Effretikon getestet. Rund um Winterthur wird die 40-jährige Autobahn zurzeit für fast 300 Millionen Franken saniert. Rumpelschwelle als Wecker Per Funk beordert Beat Städler, Chef des Werkhofs Winterthur, einen Signalisationswagen auf den Pannenstreifen einen Kilometer vor der Sperre. Ein grosses Leuchtdiagramm macht auf die entsprechende Spurverengung aufmerksam. Im M.A.R.S.-Mobil pflanzt der Fahrer zuerst eine gelbe Rumpelschwelle auf die schnellste Spur. Das ist eine Gummimatte, die beim Überfahren ein lautes Rumpeln verursacht und auch jene Fahrer aufweckt, welche die Spurverengung noch nicht bemerkt haben. Als Nächstes fährt der Chauffeur einen Aufprallschutz samt Signalisationspfeil aus. Dieser besteht aus einem Geflecht von Alu-Waben und Karton. Rammt ein Auto mit Tempo 80 diesen Block, wird der Fahrer kaum verletzt, weil die Energie durch die Wabenkonstruktion absorbiert wird. Lastwagenführer und Bauarbeiter sind so sehr gut geschützt. Pro Jahr werden auf Zürcher Autobahnen 15?Aufprallblocks zu Schrott gefahren. Kostenpunkt pro Block: 30 000 Franken plus Reparaturarbeiten. Rammblöcke werden Schrott Der Rammblock wird vom M.A.R.S.-Piloten abgekoppelt und auf der Überholspur parkiert. Nun startet der gelbe Holländer seine eigentliche Mission: das Setzen der orangen Gummikegel. Bei Tempo 25 werden die Kegel automatisch im Abstand von 20 Metern zur Abtrennung der Fahrspuren gesetzt. «Längere Abstände sind gefährlich», sagt Strasseninspektor Reto Färber, «da beginnen einzelne Automobilisten die seltsamsten Slalomfahrten.» M.A.R.S. kann bis zu 260 Kegel setzen und damit in zehn Minuten über fünf Kilometer Autobahn auftrennen. Etwas länger, da im Rückwärtsgang, dauert dann das Einsammeln. Auf der dritten Spur bis zuletzt Der Test mit dem ersten M.A.R.S.-Mobil in der Schweiz verlief erfolgreich. Der Fahrer konnte die dritte Spur allein sperren. Bisher musste ein Mitarbeiter auf der Lastwagenbrücke sitzend die Kegel von Hand setzen. Der Test zeigte den Beobachtern auf einer Brücke über der Autobahn aber auch die Gefahren. Trotz zwei Signaltafeln gabs viele Automobilisten, welche die Überholspur erst im allerletzten Moment verliessen. Alle paar Minuten ratterte einer über die Rumpelschwelle und bog erst kurz vor dem Rammblock auf die mittlere Spur ein. Der Aufprallschutz ist parkiert, nun setzt das M.A.R.S.-Mobil die orangen Signalisationskegel. Fotos: Dominique Meienberg Ein Roboterarm platziert die Kegel bei Tempo 25.

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