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Das Unternehmen Thurella sucht Käufer – die Mitarbeiter einen neuen Job

Während Thurella einen Käufer für die Abfüllanlage und das Hochregallager sucht, machen sich die Personalvertreter für eine gute Abgangsregelung stark.

Von Sandra Zrinski Eglisau – «Es ist Thurella trotz schwierigen Zeiten gelungen, kontinuierlich zu wachsen und zur grössten Herstellerin von Frucht- und Gemüsesäften der Schweiz zu werden.» Das steht nach wie vor auf der Internetsite des Unternehmens mit Hauptsitz in Egnach TG. Häufig wird auf der Website auch der Standort Eglisau erwähnt und die «leistungsfähige Getränke-Abfüllanlage». Genau um diese und das erst 2009 eingeweihte Hochregallager werden nach wie vor Verkaufsverhandlungen geführt, sagt Peter Stephani, Mediensprecher von Thurella. Denn die Expansionsbestrebungen haben der Unternehmung geschadet. Bereits 2008 schrieb sie Verluste. 2009 verschlechterte sich die Situation weiter. Die neue Strategie heisst deshalb: Zurück zu den Anfängen, zu den Obst- und Gemüsesäften. In dieser Neuausrichtung hat die Anlage in Eglisau keinen Platz mehr. Wer die Kaufinteressenten sind, will Peter Stephani nicht sagen. Seit Mitte Monat bekannt gegeben wurde, dass der Unterländer Standort aufgegeben wird, müssen 80 Mitarbeitende mit einer Kündigung rechnen. Weiteren 20 Personen am Hauptsitz steht das gleiche Schicksal bevor. Noch bis Mitte August läuft die Konsultationsfrist, innerhalb der die Mitarbeitenden Vorschläge unterbreiten können, wie der Personalabbau umgangen oder abgeschwächt werden könnte. Bei der Gewerkschaft Syna geht man aber davon aus, dass die Kündigungen – trotz Konsultationsverfahren – ausgesprochen werden. Die Syna wurde von der Personalkommission, der Vertretung der Arbeitnehmer innerhalb von Thurella, bisher nicht angegangen. Einzelne Gewerkschaftsmitglieder meldeten sich allerdings bei ihr. Wie Syna-Zentralsekretär Carlo Mathieu auf Anfrage erklärt, hat die Gewerkschaft im August einen Termin mit Thurella-Vertretern vereinbart: «Wir wollen den Sozialplan einsehen und prüfen, ob die Mindestanforderungen erfüllt werden.» Oberstes Ziel sei die nahtlose Weiterbeschäftigung aller Angestellten im Arbeitsmarkt. Eine sogenannte Jobbörse, wie sie Thurella eingerichtet hat, gehöre unterdessen zum Standard. Die aktiven Bemühungen müssten aber darüber hinausgehen. Das könnten beispielsweise Schulungen und Weiterbildungen sein. «Diese Anstrengungen dürfen nicht einfach auf die öffentliche Hand abgeschoben werden», so Mathieu. Die Syna begründet ihr Eingreifen damit, dass die Arbeitnehmervertretungen in einer Situation wie der vorliegenden stark unter Druck stünden «und in der Regel selbst von einer Kündigung bedroht sind. Deshalb ist es wichtig, dass sich die Gewerkschaft als Aussenstehende einbringt.» Der Personalvertreter für den Standort Eglisau verwies – nachdem er gleich nach Bekanntgabe der Schliessung der Anlage im Unterland in den Medien zitiert worden war – an die offizielle Pressestelle und die Präsidentin der Personalkommission. Diese weicht aus und sagt, dass sie keine Medienanfragen beantworten könne. Fest steht offenbar, dass ein sogenannter Massnahmenplan ausgearbeitet worden ist. Eine Pflicht für einen Sozialplan besteht nicht, weil es für Thurella keinen Gesamtarbeitsvertrag gibt. In einem solchen ist in der Regel ein Sozialplan vorgeschrieben. Der Massnahmenplan sieht vor, dass bei Härtefällen Zusatzzahlungen erfolgen. Beispielsweise an Personen ab einem bestimmten Alter oder wenn jemand für eine neue Arbeitsstelle einen viel längeren Weg in Kauf nehmen muss. «Gute Chancen» Mediensprecher Peter Stephani geht davon aus, dass die Angestellten in Eglisau relativ gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Sie stammen aus verschiedenen Berufsgruppen, darunter befinden sich aber auch Angelernte. «Momentan arbeiten wir mit unseren Partnerfirmen zusammen. Diese melden uns offene Stellen», so Stephani. Die Kündigungsfristen der Angestellten würden je nach Anstellungsart und -dauer zwei bis sechs Monate betragen. Eine verkürzte Kündigungsfrist schliesst Stephani nicht aus, wenn jemand nur so Aussicht auf einen Job hat. Unter den Betroffenen befänden sich auch Personen, die seit 20 bis 35 Jahren in Eglisau arbeiten. Sie haben in der Vergangenheit Besitzerwechsel miterlebt – auch die Wachstumsstrategie der Thurella, deren Misserfolg sie nun mittragen. Das Hochregallager mit der roten Treppe wurde erst 2009 eröffnet. Foto: David Baer 34 % Thurella 4-F Peter Früh 5024

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