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Der 100-jährige Beweis dafür, dass es auch ohne Fleisch geht

Bis vor kurzem lebte der Veganer Werner Hofstetter noch als Selbstversorger von einem kleinen Stück Land. Sein runder Geburtstag ist für ihn der erste im Heim.

Von Maria Zachariadis Hombrechtikon – Werner Hofstetter trinkt keinen Kaffee, keinen Wein und auch kein Bier. Doch das Wichtigste, was auf seinem Menüplan schon zeitlebens gefehlt hat, sind tierische Produkte. Das scheint ihm gut getan zu haben, denn seine 100 Jahre sieht man dem geistig wie körperlich fitten Jubilar mit dem vollen weissen Haar nicht an. «Das ist auch nicht nötig», sagt Werner Hofstetter zufrieden und schmunzelt. Er sitzt am Tisch in seinem behaglichen Zimmer des Alters- und Pflegeheims Sonnengarten, wo er sein Kreuzworträtsel wegen des Interviews unterbrochen hat. Hofstetter trägt weder eine Brille noch ein Hörgerät. Er sei in seinem ganzen Leben nie krank gewesen, sagt der Jubilar. Einzig der Graue Star mache ihm etwas zu schaffen, bedauert der einstige Biogemüsebauer, dessen zwei Kinder auch schon im Pensionsalter sind. «Mein Gemüse war viel zu billig» 45 Jahre lang hat Werner Hofstetter zusammen mit seiner Frau einen Gemüsebetrieb in der Stuelen bei Maur geführt. 1983 hat er das Geschäft dann verpachtet. Vor zehn Jahren hat er den Betrieb an das Pächterpaar verkauft, das den Biohof seither weiterführt. Hofstetter erlernte den Gemüseanbau nach biologischen Richtlinien von seiner Mutter. Einige Male besuchte er ähnlich ausgerichtete Betriebe in Deutschland. «Viel zu billig habe ich damals meine Bioware verkauft», sagt er und schüttelt nachdenklich den Kopf. Er habe eben nie Zeit gehabt, seine Preise mit jenen der anderen Anbieter zu vergleichen. Sonst hätte er sie angleichen können. Bloss einmal habe er in der Migros reingeschaut: «Einzig den Spinat habe ich teurer verkauft.» Zu Fuss zum Markt nach Zürich Für sich und seine Gattin baute er im Alter von 72 Jahren den Dachboden zu einer kleinen Wohnung um, wo er noch bis vor einem Jahr allein wohnte. «Mit dem Stück Land, das ich für mich behalten habe, konnte ich als Selbstversorger gut leben.» Bis zu seinem 90. Geburtstag war Hofstetter regelmässig mit seiner Wandergruppe unterwegs. Doch jetzt sei er zu faul, um rauszugehen. «Da müsste ich mich umziehen, und darum lasse ich es lieber sein», meint er gelassen. Bewegung hatte Werner Hofstetter zeitlebens genug. Ab 1934 brachte er zweimal die Woche das Biogemüse zum Markt auf dem Bürkliplatz. Zu Fuss und mit dem Schubkarren benötigte er gut zwei Stunden für den Hinweg. «Auf dem Rückweg brauchte ich bedeutend mehr Zeit. Ich war jeweils müde, und bis nach Witikon gings ständig obsi», sagt er und lacht. Später kam der Autotraktor zum Einsatz. Von einem Altersheim wollte Hofstetter lange nichts wissen. Eines Tages sei ihm jedoch plötzlich bewusst geworden, dass nach dem Tod seiner Frau vor acht Jahren niemand mehr da war, «der nach mir schaut, wenn mal was passiert». Als Veganer, der weder Fleisch noch Tierprodukte isst, entschied er sich schliesslich für den Sonnengarten, das in seinem Menüplan Vegetarisches und spezielle Schonkost führt. Doch auch hier sei die Auswahl viel zu kompliziert. «Bei uns gab es zuerst einen Salat und dann Kartoffeln, Reis oder Teigwaren und nur ein gekochtes Gemüse.» Die Menschen essen seiner Meinung nach ein «grosses Durcheinander». Eine rein pflanzliche Torte So ist der Jubilar erst mit 99 Jahren nach Hombrechtikon gezogen. In den 25 Jahren, in denen das Heimleiterpaar Hartmann den Sonnengarten führt, ist Werner Hofstetter erst der Zweite, der ein ganzes Jahrhundert erlebt hat. Heute wird er im Heim gebührend gefeiert, und zwar mit einer Torte, die das Küchenteam ausschliesslich aus pflanzlichen Zutaten zubereitet hat. Werner Hofstetter fühlt sich fit und findet es «nicht nötig», dass man ihm sein hohes Alter ansieht.Foto: Reto Schneider

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